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Bildung

05.09.2019

Neues Schuljahr: Gibt es einen Lehrermangel in Bayern?

Mehr Informatik, aber zu wenige Lehrer in bayerischen Schulen? Das beklagen Kritiker.
Bild: Friso Gentsch (dpa)

Kultusminister Piazolo kündigt mehr Ganztagsangebote, Umweltbildung und Informatik als Pflichtfach an. Kritiker warnen: Der Lehrermangel erreiche "dramatische Ausmaße".

Ob sie das Ende der Sommerferien beklagen oder sich auf den Schulanfang freuen: Für alle 1,65 Millionen bayerischen Schüler beginnt am Dienstag der Unterricht. Für 115.200 von ihnen zum ersten Mal: So viele ABC-Schützen sitzen dann im Klassenzimmer.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) erläuterte am Donnerstag in München, welche Neuerungen es an Bayerns Schulen gibt. Bereits im Vorfeld hatten Lehrervertreter die bayerische Bildungspolitik und insbesondere einen eklatanten Lehrermangel beklagt. Piazolo sagte: „Es wird vor jeder Klasse ein Lehrer stehen.“ Vereinzelte Unterrichtsausfälle seien nie vollständig auszuschließen. „Ich habe auch gehört, dass nicht jeder Schüler das ständig beklagt.“

5200 Lehrer hat der Freistaat zum Unterrichtsbeginn neu eingestellt – für 1000 wurden neue Stellen geschaffen, der Rest ersetzt etablierte Lehrer, die die Schulen verlassen. Gleichzeitig bleibe die Schülerzahl etwa gleich. Für Ganztagsangebote seien 180 zusätzliche Stellen geschaffen worden.

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Piazolo will mehr Umweltprojekte in Schulen

Eine Neuerung kann als Reaktion auf die Schülerdemonstrationen „Fridays for Future“ verstanden werden: Der Minister will die Umweltbildung stärken. Schüler sollen sich in Projekten mit dem Thema auseinandersetzen können. Denkbar seien auch zusätzliche Lernorte im Freien oder Ausflüge in den Wald. Eine jährliche Aktionswoche werde sich heuer mit dem Thema Klima auseinandersetzen.

Auf die Demonstrationen während der Unterrichtszeit angesprochen, wiederholte Piazolo seine Haltung: Das Gesetz verbiete Schulschwänzen für die Freitagsdemonstrationen. Mögliche Sanktionen lägen aber im Ermessen des Schulleiters.

Außerdem investiere man eine Milliarde Euro in die Digitalisierung, sagte Piazolo. Er verwies auf den Digitalpakt des Bundes, aus dem knapp 80 Prozent des Geldes stammen. Für Mittel- und Förderschüler gibt es ab dem neuen Schuljahr zudem das Pflichtfach Informatik. Dafür sind künftig hauptsächlich die jeweiligen Klassenlehrer zuständig. Seit vergangenem Jahr besuchen sie dafür Fortbildungen.

Gewerkschaft und Opposition beklagen Lehrermangel

Unter anderem diese Neuerung beklagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: Es fehlten ohnehin Lehrer. „Statt in dieser Situation Erleichterungen zu ermöglichen, startet das Kultusministerium Informatik als zusätzliches Pflichtfach“, klagt der Verband. Die Arbeitsbelastung für den einzelnen Lehrer steige stetig.

An Grund-, Mittel- und Förderschulen habe der Lehrermangel „dramatische Ausmaße“ erreicht. Die Opposition äußert ähnliche Kritik: In vier Jahren würden 2300 Grund- und zum Ende des kommenden Jahrzehnts 2500 Mittelschullehrer fehlen, warnte Anna Toman, schulpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen. „Von einer wirklichen Stärkung kann hier keine Rede sein, der Lehrkräftemangel muss Thema Nummer eins sein.“

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Der Staat muss mit Geld den Lehrermangel bekämpfen

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