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Wallerstein

06.01.2020

Muslimischer Bürgermeisterkandidat: Das ist der Mann, über den alle sprechen

Sener Sahin wollte Bürgermeister werden.
Bild: Robert Milde

Plus Sener Sahin wollte in Wallerstein Bürgermeister werden. Für die CSU. Weil er Moslem ist, gab es Widerstand. Er zog sich zurück. Dabei ist er in der Region verwurzelt.

Es gibt wenige Fotos von Sener Sahin, auf denen der 44-jährige Geschäftsmann mit türkischen Wurzeln nicht lächelt. Sahin ist ein positiv denkender Mensch, der jede Herausforderung mit Optimismus angeht. Dass er zuletzt schlecht schlief und mit Magenschmerzen aufwachte, ist eine neue Erfahrung für ihn – auf die er gerne verzichtet hätte, wie Sahin sagt.

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Sahin muss gerade vielen vieles sagen, denn er war über das Wochenende vielleicht gefragtester Gesprächspartner deutscher und türkischer Medien. Das hatte weniger damit zu tun, dass er in der nordschwäbischen Marktgemeinde Wallerstein bei den bevorstehenden Bürgermeisterwahlen als Kandidat der CSU vorgesehen war, um den amtierenden parteilosen Bürgermeister Joseph Mayer aus dem Amt zu kicken.

Sener Sahin hätte am Donnerstag als Bürgermeisterkandidat für die CSU in Wallerstein nominiert werden sollen

Am Donnerstag sollte Sahin offiziell nominiert werden, dann wollte er der CSU beitreten. Nein, das riesige Interesse speiste sich eher daraus, dass Sahin dies nicht mehr werden sollte – und aus welchen Gründen. Vor allem bei älteren Mitgliedern des lokalen CSU-Ortsverbandes regte sich nämlich Widerstand wegen Sahins muslimischen Glaubens. Sie fühlten, ihr Ort und ihre Partei seien „noch nicht so weit“. Also zog der gebürtige Nördlinger seine Kandidatur zurück und sagte nur: „Dass die Religion bei einer Kommunalwahl eine so große Rolle spielt, war mir nicht bewusst.“ Seitdem stehen Telefon und Handy im Hause Sahin nicht mehr still, quillt das E-Mail-Eingangsfach an seinem PC regelrecht über.

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Sahin, mit einer (evangelischen) Deutsch-Italienerin verheiratet und Vater zweier Kinder, lebt seit 2005 in Wallerstein (gut 3300 Einwohner). Nach Grund- und Hauptschule in Nördlingen schloss er eine Ausbildung zum Heizungsbauer ab und bildete sich zum Maschinenbau-Techniker weiter. Ein Studium in Technischer Betriebswirtschaft in Augsburg folgte. Vor einigen Jahren hat sich Sahin, der seit 2003 die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, als Maschinenbauer selbstständig gemacht.

Drei Vereine haben mit Sener Sahin als  Fußballtrainer schon Titel geholt

Bekannt geworden ist er in der Region vor allem als erfolgreicher Fußballtrainer. Sahin brachte das Kunststück fertig, mit vier verschiedenen Vereinen (TSV Nördlingen U19, FSV Reimlingen, SC Wallerstein und SV Holzkirchen) Titel zu erringen, was ihm den Ruf des „Meistermachers“ einbrachte. Ende der vergangenen Saison kündigte er an, eine Fußball-Verschnaufpause einlegen zu wollen.

Die durch seinen Fall ausgelöste Debatte, vor allem aber der Wirbel um seine Person, ist dem zurückhaltenden Mann unangenehm. Eine Meinung hat er dazu aber schon. Denn Sahin wünscht sich, „dass „die Gesellschaft jetzt einfach so weit sein muss, Menschen, die seit 30, 40 Jahren hier fleißig arbeiten, nicht in eine Schublade zu stecken“.

Dass dies schwieriger sein könnte, als Fußball-Meisterschaften zu erringen, ist Sener Sahin in der vergangenen Woche ziemlich sicher klar geworden.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: CSU: "Noch nicht so weit" für Muslime - was soll das heißen?

Lesen Sie dazu auch: Muslimischer Bürgermeisterkandidat: Söder will den Vorfall aufklären

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07.01.2020

Die CSU in WAllerstein sollte sich schämen.
Es sollte auch keiner die CSU in Wallerstein wählen.

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