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Mundart-Förderung
27.03.2019

Projekt an Schulen: So soll der Dialekt wieder lebendig werden

Bayerische Schüler beschäftigen sich nicht nur mit Fächern wie Mathe und Deutsch, sondern auch mit der Mundart.
Foto: Daniel Karmann, dpa (Symbol)

Als Teil der regionalen Identität soll Mundart in den Schulen eine größere Rolle spielen. Wie das aussehen kann, zeigt das Ergebnis eines Pilotprojekts in Bayern.

Mundart-Förderung in der Schule? Vor zwanzig Jahren in Bayern noch undenkbar, räumt Herbert Püls, Amtschef im Kultusministerium, ein. Bildung sollte allein in Hochdeutsch vermittelt werden. Zum Glück habe sich die Einstellung zum Dialekt an den Schulen inzwischen verändert, findet Püls: „Denn Mundart bringt doch die Verbindung mit der Region und Heimat.“ Ein Bewusstseinswandel, der inzwischen sogar offizielle Regierungspolitik ist: „Mundart ist Teil unserer Identität“, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im vergangenen April in seiner Regierungserklärung: „Daher wollen wir einen Unterrichtsschwerpunkt ‘Mundart und regionale Kultur’ einführen.“ In den Lehrplänen aller Schularten ist „Dialekt“ inzwischen verankert.

Pilotprojekt zur Mundart-Förderung läuft an zehn Schulen

Doch Lehrpläne sind das Eine. Die konkrete Umsetzung an den Schulen etwas völlig anderes. Drei Jahre lang hat die bayerische „Stiftung Wertebündnis“ deshalb unter der Trägerschaft des „Bayernbundes“ an zehn Schulen in Bayern unter dem Titel „Mundart - Wertvoll“ ein Pilotprojekt zur Beschäftigung mit Dialekten gefördert. Eine Idee, die zur echten Erfolgsgeschichte geworden sei, findet Prof. Klaus Wolf von der Universität Augsburg, der das Projekt wissenschaftlich begleitet hat: Denn offenbar treffe „der Einsatz der Mundart im Zuge der Wertebildung einen Nerv der Zeit“.Der Kreativität im Unterricht schienen jedenfalls keine Grenzen gesetzt: So gab es an den Modellschulen etwa ein Musical auf Bairisch, einen Mundart-Gedicht-Wettbewerb oder einen fränkischer Projekttag. In der niederbayerischen Mittelschule Mainburg entstand sogar ein Wörterbuch auf „Migraboarisch“ – damit auch „Zuagroaßte“ auf dem Schulhof endlich mitreden können. Doch die Herausforderungen für die Schulen waren offenbar sehr unterschiedlich: „Weit über die Hälfte unserer Schüler hat mit Dialekt überhaupt nichts zu tun“, sagt etwa Thomas Lutz vom Neuen Gymnasium Nürnberg. Trotzdem könne „Mundart fördern auch in der Großstadt funktionieren“. Auch eine mundartlich fremde Herkunft des Lehrers müsse kein Hindernis sein, findet Amtschef Püls: „Jeder Lehrer kann seinen Schülern die Wertschätzung für Mundart beibringen.“

In  manchen Kindergärten gibt es schon eine Dialektförderung

Dass die Pilotschulen hauptsächlich aus Altbayern stammten, habe vor allem damit zu tun, dass sich der Bayernbund bereits seit 2007 im Süden Bayerns intensiv um mehr Dialekt an Kindergärten und Schulen bemühe, erklärt der Ehrenvorsitzende Adolf Dinglreiter. Grundsätzlich sei die Umsetzung aber überall in Bayern möglich. Um nun möglichst viele Schulen zur kreativen Beschäftigung mit Mundart zu motivieren, hat das Kultusministerium die Erfahrungen der Pilot-Schulen unter dem Titel „Lebendige Dialekte an bayerischen Schulen“ in einem kleinen Heft als Handreichung für Lehrer zusammengefasst. Schließlich sei Mundartpflege „kein Selbstläufer“, warnt Professor Wolf. Sie bedürfe vielmehr der „bewussten Förderung“.

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