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Tierschutz

09.01.2020

Nach Tierskandal in Bad Grönenbach: Stimmt das Kontrollsystem noch?

Immer wieder kommt es im Allgäu zu massiven Verstößen gegen das Tierschutzgesetzt.
Bild: Matthias Becker, dpa

Plus Ein halbes Jahr nach Bekanntwerden des Tierskandals in Bad Grönenbach sind weitere Landwirte im Allgäu ins Visier von Ermittlern geraten. Was die Politik sagt.

Das Allgäu kommt beim Thema Verstöße gegen das Tierwohl nicht zur Ruhe. Aktuell steht ein Bauernhof in einem Ortsteil von Dietmannsried (Oberallgäu) im Visier der Behörden. Am Donnerstag musste ein Rind notgeschlachtet werden.

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Des Weiteren ist etwa die Hälfte der 480 Milchkühe und 100 Kälber in so schlechtem Zustand, dass der Landwirt die Anordnung bekommen hat, die Tiere umgehend von Ärzten behandeln zu lassen. Der schwäbische Bauernverbands-Präsident Alfred Enderle aus Wertach (Oberallgäu) kann nicht nachvollziehen, warum es trotz mehrerer Kontrollen im Jahr 2019 zu diesen Zuständen im Stall gekommen ist. „Stimmt da das Kontrollsystem noch?“, fragt er.

Nach Skandal in Bad Grönenbach: Landwirt droht Tierhaltungsverbot

Sollte der Landwirt die Rinder nicht umgehend behandeln lassen, droht ihm ein Tierhaltungsverbot. Wie berichtet, hatten am Mittwoch zehn Mitarbeiter des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und das Veterinäramt Oberallgäu den Rinderbetrieb unter die Lupe genommen und dabei unhaltbare hygienische Zustände, eine schlechte Futtersituation und Klauenprobleme bei der Hälfte der Tiere festgestellt.

Nach Tierskandal in Bad Grönenbach: Stimmt das Kontrollsystem noch?

Der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz, der selbst zeitweise bei der Kontrolle dabei war, äußerte sich „sehr berührt“ über die Situation auf dem Hof. Er verstehe nicht, warum der Landwirt trotz wiederholter Aufforderungen seitens des Landratsamtes keinen Tierarzt hinzugezogen habe. Für Thomas Gehring, Grünen-Landtagsabgeordneter aus Gunzesried (Oberallgäu), spielt die Größe der betroffenen Betriebe eine Rolle. Das viele Jahre gepredigte Dogma „Wachse oder weiche“ habe zu einer Industrialisierung der Milchwirtschaft geführt. Nicht mehr das Tierwohl, sondern der Ertrag stehe im Vordergrund. Gehring monierte auch die Subventionspolitik der EU, die große Betriebe mehr unterstütze als kleine.

Und Florian von Brunn von der SPD-Landtagsfraktion verlangt angesichts des „erneuten großen Tierquälerei-Skandals“ ein staatliches Tierwohl-Label und härtere Sanktionen. Der Oberallgäuer Abgeordnete  Leopold Herz (Freie Wähler) weist als Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Landtag darauf hin, dass bei tausenden Betrieben im Allgäu nur ein minimaler Anteil in den Skandal verwickelt sei.

"Soko Tierschutz" deckte im Juli Tierskandal auf

Bayerns Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) erklärte, dass die neue Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen gestärkt werde. Dazu sollen 25 neue Stellen entstehen. Die KBLV wurde mit der Kontrolle von 85 großen Rinder- und Schweinebetrieben beauftragt. Insgesamt habe das Kabinett 70 weitere Stellen beschlossen. Beim Landwirtschaftsministerium heißt es, dass ein Agrar-Förderprogramm modifiziert worden sei. Es gebe künftig nur noch dann einen Zuschuss, wenn die Zahl von „zwei Großvieh-Einheiten pro Hektar“ nicht überschritten werde.

Durch Videos des Vereins „Soko Tierschutz“ wurde der Tierskandal im Juli vergangenen Jahres aufgedeckt. Drei Großbetriebe aus Bad Grönenbach (Kreis Unterallgäu) gerieten ins Visier von Polizei und Staatsanwaltschaft. Gegen 15 Personen laufen Ermittlungen, darunter sind auch Tierärzte.

Mit Ergebnissen ist Ende März zu rechnen. Aus einem der betroffenen Höfe hieß es im Oktober 2019, das der Landwirt den Milchvieh-Betrieb einstelle und auf Mast umstelle. Neben dem jetzt bekannt gewordenen Fall in Dietmannsried gibt es in der Oberallgäuer Gemeinde noch einen zweiten Hof, auf dem schwere Verstöße gegen den Tierschutz festgestellt wurden.

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