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München

01.03.2018

Neuanfang bei Circus Krone: Tiere, Trauer, Transparente

Jana Lacey-Krone ist seit einigen Monaten die neue Frau an der Spitze des Circus Krone. Derzeit arbeitet sie an ihrem ersten eigenen Programm.
Bild: Tobias Hase, dpa

Europas größter Zirkus steht vor einem Neuanfang. Die neue Chefin des Circus Krone erklärt, wie die Zukunft aussehen soll und warum sie nicht auf Tiere verzichten will.

Sie ist noch immer überall. Auf den alten Bildern an den Wänden in dem europaweit einmaligen Zirkusgebäude mitten in München. Auf den Plakaten in der ganzen Stadt. In den Köpfen der Menschen, ihrer Familie, vieler Besucher und vor allem ihrer einstigen Kollegen. „Frau Christel“ wurde sie von vielen genannt, ehrfürchtig und liebevoll zugleich. Im Juni des vergangenen Jahres starb Christel Sembach-Krone mit 81 Jahren. „Sie ist immer noch präsent. Jeden Tag und überall“, sagt Jana Lacey-Krone – ihre Adoptivtochter und Nachfolgerin als Chefin von Europas größtem Zirkus.

Diese Woche begann der dritte und letzte Teil des Winterprogramms, der ganz im Zeichen der Erinnerung an die „Grande Dame“ des Circus Krone steht. „Christel Sembach-Krones Lieblinge“  heißt er und die Zuschauer bekommen das zu sehen, was sie seit jeher erwarten: Clowns, Artisten und Tiere – also tanzende Pferde, auf dem Rüssel stehende Elefanten und Männchen machende Löwinnen.

Tierschützer zählen zu den Stammgästen

Gleichzeitig stehen vor den Toren des einzigen festen Zirkus-Winterbaus in Europa Demonstranten. Mit Plüsch-Löwen in Käfigen und Transparenten, auf denen Bilder von Tigern und Sätze wie „Wir sind keine Entertainer“ zu sehen sind. Seit Jahren führen Tierschützer einen erbitterten und regelmäßig auch juristischen Kampf gegen den Circus Krone.

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Jana Lacey-Krone ist mit all diesen Facetten des Zirkus-Lebens groß geworden. Als Tochter eines zirkusbegeisterten Schweizer Ehepaars – ihr Vater organisierte lange Zeit das internationale Zirkusfestival von Monte Carlo – wuchs sie quasi im Circus Krone auf, bei dem ihre leibliche Mutter abgestellt war. Im Alter von drei Jahren trat sie das erste Mal in der Manege auf – mit einem Shetland-Pony. Nach und nach baute Christel Sembach-Krone sie als ihre Nachfolgerin auf: In der Arbeit mit den großen Pferden genauso wie als Direktorin eines Unternehmens mit bis zu 250 Angestellten. Vergangenen Sommer war es dann plötzlich so weit: Mit einem Schlag fiel die gesamte Verantwortung des Traditionsbetriebes in die Hände der heute 38-Jährigen und ihres Mannes Martin Lacey Jr., seines Zeichen preisgekrönter Raubtierdompteur.

Christel Sembach-Krone starb 20. Juni 2017.
Bild: Frank Mächler, dpa

„Das war hart und ist es manchmal immer noch“, gibt das Ehepaar zu. Früher hatte „MaPa“ – so nennt Jana Lacey-Krone die Frau, die sie 2001 adoptiert hat („Sie war wie eine zweite Mutter für mich“) – stets das letzte Wort. Heute muss sie sämtliche Entscheidungen treffen. Und damit auch den Weg des Zirkus in die Zukunft ebnen. Wie soll diese aussehen?

Zirkus-Chefs versprechen „Transparenz“

„Für uns gehören Tiere zum Zirkus dazu“, macht Lacey-Krone klar. Ihr Mann erklärt, dass es den Tieren im Circus Krone gut gehe, sie artgerecht gehalten würden, nichts tun müssten, was sie nicht wollen: „Wir lieben unsere Tiere.“ Jeder, der Zweifel daran habe, könne sich davon selbst überzeugen, das Gespräch suchen und einen Blick hinter die Kulissen wagen: „Wir wollen transparent sein. Was uns ärgert ist unsachliche und unfaire Kritik, die mit der Realität nichts zu tun hat.“

Ja, auch ihre Tiere lebten „in menschlicher Obhut“, betont das Zirkus-Ehepaar, das Wort Gefangenschaft vermeiden die beiden. Tiere im Zoo und Haustiere in Familien würden das allerdings genauso. „Wenn man über die Haltung von Tieren spricht, muss man über alles sprechen und nicht nur über den Zirkus“, sagt Lacey-Krone.

Stammgäste vor dem Zirkus: Demonstrierende Tierschützer.
Bild: Michael Böhm

So werden die Besucher im Circus Krone, von denen es jedes Jahr wieder mehr als eine Million gibt, also auch in Zukunft neben Clowns und Artisten tanzende Pferde, auf dem Rüssel stehende Elfenanten und Männchen machende Löwen zu sehen bekommen.

Neuerungen zur 100. Wintersaison

Aber pünktlich zur 100. Wintersaison im kommenden Jahr, der ersten unter der neuen Chefin, soll es auch viele Neuerungen geben. Schließlich werde es immer schwieriger, die Menschen in einer von Unterhaltung überfluteten Welt für den klassischen Zirkus zu begeistern.

„Das Einfachste wäre es, so weiterzumachen wie bisher. Aber der Circus Krone hat sich in den 105 Jahren seit seiner Gründung immer wieder neu erfunden – daher wollen auch wir mutig sein“, erklärt Jana Lacey-Krone. Aktuell werde am neuen Programm gebastelt. Dieses werde voraussichtlich etwas kürzer sein als die bislang üblichen drei Stunden.

„Die Menschen haben nicht mehr so viel Zeit wie früher, Kinder werden schneller ungeduldig“, sagt die Mutter eines zehnjährigen Sohnes. Zudem soll die Show künftig „mehr Emotionen“ transportieren und mit moderner Licht und Tontechnik in Szene gesetzt werden. Vor allem aber soll sie „unsere Liebe zu den Tieren“ deutlich machen, sagen Jana Lacey-Krone und ihr Mann Martin, der bei seinen Auftritten gerne mit Löwen kuschelt.

Draußen vor der Tür heben die Demonstranten derweil ihre Schilder weiter in die Höhe: „Tiere raus aus dem Zirkus“, ist darauf zu lesen.

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