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München

23.08.2019

Münchner Luxusprobleme? Was hinter dem Streit um ein neues 5-Sterne-Hotel steckt

Die Fassaden des Gebäudes an der Kardinal-Faulhaber-Straße sind ein Blickfang im Münchner Kreuzviertel. 2023 wird darin ein neues Luxushotel eröffnen – direkt gegenüber vom Bayerischen Hof.
Bild: Hans-Rudolf Schulz, Bayerische Hausbau

In die Münchner Innenstadt kommt ein neues Hotel der Superklasse. Die einen sehen das als Gewinn, die anderen wollen es am liebsten verhindern.

Die Penthouse Garden Suite im Bayerischen Hof hat alles, wovon man als Hotelgast nur träumen kann: Eine weitläufige Dachterrasse, eine Bar mit Kamin, einen eigenen Spa-Bereich mit Whirlpool, Minibar mit Champagner und natürlich einen privaten Fahrer und Butler auf Abruf. Für die meisten bleibt eine Übernachtung in einer so luxuriösen Suite aber wohl tatsächlich nur ein Traum. Denn für eine Nacht muss man als Gast 15.000 Euro bezahlen. Teurer ist in München mit 18.000 Euro nur die Royal Ludwig Suite im Hotel Vier Jahreszeiten – zumindest bisher.

Denn direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite vom Bayerischen Hof, bekommt die Landeshauptstadt ein neues Luxushaus. Die amerikanische Rosewood-Gruppe wird im Kreuzviertel ihr erstes Hotel in Deutschland eröffnen – und das erste in München mit der Kategorie „Fünf Sterne ultra luxury“.

Hotel zieht in Ex-Gebäude der Hypo-Vereinsbank

Das neue Luxushotel zieht in ein Gebäudeensemble, das das Immobilienunternehmen Bayerische Hausbau vor sieben Jahren der Hypo-Vereinsbank abgekauft hatte. Früher war dort die Zentrale der Bayerischen Staatsbank untergebracht. Es liegt nur wenige Gehminuten von Marienplatz, Frauenkirche und Odeonsplatz entfernt und hat denkmalgeschützte Fassaden aus der Neubarock- und Rokokozeit.

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Im Inneren haben jetzt die ersten Bauarbeiten begonnen. Dazu werden das Gebäude an der Kardinal-Faulhaber-Straße und das Palais Neuhaus-Preysing entkernt und umgebaut. Das benachbarte Siebziger-Jahre-Gebäude an der Prannerstraße 4 wird abgerissen, dort entsteht ein Büro-Neubau mit Geschäften im Erdgeschoss.

Doch Luxus-Zimmer und -Suiten sind längst nicht alles. Das Hotel bekommt auch ein Restaurant, eine Bar und ein Spa mit Pool und Fitnessbereich. Nicht nur Hotelgäste haben dort Zutritt, die drei Bereiche sollen auch den Münchnern und anderen Touristen offen stehen. „Damit bringen wir eine bunte Mischung ins Viertel und tragen zur Belebung des Stadtteils bei“, sagte Hermann Brandstetter, Geschäftsführer der Bayerischen Hausbau.

Ein Luxushaus mehr in München – das bedeutet auch mehr Konkurrenz unter den Hotels. Bisher gibt es in der Landeshauptstadt fünf Häuser der Oberklasse: das Vier Jahreszeiten, das Mandarin Oriental, das Sofitel Bayerpost, das The Charles und den Bayerischen Hof in unmittelbarer Nachbarschaft. Alle haben die Kategorie 5-Sterne Superior. Die Zimmerpreise des Rosewood München sollen sich laut Präsident Radha Arora an der Umgebung orientieren, könnten aber sogar ein bisschen darüber liegen.

Chefin des Bayerischen Hofs zog vor Gericht

Dabei war für eine Zeit lang gar nicht klar, inwieweit das Bauprojekt der Bayerischen Hausbau überhaupt umgesetzt werden kann. Denn Innegrit Volkhardt, Chefin des Bayerischen Hofs, der direkt auf der anderen Straßenseite liegt, klagte gegen das Vorhaben. Ihre Begründung: Ein neues Hotel befeuere das Verkehrschaos in der Stadt und beeinträchtige die Nachbarschaft.

Zwischenzeitlich herrschte sogar Baustopp, weil sich die Bayerische Hausbau erst sicher sein wollte. Das zuständige Verwaltungsgericht wies die Klage Anfang 2018 jedoch ab. Wie der Bayerische Hof mittlerweile zu der Konkurrenz in der Nachbarschaft steht, wollte die Geschäftsführung unserer Redaktion nicht mitteilen. Sie sehe derzeit keinen Bedarf für ein Interview.

Ganz im Gegensatz zu Christian Schottenhamel, Betreiber des Paulaner am Nockherberg und Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes München: „Aus meiner Sicht ist das neue Hotel ein eindeutiger Gewinn. In diesem hochpreisigen Segment kann München noch ein Leuchtturmobjekt vertragen, wenn dies von den Gästen und Touristen gewünscht wird.“ München sei ein attraktives Reiseziel und ziehe durchaus kaufkräftige Gäste aus aller Welt an, die bereit seien, entsprechend zu bezahlen.

„Kritischer sehe ich die Eröffnung weiterer Hotels im 3- bis 4-Sterne-Segment, das derzeit in München gesättigt ist.“ Denn ein Überangebot an Betten in dieser Preisklasse könne zu Overtourism und zu einer Kannibalisierung unter den Hotels führen. Dass sich nicht alle Münchner über das neue Luxushotel freuen, ist für ihn auch klar: „Es ist verständlich, dass Konkurrenz nicht unbedingt erwünscht ist. Andererseits gilt auch das Sprichwort: Konkurrenz belebt das Geschäft.“

Lesen Sie dazu auch: Wie reich muss man sein, um sich ein Schloss zu leisten?

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