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München
29.05.2016

Tag 2 beim "Rockavaria": Iggy Pop wie Prinz und Bettelknabe zugleich

Iggy Pop stand am Samstag beim Rockavaria in München auf der Bühne: Seit 69 Jahren gilt er schon als "Godfather des Punks".
Foto: Sven Hoppe/dpa

Sein Alter merkt man Rock-Legende Iggy Pop (69) bei seinem Auftritt auf dem "Rockavaria" nicht an. Die Besucher sind begeistert. Sonst ist der zweite Tag aber eher durchwachsen.

Iggy Pop hat  eine Ausstrahlung wie ein Straßenköter. Wahrscheinlich ist diese rotzige Art, gepaart mit ein bisschen Gossen-Charme, das was die Leute an ihm mögen. Dazu ein schweißnasser Oberkörper, das Mikrophon wie ein Phallus-Symbol in den Hosenbund gesteckt und ständig dieses Fuck-Geschreie.

Schon in frühen Jahren waren Doors-Sänger Jim Morrison und Stones-Boss Mick Jagger seine Vorbilder. 69 Jahre ist der "Godfather des Punks" mittlerweile und er ist immer der Gleiche geblieben. "In Extremo" beim Rockavaria: Wie Helene Fischer auf Speed

"Rockavaria" in München: Zweiter Tag eher durchwachsen

Iggy ist authentisch. Selbstverliebt wie immer schreitet er auf die Bühne. Wie ein König, der alle Jahre vorbeischaut und prüft, wie es seinen Untertanen geht. Und manchmal ist er ganz nah bei ihnen. Wenn er bei seinem Song "Real Wild Child" von der Bühne geht und unten Hände schüttelt.  Iggy ist irgendwie Prinz und Bettelknabe. Das war auch wieder so auf dem "Rockavaria" in München.

Trotz seines Hüftleidens macht er noch einen guten Job. Iggy, der sein bisexuelles Image über Jahre pflegte wie kein anderer, hat immer noch eine feste Stimme. Nichts brüchiges auch im hohen Alter. "The Passenger", "Lust for Life, "1969" oder "Sixteen" - der Meister lässt nichts aus. Iggy kann es immer noch, trotz oder wegen der harten Drogen, die er sich zeitlebens eingeworfen hat. Das ist ein anderes Thema. Ansonsten war der zweite Tag auf dem Rockavaria etwas durchwachsen.  Bei vielen sorgte der Rock-Film "Gutterdämmerung",  zu dem eine Band eigentlich guten Sound von den "Doors", "Led Zeppelin" oder "Motörhead" spielten, für Kopfschütteln. 

Rockavaria in München: Mit unheimlicher Gesichtsbemalung zeigt sich der Gitarrist der Band Powerwolf.
13 Bilder
Die Highlights des ersten "Rockavaria"-Tags
Foto: Tobias Hase/dpa

Jüngere Besucher feiern schwedische Rock-Band Mando Diao

Doch während Public Viewing beim Fußball durchaus gelingen kann, funktioniert das mit Rockfilmen eher weniger. Auch der Film selbst, wo der kürzlich verstorbene Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister einen durchgeknallten General spielt, überzeugt nicht ganz. Eine Prise Robert Aldrich, ein bisschen Quentin Tarrantino und dazu noch ein halbes Pfund Sam Peckinpah. Nein, so einfach geht Film nicht. Mando Diao, die vor dem Film auf dem Gelände spielten, muss man mögen. Alternativ-Rock aus Schweden. Das jüngere Publikum hat's genossen.

Auch das Schweizer Hochglanzprodukt "Gotthard" durfte gestern wieder ran. Ein starker Auftritt. Aber auch wieder die ewigen Diskussionen und Vergleiche. Der ehemalige Gotthard-Sänger Steve Lee, der im Jahr 2010 bei einem Motorradunfall ums Leben kam, scheint immer noch über der Band zu schweben. Für seinen Nachfolger Nic Maeder war es nie einfach. Maeder, der ein bisschen vom Aussehen an den früheren Robin Gibb von den Bee Gees erinnert, hat vielleicht nicht das einnehmende Wesen von Lee, aber er braucht sich nicht zu verstecken. Maeder macht seine Sache großartig. "Remember" zelebriert er fast. "Starlight", "Bang, bang" oder "Master of Illusion" - es hat wieder einmal Spaß gemacht Gotthard zu hören.

Rockavaria: Sonntag wird es nochmal laut

Am heutigen Sonntag gibt's noch kräftig auf die Ohren: "Anthrax", "Sabaton", "Slayer" und zum Schluss "Iron Maiden." Klingt schon ganz gut. 

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