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NSU-Prozess

18.03.2015

NSU-Prozess: Zeuge redet sich um Kopf und Kragen

Vor dem Münchner NSU-Prozess hat am Mittwoch ein Jugendfreund der Hauptangeklagten Beate Zschäpe ausgesagt. Manches hat er dabei frei erfunden.
Bild: Peter Kneffel, dpa

Vor dem Münchner NSU-Prozess hat am Mittwoch ein Jugendfreund der mutmaßlichen Terroristen ausgesagt. Dabei erfand er einige Details und geriet unter Druck.

Die Zeugenaussage eines früheren Schulkameraden von Beate Zschäpe hat sich nach mehrstündiger Vernehmung im NSU-Prozess als höchst dubios herausgestellt. Der Zeuge hatte über seine Erlebnisse in einer Clique berichtet, zu der Zschäpe und ihre beiden späteren mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gehört haben sollen.

Zeuge spricht vor NSU-Prozess von Wohllebens Bruder - der nicht existiert

Er habe auch den mitangeklagten Ralf Wohlleben kennengelernt, und zwar über dessen Bruder Alexander, mit dem er mehrere Jahre befreundet gewesen sei. Wie sich herausstellte, hat Wohlleben aber gar keinen Bruder Alexander.

Das kam ans Licht, als Wohllebens Verteidiger Olaf Klemke die politische Einstellung des Zeugen hinterfragte. Der hatte sich zuvor mehrfach als "linksorientiert" bezeichnet, seine Gesinnung aber auch nach hartnäckigen Fragen des Richters und des Verteidigers nur an "linker Musik" und der rot-schwarzen Farbe seiner Schnürsenkel festgemacht.

Der Zeuge hatte einen eigenen Anwalt bei sich, der Klemkes Nachfragen beanstandete, worüber ein Streit zwischen den Prozessbeteiligten ausbrach. In dessen Verlauf enthüllte eine Anwältin der Nebenklage, dass Wohllebens Bruder nicht existiere. Verteidiger Klemke nannte die Aussage des Zeugen ein "Fantasiekonstrukt".

Beate Zschäpe: Die 38-Jährige tauchte 1998 gemeinsam mit Uwe Mundlos (links, Foto vermutlich von 2004) und Uwe Böhnhardt unter, um der drohenden Festnahme zu entgehen. Die drei Neonazis aus dem thüringischen Jena gründeten eine Terrorgruppe und nannten sich spätestens ab 2001 Nationalsozialistischer Untergrund (NSU).
6 Bilder
Die Angeklagten im NSU-Prozess
Bild: BKA, dpa

NSU-Prozess: Details über Böhnhardts Auto sind frei erfunden

Es war nicht die einzige Aussage, die starke Zweifel weckte. So sagte der Zeuge, er sei mit der Clique um Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt bis zum Jahr 1991 zusammen gewesen. Er erinnere sich daran, dass Böhnhardt damals ein rotes Auto mit einem "provokativen" Kennzeichen besessen habe.

Nach seiner Erinnerung mit den Buchstaben "AH" oder so ähnlich, jedenfalls mit Bezug zum "Dritten Reich". Zschäpes Verteidigerin Anja Sturm wies den Zeugen darauf hin, dass Böhnhardt zu dieser Zeit erst 14 Jahre alt gewesen sei und sein erstes Auto ein ganz anderes Kennzeichen gehabt habe.

Beate Zschäpe bittet Richter bei NSU-Prozess um Unterbringung mit Tageslicht

Am Rande der Verhandlung bat Zschäpe einen der Richter um eine bessere Unterbringung. "Ein bisschen Tageslicht wäre nett", soll sie nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gesagt haben. Das Gespräch fand während einer Verhandlungspause im Gerichtssaal statt. Zu hören war es auf den Zuschauerrängen nicht. Dem Augenschein nach verlief es in freundlicher Atmosphäre.

Zschäpe muss sich für die Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschläge verantworten, die die Bundesanwaltschaft dem "Nationalsozialistischen Untergrund" zuschreibt. Sie sitzt seit November 2011 in Untersuchungshaft. Der Prozess dauert inzwischen fast zwei Jahre an. Zschäpe und ihre Verteidigung haben in den letzten Monaten mehrfach darüber geklagt, dass sie während der Sitzungspausen in einer engen Vorführzelle ohne Tageslicht eingesperrt sei. dpa/lby

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