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Kunstraub

06.12.2019

Nachgeforscht in München: Wie sicher ist der Schatz der Bayern?

Die Königskrone in ihrer (fast) ganzen Pracht – der „Blaue Wittelsbacher“ in der Spitze ist nur ein Imitat. Das Original wurde einst verkauft. Aus Geldnot.
Bild: Bayerische Schlösserverwaltung, www.schloesser.bayern.de

Plus In Dresden haben Juwelendiebe einen großen Coup gelandet und sind ins berühmte Grüne Gewölbe eingebrochen. Muss man sich um die bayerischen Kronjuwelen sorgen?

Die bayerischen Kronjuwelen sind schon lange nicht mehr das, was sie einmal waren. Allerdings können dafür – anders als in Sachsen – keine dreisten Einbrecher verantwortlich gemacht werden. Es war schlicht Geldnot, die das Haus Wittelsbach bereits im Jahr 1931 dazu veranlasste, das Prachtstück ihres Schatzes, den „Blauen Wittelsbacher“, aus der Königskrone entfernen zu lassen und – mit Zustimmung der Bayerischen Staatsregierung – zu verscherbeln. Statt des leuchtend blauen 35,56-Karat-Diamanten ziert jetzt ein Imitat die Spitze der Königskrone. Der Rest der Kronjuwelen – Königinnenkrone, Zepter und Schwert – allerdings ist noch komplett da, ebenso der goldene Siegelkasten und der Reichsapfel.

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Angesichts des jüngsten Coups in Dresden, wo sich Juwelendiebe im berühmten Grünen Gewölbe austobten, stellt sich auch hierzulande die Frage: Werden Kronen, Schwerter und Schmuck in der Schatzkammer der Münchner Residenz denn auch sicher verwahrt?

Das Thema Sicherheit ist heikel

Eine Antwort darauf ist gar nicht so einfach zu erhalten. Die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung ist eine selbstbewusste staatliche Behörde, die mächtig stolz ist auf ihre Immobilien und deren Inventar. In Sicherheitsfragen aber ist sie – diplomatisch formuliert – eher wortkarg. Das ist irgendwie verständlich. Wer einen Schatz hütet, der redet nicht gerne über seine Aufpasser, Alarmsysteme und Überwachungskameras – schon gar nicht, wenn Einbrecher, die andernorts gerade mit einigem Erfolg zugeschlagen haben, noch immer unbekannt und auf freiem Fuß sind.

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Auch ein Anruf beim Finanzministerium, dem die Schlösser- und Seenverwaltung untersteht, hilft da zunächst nicht weiter. „Aus Sicherheitsgründen“, so heißt es auf Anfrage, wolle die Behörde keine Auskünfte geben. Erst auf erneute Nachfrage meldet sich eine freundliche Mitarbeiterin der Pressestelle der Schlösser- und Seenverwaltung. Doch selbst wer hoch und heilig verspricht, nicht über jene Einzelheiten der Schatzverwahrung zu schreiben, die speziell Einbrecher interessieren könnten, beißt auf Granit. Sie könne unserer Redaktion bestenfalls eine „kunsthistorische Führung“ anbieten, sagt die Sprecherin. Nicht einmal auf die Frage, ob denn nach dem Einbruch in Dresden die Sicherheitsvorkehrungen in Bayerns staatlichen Museen, Schlössern und Residenzen überprüft werden, gibt es eine Antwort: „Auch dazu werden Sie von uns keine Aussage bekommen.“

Bleibt also nur noch der Weg über den Chef, Finanzminister Albert Füracker (CSU). Der hat zwar kurz vor den Verhandlungen über den bayerischen Staatshaushalt gerade anderes zu tun. Aber freundlich wie er ist, beugt er sich dem Argument, dass das Volk der Bayern schließlich das Recht habe zu erfahren, ob die Staatsregierung bei der Verwahrung der historischen Schätze des Freistaats die nötige Sorgfalt walten lasse. Und so gibt es am Abend des zweiten Tages der Recherche doch noch eine halbwegs beruhigende Antwort. Das Finanzministerium teilt mit: „Die Ausgestaltung der Sicherheitseinrichtungen in den einzelnen Objekten der Schlösserverwaltung wird spezifisch nach den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten vorgenommen. Die Sicherheitsvorkehrungen in den Objekten der Schlösserverwaltung sind auf dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik. Sie werden auch regelmäßig von der Bayerischen Schlösserverwaltung überprüft sowie gegebenenfalls angepasst und modernisiert.“

Es gibt jede Menge Sicherheitstechnik

Notorische Zweifler könnten nun einwenden, dass vor dem Einbruch in Dresden vermutlich auch die sächsische Landesregierung eine derartige Antwort gegeben hätte. Und wer Mission Impossible I bis VI gesehen hat, der hat ohnehin jeden Glauben ans Unmögliche verloren. Ein Besuch in der Schatzkammer der Münchner Residenz aber macht dann doch wieder Mut: Mächtig dicke Wände, stählerne Tresortüren, aufmerksames Personal und jede Menge Sicherheitstechnik, die hier in diesem Artikel – versprochen ist versprochen – nicht näher beschrieben wird.

Gesagt freilich ist damit noch nicht alles. Es gibt in der bayerisch-sächsischen Kronjuwelenfrage noch einen weiteren Aspekt, der in der ganzen Aufregung über den dreisten Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden noch nicht beachtet wurde: Die Sachsen haben ihr Prachtstück noch – den „Grünen Dresdner“. Der Edelstein, der wie der „Blaue Wittelsbacher“ zu den drei Dutzend der wertvollsten Diamanten der Welt gezählt wird, war laut Polizei nämlich gar nicht im Haus, als die bösen Ganoven im Grünen Gewölbe auf Beutezug waren.

Wo ist der "Blaue Wittelsbacher"?

Der „Blaue Wittelsbacher“ dagegen ist für immer verloren. Er ging, nachdem sein Verkauf im Jahr 1951 schließlich geglückt war, durch viele Hände. Die letzte Gelegenheit, ihn nach Bayern zurückzuholen, ließ die Staatsregierung im Jahr 2008 verstreichen. Damals wäre der Diamant für rund 24 Millionen Dollar im Auktionshaus Christie’s in London zu ersteigern gewesen. Nie zuvor war für einen Edelstein bei einer Auktion mehr gezahlt worden. Der Käufer war der Londoner Juwelier und Edelsteinhändler Laurence Graff, der den Stein – so ist in der Online-Enzyklopädie Wikipedia nachzulesen – neu hat schleifen lassen, „um Absplitterungen zu beseitigen und Reinheit und Brillanz besser zur Geltung zu bringen“, was der deutsche Kunsthistoriker Hans Ottomeyer als „Vandalisierung“ geißelte. Der Neuschliff habe den Stein mit jetzt nur noch rund 31 Karat zu einem „königlichen Lutschbonbon“ gemacht.

Aktueller Besitzer – man weiß es offenbar nicht so ganz genau – soll ein arabischer Scheich sein. Er hat für den ehemaligen „Blauen Wittelsbacher“ angeblich 80 Millionen Dollar gezahlt.

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