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Nachfolgestreit
02.12.2017

Das „Wochenende der Wahrheit“ für die CSU

Seehofer trifft alle Beteiligten. Parteivize Weber beklagt Indiskretionen. Entscheidung am Montag?

Vor der entscheidenden Sitzung des CSU-Parteivorstandes zur Zukunft des angeschlagenen Parteichefs Horst Seehofer spitzen sich die innerparteilichen Machtkämpfe weiter zu. Neben dem Streit um die Spitzenkandidatur zur Landtagswahl 2018 droht der Partei nun auch noch ein Wettstreit um den Posten des Parteichefs.

Befeuert werden beide Debatten durch ein bekannt gewordenes Geheimtreffen von Seehofer, Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, Innenminister Joachim Herrmann, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Parteivize Manfred Weber. In der Partei sehen darin viele den Versuch, Seehofers größten Widersacher Markus Söder zu verhindern.

Gestern meldete sich Weber zu Wort. „Der gezielte Versuch der letzten Tage, durch anonyme Indiskretionen weitere Gräben in der CSU aufzumachen, ist ziemlich durchschaubar“, sagte der CSU-Politiker und Chef der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament der Deutschen Presse-Agentur. Das gelte vor allem auch für den Umgang mit Seehofer und dem „offensichtlichen Plan, ihn und mich auseinanderzudividieren“.

Weber bezog sich dabei auf teils falsche Medienberichte über das Treffen am Montag in der Staatskanzlei. Über die Inhalte kursieren viele Gerüchte. Rankten sich diese anfangs nur um Herrmanns vermeintliche Zusage, als Spitzenkandidat zur Verfügung zu stehen, steht inzwischen auch Weber im Fokus – jedoch für einen anderen Posten. Er soll, wie berichtet und wie ein Teilnehmer der Sitzung unserer Zeitung gestern bestätigte, seine Bereitschaft für den Parteivorsitz erklärt haben, sollte Seehofer den Posten freiwillig räumen. Dies sei aber überwiegend auf Ablehnung gestoßen.

Nun steht die CSU vor einem „Wochenende der Wahrheit“, wie es in der Partei genannt wird. Es gibt eine Vielzahl schwieriger Baustellen, deren Lösung allesamt eine Erklärung Seehofers vorausgehen muss. Der 68-Jährige hat für Sonntag alle wichtigen Gremien und viele hochrangige Parteifreunde in die Parteizentrale geladen, um sich mit ihnen zu beraten. Eigens dafür hatte Seehofer auch einen Beraterkreis mit den Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber und Theo Waigel sowie Landtagspräsidentin Barbara Stamm ins Leben gerufen.

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Am Montag will dann der Vorstand eine Beschlussempfehlung für den Parteitag formulieren. Brisanterweise will sich schon zweieinhalb Stunden vorher die Landtagsfraktion treffen, um ihren Favoriten für die Spitzenkandidatur zu küren. In der Fraktion werden zwar Söder die meisten Unterstützer zugesprochen, sollte es aber wirklich zu einer Abstimmung zwischen ihm und Herrmann kommen, könnten sich die Stimmen insoweit verteilen, dass es am Ende kein eindeutiges Ergebnis gibt. Dann könnte die Abstimmung auf dem Parteitag Mitte Dezember erneut anstehen.

Zunächst aber ist Seehofer am Zug. Weber sagte: „Er wird nach den Gesprächen am Wochenende berichten und einen Vorschlag für die richtige Zukunftsaufstellung machen. Ich vertraue da auf seine Erfahrung.“ (dpa, jub)

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