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München
26.02.2020

"Out of business": Brexit zwingt Münchner Geschäft zur Schließung

Wally F. Schoch muss wegen des Brexits ab Mai seinen Laden schließen.
Foto: Brigitte Mellert

Wally F. Schoch führt in seinem Laden in München britische Spezialitäten - bisher mit Erfolg. Nun zwingt ihn der Brexit zur Schließung seines Geschäfts.

Eine Entscheidung Anfang des Jahres zieht weitreichende Folgen nach sich: der Brexit. Viele haben den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union mit Kopfschütteln verfolgt, bislang selbst aber noch keine direkten Auswirkungen gespürt. Anders ist es Wally F. Schoch an diesem Tag im Januar ergangen. Der 69-Jährige ist in München Inhaber des „Pomeroy&Winterbottom“ – eines Ladens in der Nähe vom Königsplatz, der auf britische Produkte spezialisiert ist. Nach Auslaufen des Mietvertrags Ende April wird Schoch sein Geschäft schließen, zu unsicher erscheint ihm die künftige Preisentwicklung nach dem Brexit.

Auch Tassen werden im Pomeroy & Winterbottom verkauft.
Foto: Brigitte Mellert

In seinem Laden, den Schoch seit fünf Jahren betreibt, empfängt er jeden seiner Kunden mit einem freundlichen „good afternoon“ und offenbart dabei einen feinen englischen Akzent. Kunstvoll verzierte Tassen, Kekse und andere typische Leckereien liegen in den Regalen und verströmen ein britisches Flair. Inmitten der Szene steht Schoch und erklärt mit einem Schmunzeln auf den Lippen die einzelnen Produkte, nimmt sich Zeit für Gespräche und plaudert entspannt mit den Kunden.

Nach dem Brexit: Die Preise könnten bis zu 18 Prozent steigen

Das Geschäft mitten in der Münchner Innenstadt ist an diesem Tag rege besucht. „Der Laden lief die letzten fünf Jahre gut“, sagt der Inhaber. Gerne würde Schoch ihn weiterführen – und doch wird er schließen. „Zwischen acht und 18 Prozent Preissteigerung sind zu erwarten“, sagt er. Zu viel für den Geschäftsmann. Einen neuen Mietvertrag könne er unter diesen Bedingungen nicht abschließen. „Wie es weitergeht, weiß ich noch nicht.“

Eventuell, so überlegt Schoch, konzentriert er sich auf Produkte aus Irland. Die Republik Irland verlässt – anders als die Provinz Nordirland, die zum Vereinigten Königreich gehört – nicht die EU. Entsprechend günstiger sind die Importe. „Viele große Firmen sind schon aus Großbritannien weggegangen und nach Irland gezogen.“ Schoch ist sich sicher: „Die Folgen werden die Briten noch spüren.“

Im "Pomery&Winterbottom" gibt es britische Spezialitäten. Wegen des Brexit muss der Inhaber nun schließen.
Foto: Brigitte Mellert

Der 69-Jährige, der seit mehr als 20 Jahren in München lebt, wirkt dennoch gelassen, als er vom Aus seines Ladens erzählt. Womöglich liegt das auch an seinem bewegten Leben und seiner Philosophie, in Veränderungen stets auch Chancen sehen zu können. In Deutschland geboren zog Schoch als Zweijähriger nach Kanada, lebte mit seiner Familie eine Zeit lang in Kalifornien, studierte in Berkley und New York und arbeitete im Marketing sowohl in Deutschland, Frankreich, England wie auch Belgien. „In London hatten wir unser erstes Haus gekauft und dort ist auch unser erstes Kind zur Welt gekommen“, sagt Schoch. Daher komme wohl die Bindung zu Großbritannien.

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