1. Startseite
  2. Bayern
  3. Mumps, Masern und Keuchhusten sind eine Gefahr

Interaktive Grafiken

28.04.2018

Mumps, Masern und Keuchhusten sind eine Gefahr

Die Impfquoten von Schulkindern sind seit dem Schuljahr 2010/2011 in Schwaben kontinuierlich gestiegen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Immer mehr Kinder in der Region sind gegen Infektionskrankheiten geimpft. Trotzdem erkranken viele Menschen an Masern, Mumps und Keuchhusten. Woran liegt das?

In Schwaben erkrankten 2017 doppelt so viele Menschen an Masern wie im Jahr zuvor. Deutschlandweit hat sich die Zahl sogar verdreifacht, von 325 auf 919 Fälle.

Dabei hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ziel, die Krankheit bis zum Jahr 2015 auszurotten. Die Zahlen belegen, dass die WHO mit diesem Plan gescheitert ist. Für das Robert-Koch-Institut (RKI) zeigt das, dass die Menschen in Deutschland nicht ausreichend vor der Krankheit geschützt sind.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Masern zählen seit 2001 zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) kann ein Trend mit erhöhtem Auftreten von Masern bundesweit alle vier bis fünf Jahre verzeichnet werden. Doch was ist der Grund für die starken Schwankungen?

"Das größte Problem sind Impflücken bei jungen Erwachsenen", erklärt Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts. Denn die Impfempfehlung gegen Masern gilt seit 1973, allerdings bestand die Schutzimpfung bis 1991 nur aus einer Impfung. Dadurch bestehe kein fester Schutz für diese Altersgruppe. "Menschen, die nach 1970 geboren sind, sollten ihren Impfpass prüfen und die Masernimpfung gegebenenfalls nachholen", sagt Glasmacher. Nur so ließe sich die Krankheit dauerhaft bekämpfen.

Zudem würden Kinder häufig zu spät geimpft. So gebe es den besten Schutz, wenn die erste Impfung innerhalb von 15 Monaten nach der Geburt, die zweite Impfungen 24 Monate nach der Geburt erfolgt. Ein weiterer Grund für die Schwankungen sieht die Expertin in der Immunität. Denn ist die Krankheit einmal ausgebrochen, steigt die Immunität und die Zahl der Ansteckungen geht im Folgezeitraum zurück.

Die extrem hohe Fallzahl 2001 sollte laut Glasmacher nicht überbewerten werden, da in diesem Jahr die Meldepflicht erst eingeführt wurde. Bei den meisten Krankheiten seien die Zahlen aus dem ersten Jahr noch schwer einzuordnen.

Mumps, Röteln und Keuchhusten sind erst seit 2013 meldepflichtig. Seit dieser Zeit wurden nur zwei Fälle von Röteln-Erkrankungen in der Region gemeldet. Allerdings ist die Zahl der Mumpserkrankungen leicht gestiegen. Wurden 2013 lediglich 6 Fälle in Schwaben gemeldet, stieg die Zahl 2017 auf 20.

Wie bei den Masern schwanken auch hier die Zahlen - aus ähnlichen Gründen. Denn beim Schutz gegen die Infektionskrankheiten handelt es sich um eine Dreifach-Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln.

In der Region treten auch immer wieder Fälle von Keuchhusten auf. Allein in diesem Jahr waren bereits 67 Menschen von der Krankheit betroffen. 2017 wurden insgesamt 232 Fälle gemeldet, wie diese Grafik zeigt:

Anders als bei den Masern hält die Impfung gegen Keuchhusten nicht ein Leben lang, sondern gewährt etwa fünf bis sechs Jahre lang Schutz, so Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut. Wer einmal an Keuchhusten erkrankt, ist danach nicht automatisch geschützt. Laut Glasmacher sind die Zahlen statistisch unterrepräsentiert, da nicht alle Fälle von Keuchhusten als solche gemeldet werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit 2009 eine zusätzliche Keuchhustenimpfung für Erwachsene. Diese kann mit der nächstfälligen Impfung gegen Tetanus und Diphtherie verbunden werden. 

Immer mehr Schulkindern werden geimpft

Eine systematische Erfassung der Impfquoten liegt nur für Einschulungskinder aus den Daten zu den Schuleingangsuntersuchungen vor. Für Erwachsene werden Impfdaten nicht flächendeckend erhoben. Laut LGL weisen Stichprobenerhebungen jedoch darauf hin, dass noch deutliche Lücken bestehen. Bei Schulkinder sind die Impfquoten seit 2003/2004 in Bayern kontinuierlich gestiegen. In Schwaben zeigt sich eine ähnliche Entwicklung.

Hier liegt die Impfquote bei der ersten Masernimpfung laut den aktuellsten verfügbaren Zahlen aus dem Schuljahr 2015/16 bei 95,6 Prozent. Damit liegt die Region etwas unter dem bayernweiten Durchschnitt von 96,1 Prozent. Vergleichsweise verzeichnet Brandenburg im Schuljahr 2015/16 mit 98,4 Prozent die höchste Impfquote bei der ersten Masernimpfung, in Baden-Württemberg liegt der Wert mit 94,7 am niedrigsten. Durchschnittlich ist die Zahl der Einschulungskinder, die gegen Masern, Mumps, Röteln und Keuchhusten geimpft sind, in den neuen Bundesländern etwas höher als in den alten Bundesländern.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Ungefähr zehn Tage nach der Masern-Impfung können Impfmasern auftreten. Manchmal kommt Fieber hinzu. Foto: Lukas Schulze/dpa
Wichtige Informationen

Wann und wie? Wissenswertes rund um die Masern-Impfung

ad__querleser@940x235.jpg

Qualität auch für Querleser

Montag bis Samstag ab 4 Uhr morgens. Und die Multimedia-Ausgabe
"Kompakt" mit den wichtigsten Nachrichten von Morgen ist auch dabei.

Jetzt e‑Paper bestellen!