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ÖPNV
26.09.2018

Eine Jahreskarte für 365 Euro

Das billige Nahverkehrs-Ticket ist einer von Söders Wahlkampfschlagern. Nun unterstützt auch der CSU-Bundesverkehrsminister die Idee. Er hat kurz vor der Wahl noch mehr Geschenke

München Der Bund will Bayern bei der geplanten Einführung von 365-Euro-Jahrestickets in fünf Großstädten unterstützen. Das berichtete Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag nach Beratungen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, CSU, im Kabinett in München. Scheuer habe hier die Unterstützung des Bundes zugesagt – auch finanziell. „Das ist ein wichtiges Signal“, sagte Söder.

Söder hatte im September angekündigt, dass Bus- und Bahnfahrer in München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Würzburg in einigen Jahren nur noch 365 Euro für eine Jahreskarte zahlen sollen – also nur noch einen Euro pro Tag. Allerdings soll es in den Städten keine Ein-Euro-Tagestickets geben, sondern eben nur das günstige Jahresticket. Und zwar spätestens im Jahr 2030, sagte Söder.

Profitieren würden nicht nur die mehr als 2,6 Millionen Einwohner in den Kernzonen der Städte, sondern auch die Einpendler aus dem Umland. Ab Mitte 2020 soll der Plan umgesetzt werden und für mehr Lebensqualität und saubere Luft in den Städten sorgen. „Mit einem attraktiven ÖPNV schaffen wir in Bayern ein intelligentes Verkehrssystem für das 21. Jahrhundert“, betonte Söder gestern. Allein im Großraum Augsburg dürften die Einnahmeausfälle für die Nahverkehrsunternehmen bei Einführung des 365-Euro-Tickets allerdings bei rund 12,5 Millionen Euro jährlich liegen.

Der Bund will den Freistaat außerdem bei der Finanzierung der geplanten zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München entlasten: Eine eigentlich geplante Vorfinanzierung durch den Freistaat in Höhe von einer Milliarde Euro entfällt, der Bund übernimmt diesen Anteil nun direkt selbst. Damit stünden Bayern rund eine Milliarde Euro mehr für andere Projekte zur Verfügung, die ansonsten langfristig gebunden gewesen wären, hieß es. „Eine sehr, sehr gute Nachricht“, sagte Söder.

Auch weitere Verkehrsprojekte wollen Bund und Freistaat gemeinsam vorantreiben, unter anderem den Ausbau der Bahnstrecke durchs bayerische Inntal Richtung Brenner. Scheuer und Söder versprachen dazu aber nun einen offenen und noch intensiveren Dialog mit den betroffenen Bürgern – und insbesondere noch stärkere Lärmschutzmaßnehmen. „Lärmschutz maximal“, sicherte Scheuer zu.

Bayerns Verkehrsministerin Ilse Aigner, CSU, betonte: „Der Lärmschutz ist der Schlüssel für die Akzeptanz – auf Bestandsstrecken und für den notwendigen Bau des Brenner-Nordzulaufs.“ Auf bayerischem Boden dürfe es keinen geringeren Lärmschutz geben als in Tirol.

Auch der Ausbau weiterer Bahnstrecken soll forciert werden. Im Bundesverkehrswegeplan werden nun mehrere Projekte neuerdings unter dem sogenannten vordringlichen Bedarf aufgeführt. Darunter sind etwa der vollständige zweigleisige Ausbau zwischen München über Mühldorf nach Freilassing und die Strecke zwischen Landshut und Plattling. Die Projekte könnten nun zügig finanziert und umgesetzt werden, hieß es.

SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen forderte den Einstieg in den kostenfreien Nahverkehr überall in Bayern, nicht nur in den großen Städten. „In Bayern darf niemand abgehängt werden. Weder auf dem Land noch in der Stadt“, sagte sie. „Deshalb brauchen wir den Einstieg in den kostenfreien Nahverkehr jetzt. Und nicht ein 365-Euro-Ticket in zwölf Jahren.“ Bayern brauche schon jetzt ein kostenfreies Bildungsticket für alle, die zur Schule gehen, Ausbildung machen oder studieren. (AZ, dpa)

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