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Bayern

24.09.2017

Nur noch 38,8 Prozent: Die CSU ist ins Mark getroffen

Die CSU fährt ihr schlechtestes Bundestagswahlergebnis seit 1949 ein - eine Schlappe für Parteichef Horst Seehofer.
Bild: Peter Kneffel, dpa

Die CSU fährt ihr schlechtestes Bundestagswahlergebnis seit 1949 ein. Ex-CSU-Chef Huber geht sofort auf seinen Nachfolger los. Doch eine Mehrheit im Vorstand hält zu Seehofer.

Zwei Ängste beherrschten die CSU in den letzten Tagen vor der Wahl – dass die AfD deutlich stärker werden könnte, als in den Umfragen vorhergesagt, und dass ihre absolute Dominanz in Bayern verloren gehen könnte. Die erste Befürchtung bestätigte sich schon lange vor 18 Uhr. Die Umfragen waren eindeutig. Schon da war die Stimmung im Erdgeschoss der neuen Parteizentrale an einem Tiefpunkt. Mitarbeiter der Partei liefen mit Leichenbittermienen herum. Von den Mitgliedern des Parteivorstands aber ließ sich – anders als an früheren Wahlabenden – niemand blicken.

Die Damen und Herren saßen mit Parteichef Horst Seehofer einige Etagen höher beisammen und zurrten eine Verteidigungsstrategie fest, von der noch niemand sagen kann, ob sie halten wird. Sie wussten da schon, dass es an diesem Abend noch schlimmer kommen wird für ihre Partei. Um kurz nach 18 Uhr war es dann amtlich: Die CSU hat ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl seit 1949 eingefahren. Jetzt muss die Partei bei der Landtagswahl im Herbst kommenden Jahres auch um ihre absolute Mehrheit in Bayern bangen – und Seehofer vielleicht sogar um seinen Job als Parteivorsitzender.

„Das ist eine Katastrophe“, sagte Ex-Parteichef Erwin Huber. Ihn zog es als ersten vor die Kamera. Und er machte genau das, was nach dem Willen des Parteivorstands auf keinen Fall getan werden sollte: Er suchte die Schuld bei seinem Nachfolger. „So eine Schaukelpolitik irritiert die Wähler“, schimpfte Huber über Seehofer. Schon vor einem halben Jahr habe er gefordert, die AfD „aktiv und aggressiv“ zu bekämpfen. Das sei nicht geschehen. „Man kann nicht einen Brand löschen, indem man sagt, wir kaufen nächstes Jahr ein Feuerwehrauto“, sagte Huber und schob direkt an die Adresse Seehofers nach: „Er wird die Merkel zum Sündenbock machen wollen, aber das wird nicht gelingen.“

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CSU: Jetzt geht es darum, die rechte Flanke wieder zuzumachen

Huber freilich blieb zunächst der einzige, der sich offen gegen Seehofer stellte. Die anderen Vorstandsmitglieder hielten sich an die Devise des Parteichefs. Manfred Weber, der Chef der Konservativen im Europäischen Parlament, stemmte sich umgehend gegen eine Personaldiskussion. Die Partei müsse jetzt stark sein, um ihre Ziele in den anstehenden Koalitionsverhandlungen durchzusetzen. „Bei zentralen Zusagen der CSU darf es kein Wackeln geben“, sagte Weber und fügte hinzu: „CDU und CSU haben trotz des schwachen Ergebnisses einen klaren Regierungsauftrag.“

Der schwäbische Landtagsabgeordnete und Chef der Jungen Union in Bayern, Hans Reichhart, bekräftigte diese Position. Eine Personaldiskussion werde es nicht geben, „weil wir im Unionsstrudel mit dabei waren“ und die CSU genauso verloren habe wie die CDU. „Jetzt geht es darum, die rechte Flanke wieder zuzumachen“, sagte Reichhart, „mit knallharter Sachpolitik. Da darf nichts mehr offen bleiben.“ Und er schob noch hinterher: „Die Merkel hat die rechte Flanke offen gelassen, wir müssen sie zumachen.“

Aus Schwaben hat Seehofer weiter Rückendeckung

Rückendeckung hat Seehofer, wie telefonische Nachfragen unserer Redaktion ergaben, auch sonst aus Schwaben. „Der Horst ist schon derjenige, der den Laden am ehesten zusammenhalten kann“, sagte der CSU-Landtagsabgeordnete und frühere bayerische Justizminister Alfred Sauter. Er zeigte sich allerdings skeptisch, was die künftige Zusammenarbeit mit der CDU betrifft. Es gäbe keine Anzeichen, dass die Kanzlerin ihre Politik ändern werde. Der CSU stehe ein harter Landtagswahlkampf bevor. Sauter gab sich mehrdeutig: „Es muss was geschehen. Es reicht nicht, wenn was passiert.“ Schwabens CSU-Bezirkschef Markus Ferber warnte ebenfalls vor einer Personaldiskussion. „Das macht wenig Sinn. Nach diesem Ergebnis stellt sich eine Reihe von Fragen. Das kann man am Wahlabend nicht aus der hohlen Hand beantworten“.

Als Horst Seehofer um 18.33 Uhr im Erdgeschoss der Parteizentrale vor die Kameras trat, wurde er zunächst nur mit einer Art Höflichkeitsapplaus begrüßt. Er sagte, was er sagen musste: „Es gibt nichts schön zu reden.“ Das Ergebnis sei „eine herbe Enttäuschung.“

Seehofer appellierte an die Geschlossenheit der Partei. Er kündigte an, „mit klarer Kante“ für die Positionentionen“. Er versprach, „dass wir alles tun werden und keine falschen Kompromisse eingehen werden.“ Deutschland müsse Deutschland, Bayern müsse Bayern bleiben. „Die Menschen erwarten von uns, dass wir für Bayern kämpfen“. Jetzt müsse die CSU so arbeiten, dass sie im Jahr vor der Landtagswahl das Vertrauen der Menschen wieder gewinne. Dafür gab es dann doch noch etwas mehr Applaus und sogar vereinzelte „Horst-Horst-Rufe“.

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Die Diskussion ist geschlossen.

25.09.2017

Ich denke schon, das der Sonderstatus der CSU hinterfragt werden muß.

Wie kann eine "Schwesterpartei" derartig diametrale Ansichten haben? Wer in Bayern die CDU wählen wollte, hatte welche Alternativen? Die CSU? Wohl nicht!

Ausserdem ist dieses Ergebnis eine Watschn für die unglaublich schlechten CSU Bundesminister

Man könnte es so zusammenfassen: Bayern gehts gut, trotz der CSU...

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25.09.2017

Welchen Sonderstatus hat die CSU? Natürlich war das Wahlergebnis nichts besonbderes für die CSU. Aber wenn man die negativen Zahlen betrachtet liegen CDU und SPD noch weit vor der CSU.

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25.09.2017

Sie fragen welchen Sonderstatus die CSU hat?. Ist nicht Ihr Ernst?

Hätte sie diesen Status nicht, könnte ich CDU in Bayern wählen, oder?

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25.09.2017

Viel Spaß beim Wechsel vom Flüchtlinge- zum fröhlichen Merkeljagen wäre den AfD-Clowns zu wünschen. Die Gefahr ist allerdings groß, dass sie mit ihren verrosteten braunen Flinten statt Merkel den einen oder anderen Treiber erlegen. Zwei der besonders eifrigen Jagdhelfer - die bayerische CSU und die sächsische CDU - bekamen von der wenig ehrenwerten Jagdgesellschaft bereits gestern eine Schrotladung in den Hintern verpasst. In diesem Sinne weiterhin Waidmannsheil!

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25.09.2017

Unterirdisch wie immer. Die roten Kanonen und Erzkommunisten richten zum Glück keinen Schaden an.

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25.09.2017

(persönlicher Angriff/edit)

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25.09.2017

Die Vorfreude auf linksgrün versiffte Minister ist Ihnen richtig anzumerken . . .

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25.09.2017

Wohl im Kommunismus-Wahn der 50 er hängen geblieben ohne die geringste Chance auf Weiterbildung.

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25.09.2017

Sie begreifen es nicht mal nach krachenden Niederlagen. Diese Überheblichkeit in den Politrunden nach der Wahl ist typisch für CDU/CSU-SPD-GRÜNE. Anstatt Ihre Fehler zuzugeben, wird nur in abgründiger Manier die AfD und deren ca. 6 Mio Wähler beleidigt.

Viele Bürger lassen sich das nicht mehr gefallen und wählen zum Trotz diese Partei. Es ist zu befürchten, dass die "Regierenden Parteien" den Ernst der Lage erst begreifen, wenn Gauland & Co über 20% kommen.

Was mich am meisten gefreut hat, war die Abrechnung der "etablierten Parteien" mit den öffentlich rechtlichen Medien. Die Gesichter der beiden Chefs von ARD und ZDF sprachen Bände.

Wenn die neue Regierung, egal wie sie heißen wird, weiterhin die Sorgen und Bedenken vieler Bürger nicht ernst nehmen wird, werden sich immer mehr von den bisherigen "Politeliten" abwenden.

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25.09.2017

Es ist nicht nur der Trotz warum andere Parteien, aktuell ein Synonym für die AfD, gewählt werden. Einige oder mehrere oder viele finden auch halt die Politik besser. Dann ist das Überzeugung.

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25.09.2017

"Einige oder mehrere oder viele finden auch halt die Politik besser. Dann ist das Überzeugung."

Das wird wohl richtig sein, denn bei dieser Politik geht es hauptsächlich um Ausländerfeindlichkeit und Europafeindlichkeit. Nationalsozialistisches Denken steht im Vordergrund.

Das nationalsozialistische Gedankengut schlummert in vielen Bürgern und drang erst durch die Flüchtlingskrise massiv an die Oberfläche. Dieser Trend ist auch hier auf dieser Plattform längst auffällig sichtbar geworden. Weder von der Parteiführung noch von der Anhängern der AfD ist die Ungerechtigkeit im Land ein Anliegen. Dieses Hauptproblem erzeugt nur Schulterzucken im Gegensatz zur Flüchtlingskrise, welche sofort lautes Grölen auslöst.

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25.09.2017

Ich habe die AfD nicht gewählt - aber die EU mag ich auch nicht. Mir ist es lieber ma n denkt zuerst an Deutschland und dann an den Rest der Welt.

Ich denke auch zuerst an meine Familie - und dann an den Nachbarn.

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25.09.2017

Na ja, es sieht eher so aus:

- Ich zuerst

- dann kommt lange gar nichts

- dann die Familie, gleichzeitig Bayern

- ob es dann noch zu Deutschland reicht, könnte man fast bezweifeln

Es soll ja in Bayern noch viele Leute geben, die am liebsten wieder ein bayerisches Königreich hätten.

Die Sorgen und Nöte anderer Menschen, Religionen und Nationalitäten zu kennen und ernst zu nehmen ist in einer globalisierten Welt nicht mehr abzulehnen.

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26.09.2017

In Wirklichkeit denken Sie zuerst an sich und zwar nach dem Leitsatz über der FDP-Sozialpolitik: Wenn jeder an sich denkt ist an alle gedacht.

Viele unserer neuen Volks- bzw. völkischen Vertreter halten ja auch die Zeit für gekommen, frei nach Ihrem großen Idol Welt-Staatsmann, Geistesgröße und Klimaexperte Donald T., dem deutschen Volk ein „Germany first“-Gefühl einzuimpfen. Und wenn sich die Begeisterung unserer europ. Nachbarn darüber in Grenzen hält, es zu versuchen wie die Engländer - sich aus der EU und den damit verbundenen Pflichten herauszuschleichen, aber um den Behalt der gleichen Rechte wie die Mitglieder zu winseln.

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24.09.2017

Unkontrollierte Einreise für jederMann oder Obergrenze - der unklare Kurs der CSU hat seine Folgen - die Wähler sind aber nicht weg sondern nur gerade woanders.

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Bei der SPD sicher nicht, weil die ja in Bayern kaum 3% !! mehr als die Afd hat.

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Bayern ist m.E. ein wertvoller Indikator zur Beurteilung der Afd - simple Erklär-Märchen aus der sozialistischen Wunderkiste punkten bei dieser Wirtschafts- und Sicherheitslage eher nicht.

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24.09.2017

Denken Sie lieber darüber nach, warum die AfD ausgerechnet in Bayern das höchste Ergebnis in allen westlichen Bundesländern hat. Und höchst erfreulich die 6,5% Linke in Bayern! Die Bierzeltkrakeeler der CSU sind blamiert bis auf die Knochen.

Wo war denn der Scheuer heute Abend?

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24.09.2017

Die Angst vor kultureller Veränderung ist bei der CSU doch nicht weniger als bei der AfD. Die simplen Erklärungsversuche von Seehofer noch weiter nach rechts zu rutschen wird ihm nicht so gut bekommen wie er denkt.

Im Übrigen wird die Jamaika-Koalition ein gewaltiges Dilemma für die CSU. Der Gesichtsverlust für Seehofer dürfte ungeahnte Ausmaße annehmen.

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24.09.2017

Das bay. Ergebnis der CSU markiert den größten Bedeutungsverlust dieser Partei nach 1945. Damit ist die CSU ohne bundesweite Ausdehnung eindeutig zu einer Regionalpartei geworden. Für Merkel kann dieser angeschossene bay. Löwe richtig gefährlich werden. Doch diese sicher unabsichtliche Steigbügelhalterin der neuen Nazis hat es nicht anders verdient.

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25.09.2017

Steigbügelhalterin der neuen Nazis

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Waren das nicht linksgrüne Frauen nach Köln?

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25.09.2017

Waren das nicht linksgrüne Frauen nach Köln?

Wusste gar nicht, dass die regieren!

Wissen Sie, was besonders gut an diesem Wahlausgang ist?

Dass die ganzen Rollerschen AZ-Ergüsse für Kanzlerin und CSU erstens eine Blamage für die freie Presse und zweitens darüber hinaus Schüsse in den Ofen waren . . .

Besonders vermissen werden wir allerdings den genialen Dobrindt, der sich hoffentlich rechtzeitig noch einen Job bei den Autobossen gesichert hat . . . .

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25.09.2017

Ob man den Maut-Dobrindt bei der Autoindustrie noch brauchen kann wird immer fraglicher. Solche (edit/mod) sind anscheinend doch nicht so gefragt. Dobrindt darf dafür die stark geschrumpfte CSU im Bundestag noch eine Weile anführen.

(edit/mod)

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25.09.2017

Wusste gar nicht, dass die regieren!

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Die mit der Armlänge Abstand schon...

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24.09.2017

Wo steckt denn unser stark geschröpftes sonst immer dem Boss über die Schulter und in jede Kamera grinsendes CSU-Dokterl? In Rott am Inn soll ja lautes Gebrüll und Donnergrollen aus der Zwicknagel-Gruft zu hören gewesen sein.

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24.09.2017

G. Beckstein mußte nach einem schlechten, ja: es war nur die Landtagswahl, Wahlergebnis gehen. Aber dieses Ergebnis war noch um einen ganzes Stück besser als das aktuelle in der CSU. Progon mir: es passiert nichts - Seehofer bleibt.

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