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München
29.06.2016

Eine sterbende Branche - Münchens älteste Videothek schließt

Sandra Lo Forte sortiert DVDs in ein Regal ein: 1980 öffnete Münchens älteste Videothek, nun steht sie vor dem Aus.
Foto: Sven Hoppe, dpa

1980 öffnete Münchens älteste Videothek, nun steht sie vor dem Aus. Netflix und Co. machen es den Videotheken schwer. Über das Sterben einer Branche.

Die Regale sind bis oben hin mit bunten DVD-Hüllen gefüllt, Blockbuster reihen sich an Independent-Filme, ebenso wie an Dokumentarfilme und Konsolenspiele. In der ältesten Videothek Münchens sollte jahrelang kein Wunsch offen bleiben. Nun, nach 36 Jahren, schließt die Filiale. 

"Richtig eingebrochen sind die Umsätze vor zwei Jahren", sagt Sandra Lo Forte. 17 Jahre lang hat sie den Laden im Stadtteil Neuhausen geleitet. Rund 5000 Filme konnte man hier ausleihen, jetzt kleben auf den Hüllen bunte Preisschilder. Alles soll raus, bevor der Laden am Donnerstagabend endgültig seine Türen schließt. Auch die anderen Videotheken in der Gegend hätten bereits aufgegeben, sagt Lo Forte.  

Seit Jahren geht es für deutsche Videotheken bergab. "Seit 2002 haben wir massive Probleme damit, dass Kunden die Produkte im Netz kostenlos und schneller bekommen", erklärt Jörg Weinrich vom Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland. 2005 gab es in Deutschland noch weit mehr als 4000 Videotheken, zehn Jahre später ist nur noch gut ein Viertel davon übrig, keine 200 Filialen in Bayern. Viele Läden hätten sich in den vergangenen Jahren angepasst und zum Beispiel Wochenpakete eingeführt, um mehr Flexibilität beim Schauen zu bieten. Dennoch: Gerade die Konkurrenz durch Streaming-Anbieter ist groß.

Nach Angaben der Filmförderungsanstalt (FFA) entfallen bereits mehr als zwei Drittel der Ausgaben im deutschen Videoverleih auf Video-on-Demand, und dabei vor allem auf Streaming-Anbieter wie Netflix, bei denen zu einer monatlichen Pauschale ohne Limit geschaut werden kann. Ganz zu schweigen von illegalen Inhalten aus dem Netz. Diese seien, so Thomas Schulz von der FFA, "eine riesige Grauzone". 

Schnell und günstig - für Lo Forte kommt aber noch ein anderer entscheidender Aspekt hinzu. "Die Bequemlichkeit", sagt die 46-Jährige. Die Menschen wollten "abends bei Wind und Wetter nicht mehr raus, um den Film zurück zu bringen". 2004 verzeichneten Deutschlands Videotheken noch knapp zwölf Millionen aktive Kunden, gut zehn Jahre später hat sich die Zahl gedrittelt. 

Die Videothek habe vor allem durch Stammkunden überlebt, sagt Lo Forte. Früher hätten diese sich bis zu sieben Filme fürs Wochenende reserviert, heute kämen sie aber einfach zu selten in den Laden. Die Preise hat man hier seit der Euroumstellung nicht erhöht.

Die Streaming-Anbieter empfehlen ihren Kunden die Inhalte über einen Algorithmus, eine Art Empfehlungstool. Lo Forte aber hat die Filme selbst gesehen. Tausende, sagt sie. Die Kunden würden das Team für die persönliche Beratung schätzen. Jeder Mitarbeiter hat sein Spezialgebiet. Der Service, sagt Lo Forte, sei das Wichtigste. Und den haben man hier noch mit Herz und Seele betrieben. (dpa)

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