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Selbstverteidigung

12.01.2016

Nach Köln: Immer mehr Frauen wollen sich wehren können

Eine Garantie vor Gewaltverbrechen gibt es nicht, eine Hilfe ist die Stärkung von körperlichem und mentalem Selbstbewusstsein dennoch allemal (Symbolbild).
Bild: Boris Roessler, dpa

Anbieter von Selbstverteidigungskursen in der Region bestätigen: Immer mehr Frauen wollen nach den Ereignissen von Köln lernen, sich zu wehren. Doch der Nutzen hält oft nur kurz.

„Gerade die Mädchen zwischen elf und siebzehn Jahren rennen mit gerade die Bude ein“. Die Selbstverteidigungskurse für Frauen in der Augsburger Kampfschule von Guido Fiedler erleben in diesen Tagen eine große Nachfrage. „Ja, meine Frauenkurse boomen, das allerdings schon seit etwa einem halben Jahr,“ sagt Fiedler.

Andere Stellen allerdings berichten, dass explizit die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht für Frauen aus der Region der Grund sind, sich zu einem entsprechenden Kurs anzumelden. „Ich habe vermehrt telefonische Anfragen von Frauen, die sich wehren wollen und sich dabei explizit auf Köln beziehen,“ sagt Sabine Rochel, Frauenbeauftragte im Augsburger Polizeipräsidium. Nicht nur Frauen würden anrufen, teilweise informieren sich auch Väter oder Mütter nach Kursen für ihre Töchter, so Rochel.

Nach Köln: Immer mehr Frauen wollen sich wehren können
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Kampfkunst zur Selbstverteidigung

Diese Schilderungen der Frauenbeauftragten bestätigen auch Anbieter von entsprechenden Schulungen aus Augsburg. „Die Nachfrage ist seit Köln etwas größer,“ sagt Stefanie Mark von der Augsburger WingTsun-Akademie. Bei dieser chinesischen Kampfsportart steht explizit die Verteidigung im Vordergrund. „Die Frauen geben beim Erstkontakt oft an, dass sie sich im Falle des Falles verteidigen können wollen. In Einzelfällen liegen auch schon Negativ-Erlebnisse vor,“ sagt Mark. Gerhard Jung von der Jiu-Jitsu-Karate-Schule Augsburg sagt: „Bei uns rufen mehr Frauen an, die Leute scheinen generell mehr Angst zu haben.“

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Selbstverteidigung: Köln steigert Interesse - das aber bald wieder abebbt

Doch auch wenn das Interesse momentan groß sein sollte: Lange währt die Euphorie für Selbstverteidigung meist nicht. „Solche Ereignisse wie jüngst in Köln geben solchen Kursen immer einen Schub, aber im Großen und Ganzen verebbt das dann Interesse dann auch wieder,“ sagt Fabian Wirth, der Selbstverteidigungskurse bei der Volkshochschule (VHS) durchführt. Der Kungfu-Lehrer warnt: „Solche Ereignisse verschieben die Wahrnehmung der  Realität immer ein wenig. Denn die mit Abstand meisten Vorfälle, bei denen Selbstverteidigung nötig wäre, geschehen in der Familie oder im Bekanntenkreis.“

Eine junge Frau lernt während einer Übung im Dao-Center in Landsberg, wie es sich am besten wehren kann.
Bild: Janne Mika/Archiv

Gemäß der Erfahrung von Wirth ist Aktionismus ohnehin keine nachhaltige Lösung: „Ein einmaliger Kurs ist ein netter Einstieg, aber der hält auch nur ein oder zwei Jahre,“ sagt er. Nur regelmäßige Übung und ständige Wiederholung von Erlerntem hat einen nachhaltig positiven Einfluss auf die eigene Sicherheit. „Fußballspielen lernt man auch nicht an einem Tag,“ sagt Sabine Rochel. Das hat auch Konsequenzen für die Praxis: „Ich habe zwar Anfragen, aber Schnellkurse biete ich gar nicht an. Selbstverteidigung ist Trainingssache. Das wichtigste ist, damit anzufangen, aber dann auch dranzubleiben,“ sagt Guido Fiedler.

Dennoch ist Skepsis bei den verschiedenen Angeboten angebracht. Sabine Rochel weist darauf hin, dass es zwar viele Anbieter für Selbstverteidigungskurse gebe, aber keine verbindlichen Qualitätsstandards. Ihr Tipp: Interessenten sollten sich verschiedene Offerten anschauen.

Selbstverteidigung: Manchmal hilft nur noch Wegrennen

Ein Ausscheidekriterium für einen Kurs sei, wenn er Echtfall-Rollenspiele anbiete, so Rochel. „Da bekommen Frauen eher Ängste vermittelt, die sie sonst gar nicht haben. Man muss auch praktische Übungen machen, klar, aber bitte keinen fingierten Überfall im Keller oder ähnliches,“ sagt die Polizei-Frauenbeauftragte.

Vorsicht ist nach den Vorfällen der Kölner Silvesternacht also richtig. Doch einer Einschätzung von Sabine Rochel zufolge war das ein in Deutschland bisher einzigartiges Ereignis hinsichtlich der Masse an Teilnehmern und deren Aggressivität. „Gruppen sind generell gefährlich,“ so Rochel. Wenn Worte oder Gegenwehr aussichtslos erscheinen, helfe manchmal eben nur noch Wegrennen. „Ein Mob von 1500 Männern ist immer ein Haufen testerongesteuerter Idioten, egal um wen es sich bei den Teilnehmern handelt,“ sagt Kampfsportler Guido Fiedler.

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