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Erdbeer-Saison 2017

27.06.2017

Nach Frost und Dauer-Hitze: Ist schon wieder Schluss mit der Erdbeer-Zeit?

Auf dem Erdbeer-Feld lassen sich Selbstpflücker gern die frischen Früchte schmecken. Doch die Freude an den Erdbeeren nimmt ein jähes Ende: Viele Felder schließen bereits jetzt.
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Auf dem Erdbeer-Feld lassen sich Selbstpflücker gern die frischen Früchte schmecken. Doch die Freude an den Erdbeeren nimmt ein jähes Ende: Viele Felder schließen bereits jetzt.
Bild: Irina Schmidt, Fotolia

Wer noch nicht beim Erdbeerpflücken war, muss sich beeilen: Die Erdbeer-Saison 2017 neigt sich dem Ende, einige Felder schließen schon. Wo Verbraucher jetzt noch Früchte bekommen.

Erdbeer-Zeit in Bayern: Aus Südeuropa beziehen Supermärkte die Frucht des Frühsommers seit Monaten, Beeren aus der Region gibt es aber erst seit wenigen Wochen. Die ersten Felder haben in diesen Tagen allerdings schon wieder geschlossen - und das, obwohl das Wetter zum Selberpflücken kaum besser sein könnte. Damit der Ausflug auf das Erdbeer-Feld nicht in einer Enttäuschung endet, sollten Verbraucher sich vorab gut informieren.

War die Erdbeer-Saison 2017 wirklich so kurz - oder haben sie manche Verbraucher einfach verpasst?

Tatsächlich haben die meisten Erzeuger mit dem Erdbeer-Verkauf in diesem Jahr relativ spät begonnen. Gerade Selbstpflücker kamen in der Region erst Mitte Juni so richtig auf ihre Kosten. Besonders kurz war die Saison für die Erdbeer-Bauern einer Umfrage von AZ-Online zufolge im Wittelsbacher Land, im Norden von Augsburg sowie im Raum Neu-Ulm.

Warum hat die Erdbeer-Zeit 2017 so spät begonnen?

Für die Erdbeer-Bauern in Schwaben war es ein turbulentes Jahr. Bei hartem Spätfrost mit bis zu minus sieben Grad in den Aprilnächten sind den Erzeugern etliche Erdbeer-Blüten erfroren. Hinzu kommt, dass die übrigen Blüten nicht optimal bestäubt wurden, weil wegen des unbeständigen Wetters weniger Insekten unterwegs waren und wegen des Einsatzes von Wärmevlies nicht so leicht an die Blüten kamen. Johann Zott besitzt mehrere Erdbeer-Felder zwischen Ulm und Memmingen. Er geht davon aus, dass es bei seinen Früherdbeeren Ernteausfälle von bis zu 80 Prozent gab.

Warum haben die ersten Felder zum Selbstpflücken jetzt schon wieder geschlossen?

Das sommerliche Wetter der vergangenen Wochen hat viele Erdbeer-Fans auf die Felder gelockt. Allerdings habe die langanhaltende Hitze auch dafür gesorgt, dass die Erntezeit schnell wieder vorbei geht, sagt Erzeugerin Annegret Schmid aus Mindelheim im Unterallgäu: "Drei Wochen ohne Regen sind für die Erdbeerpflanzen alles andere als ideal. Wir haben unsere Felder zusätzlich beregnet, aber das leistet sich nun mal nicht jeder." Auch Erdbeer-Bauer Wolfgang Lunz aus Obergriesbach im Wittelsbacher Land hat sich zunächst über das sonnige Wetter gefreut: "Man hat richtig gemerkt, wie eifrig die Leute am Wochenende zum Pflücken gekommen sind. Aber jetzt sind alle Erdbeeren auf einmal reif geworden und wir mussten schon wieder schließen."

Wie gut wird die Erdbeer-Ernte in Süddeutschland und der Region?

Einer Umfrage der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) zufolge rechnen die süddeutschen Erdbeer-Erzeuger in diesem Jahr mit einer Absatzmenge von 28.500 Tonnen, was fünf Prozent weniger Ernteerträge wären als 2016 und sogar 24 Prozent weniger als im Durchschnitt. Simon Schumacher, der Sprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE), sagt: "Viele Betriebe beenden die Erdbeer-Saison mittlerweile schon Mitte Juni parallel zum Ende der Spargelzeit. Die Ausprägung der Frost- und Hitzeperioden ist lokal aber so unterschiedlich, dass manche Erzeuger von wetterbedingten Verlusten gar nicht betroffen sind, etwa weil sie ein Erdbeerfeld in Hanglage besitzen."

Nach Starkfrost und Sommerhitze: Wie war die Erdbeer-Ernte 2017 überhaupt noch zu retten?

Ist das Wetter nass und kalt, sind weniger Bienen und andere Insekten über den Feldern unterwegs. Deshalb setzen Landwirte immer häufiger gezielt Hummeln als Erntehelfer ein. Die Insekten fliegen in der Blütezeit der Erdbeeren unter die Folientunnel und bestäuben die Erdbeeren. Verbandssprecher Simon Schumacher: "Das ist eine tolle Bestäubungsleistung, denn die Hummeln fliegen auch bei kühleren Temperaturen aus und sind beim Bestäuben so rabiat, dass sie ältere oder kranke Blütenblätter einfach abtreten. Damit fördern sie die Bildung gesunder Früchte." Auch in der Region waren im Mai Hummeln im Einsatz, unter anderem bei Erdbeer-Erzeuger Stephan Seibold.

Wo kann man in der Region jetzt noch gute Erdbeeren pflücken?

Das sommerlich-heiße Wetter der vergangenen Wochen hat den Erdbeer-Pflänzchen sehr zugesetzt. Gerade in Nordschwaben schließen laut einer Umfrage von AZ Online viele Erzeuger ihre Selbstpflück-Felder bereits in diesen Tagen. Auf Feldern, die von den Erdbeer-Bauern künstlich beregnet wurden, ist die Situation deutlich besser. Gute Erdbeer-Aussichten gibt es auch auf den Feldern in Südschwaben, weil es im Allgäu und im Unterallgäu am Wochenende zumindest ein bisschen geregnet hat. Viele Anbieter von Erdbeer-Feldern haben eine eigene Homepage und informieren auch telefonisch über die jeweiligen Felder.

Wie und wann pflückt man Erdbeeren am besten?

Erzeuger empfehlen, Erdbeeren morgens oder am frühen Nachmittag zu pflücken, weil sie dann noch nicht so großer Hitze ausgesetzt sind und noch nicht zu weich werden. Obstbauer Josef Kraus aus Gessertshausen gibt zudem Tipps, wie Erdbeer-Fans die Frucht am besten einsammeln: "Sie nehmen die Beere zwischen Mittelfinger und Ringfinger, heben sie etwas an, um zu sehen, dass sie ganz rot ist und knipsen dann mit dem Fingernagel des Daumens den Stil ab." Anschließend sollen die Erdbeeren vorsichtig ins Gefäß gelegt werden. Kraus warnt: "Wenn Sie die Erdbeere einfach abreißen, verletzen Sie durch den Fingerdruck das empfindliche Fruchtfleisch. Der grüne Kelch darf erst nach dem Waschen und direkt vor der Verarbeitung entfernt werden."

Wo und bis wann finde ich noch deutsche Erdbeeren, wenn die Felder geschlossen sind?

Auch wenn fast alle Felder für Selbstpflücker bis Anfang Juli schließen dürften, müssen Verbraucher noch nicht auf deutsche Erdbeeren verzichten. Der Sprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE), Simon Schumacher sagt: "In einem guten Lebensmittel-Einzelhandel sind Erdbeer-Spätsorten noch bis mindestens Anfang August erhältlich. Allerdings handelt es sich dabei, anders als bei Selbstpflück-Feldern, eher um hochpreisige Sorten."

Wie sind die Ernteaussichten für andere Früchte nach der Erdbeer-Zeit?

Von den starken Frostperioden waren nicht nur die Erdbeer-Erzeuger in Deutschland betroffen. Auch für die Ernte von anderen Beerenfrüchten sowie für die Apfel- und Kirschernte rechnen die Landwirte mit hohen Absatzverlusten. In Baden-Württemberg - einem der Hauptanbaugebiete für Kirschen in Deutschland - gebe es Einbußen von etwa 80 Prozent im Vergleich zu Vorjahren. Durch das knappe Angebot am Markt seien höhere Preise unvermeidlich, zumal die Obstbauern ihre finanziellen Engpässe zumindest ansatzweise decken müssten, sagte Müller. Der Branchenvertreter geht von einem deutlichen Preisanstieg aus. So könnte ein Kilo Kirschen, das auf Märkten normalweise zwischen 4 und 8 Euro kostet, in diesem Jahr für 6 bis 10 Euro zu haben sein.

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