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Katholische Kirche

24.01.2019

Nach Auftritt bei AfD-Veranstaltung: Was macht eigentlich Walter Mixa?

Walter Mixa, als er noch Bischof von Augsburg war. Ende April wird der katholische Geistliche 78 Jahre alt. Er lebt recht zurückgezogen im Landkreis Donau-Ries.
Bild: Fred Schöllhorn (Archiv)

Plus In den letzten Jahren war es still um den zurückgetretenen Augsburger Bischof. Bis zu einem Auftritt in Stuttgart, zu dem ihn ein AfD-Stadtrat eingeladen hatte.

Als der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke am Samstag im Spiegelsaal der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz an der Kirchensteuer rüttelte und davon sprach, „eine ärmere Kirche zu wagen“ – da hörte ihm einer zu, der für manche noch immer den Typus „spätbarocker Fürstbischof“ verkörpert: Walter Mixa.

Der frühere Eichstätter und Augsburger Bischof war Gast beim Neujahrsempfang des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Eichstätt. Auf Fotos sieht man ihn in der ersten Reihe sitzen. Ein Zuhörer unter vielen.

Auftritt bei AfD-Veranstaltung: Walter Mixa sorgt für Negativ-Schlagzeilen

Um Mixa, der im April 2010 dem Papst wegen Prügel- und Veruntreuungsvorwürfen den Rücktritt anbot, ist es in den letzten Jahren still geworden. Es schien, als könne er und die breite Öffentlichkeit die Vergangenheit ruhen lassen. Lokalzeitungen berichteten hin und wieder über ihn, bundesweit war er dagegen kaum mehr in den Schlagzeilen.

Bis zu einem Auftritt am 10. Januar bei einem anderen Neujahrsempfang: Mixa war einer Einladung des AfD-Stadtrats Eberhard Brett ins Stuttgarter Rathaus gefolgt; zu einer Veranstaltung, in der es unter anderem um die Moscheebau-Pläne in Stuttgart-Feuerbach ging.

Die Stuttgarter Zeitung berichtete tags darauf, Mixa habe vor etwa 35 Gästen gesprochen. Er akzeptiere das Glaubensbekenntnis der Muslime, sagte er dem Bericht zufolge „nach der berechtigten Frage, ob man sich zunehmender Islamisierung in Deutschland unterwerfen oder Widerstand leisten müsse“.

Mixa verteidigte sich eine Woche später in der katholischen Wochenzeitung Die Tagespost für den Auftritt. Als Mann der Kirche wolle er mit allen politischen Parteien im Gespräch sein, „die mich darum bitten“. Und er bekräftigte: „Europa hat christliche Wurzeln und kann und darf nicht islamisiert werden.“

Es ist eine Meinung, die Mixa und Brett teilen. Wie die Ansicht, herausgedrängt worden zu sein. So empfand Mixa das jähe Ende seiner Amtszeit, und ähnlich ergeht es offenbar Brett. Der trat vor einem Jahr im Streit aus der AfD-Fraktion im Stuttgarter Rathaus aus und liefert sich als letzter verbliebener AfD-Stadtrat seitdem einen Kleinkrieg mit dem AfD-Kreisvorstand.

Wer die Berichterstattung über ihn verfolgt, stößt schnell auf ein Urteil des Stuttgarter Amtsgerichts von 2017: Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung wegen vorsätzlichen Betrugs. All das fällt nun auch auf Mixa zurück. Erst recht, weil die Stuttgarter Zeitung registrierte, dass sich die beiden kennen und „freundschaftlich“ gaben. Ob Mixa aber so genau wusste, wen er besuchte?

Walter Mixa - ist er auch heute noch ein Hardliner?

Er hätte es wissen können, ein Blick auf Bretts Facebook-Seite hätte genügt. Dort findet sich etwa unter „Fotos von Eberhard Brett“ ein Screenshot. Über einem Foto eines Schweins in einer Moschee steht: „Entlaufenes Hausschwein rennt in Moschee. Imam fordert eine Million Euro Schadensersatz für Abriss und Neubau der Moschee“. Brett kommentierte: „’Böse Nazisau’?“ Laut Faktencheck-Seite Mimikama handelt es sich bei dem „Artikel“ um einen klaren Fall von Fake-News: „Dieses Ereignis ist nie passiert und das Artikelbild (ist relativ offensichtlich) manipuliert worden“.

Mixa ist oft für seine provokanten Aussagen als Hardliner kritisiert worden. Im Gespräch oder wenn er predigte, wirkte er dagegen stets wie der leutselige Stadtpfarrer, der er einst in Schrobenhausen lange Jahre auch war. Während seiner Augsburger Bischofszeit äußerten Menschen, die ihn besser kannten, die Sorge, er umgebe sich mit den „Falschen“ und sei zu vertrauensselig.

Dieser Eindruck verfestigte sich nach seinem Rücktritt. Bereits 2011 hatte er einen „Medienberater“ aus Bamberg an seiner Seite, der mit ihm an der Homepage bischof-mixa.de arbeitete und überraschend in der Redaktion des Donaukurier auftauchte. Mixa sagte dann im Interview, er stehe für Vorträge oder Einkehrtage zur Verfügung, wolle „als Wanderbischof wie im frühen Mittelalter wirken“.

Die Internetseite gibt es noch heute, der letzte Eintrag unter „Aktuelles“ datiert auf Mai 2017, ein „Sühnegottesdienst“. Auch eine Facebook-Seite hat Mixa, 134 Nutzern gefällt sie. Der letzte Eintrag aus dem August 2017 informiert, dass sich Mixa „bei einem Häuslichen Unfall eine Verletzung zu gezogen“ habe.

So lebt Walter Mixa heute zurückgezogen im Donau-Ries

Noch bevor Mixas Internetseite fertig war, hatte er geplant, mit dem Inhaber einer Selbstverteidigungssportschule, der dem evangelikalen Missionswerk Karlsruhe nahestand, auf Vortragstour zu gehen. Konrad Zdarsa, Mixas Nachfolger als Augsburger Bischof, sprach daraufhin von einem „beklagenswerten Fall“ und sagte, die Mixa auferlegte Zeit des Schweigens sei noch nicht zu Ende.

2015 wurde Mixa abermals bundesweite Aufmerksamkeit zuteil, nachdem publik wurde, er solle im – inzwischen aufgelösten – St.-Birgitta-Kloster Altomünster als „Burn-out-Referent“ tätig werden. Eine nicht mehr umgesetzte Idee eines so umtriebigen wie dubiosen Vertrauten Mixas, der sich als dessen „persönlicher Sekretär“ ausgab – und in klerikaler Kleidung aufgetreten, aber kein Kleriker gewesen ist, wie es die vom Vatikan mit der Auflösung des Klosters eingesetze Franziskaner-Schwester unserer Redaktion 2017 bestätigte.

Das „Bischöfliche Haus ’Barbara’“. 2014 wurde hier eingebrochen und Mixa Kreuze und Ringe gestohlen.
Bild: Wolfgang Widemann

Mixa lebt nun seit Jahren schon als Ruhestandsgeistlicher im „Bischöflichen Haus ’Barbara’“, einer Jugendstilvilla in Gunzenheim im Kreis Donau-Ries, das zum Bistum Eichstätt gehört. Das Haus war einst der Kirchenstiftung Gunzenheim übereignet worden. Die Kirchenstiftung tritt als Vermieter auf. Das Bistum Eichstätt erklärte, dass Mixa von der Pfarrei seines Wohnortes und dem Pfarrverband Jura Nordschwaben immer wieder für Aushilfen in der Seelsorge angefragt werde.

„Mit Zustimmung und damit im Auftrag von Bischof Gregor Maria Hanke“ werde Mixa im Juli 2019 auch das Sakrament der Firmung für den Pfarrverband spenden. Mitglied im Päpstlichen Rat für die Pastoral im Krankendienst, zu dem ihn der Papst 2012 berufen hatte, ist Mixa indes nicht mehr. Die Kurienbehörde wurde 2017 aufgelöst.

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