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München

22.07.2010

Olympia 2018: Grundbesitzer lassen Minister abblitzen

Aufruhr in Garmisch-Partenkirchen: Der Bund Naturschutz macht gegen die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 mobil.
Bild: dpa

Die Bewohner des Voralpenlandes gelten als stur. Im Streit um zu verkaufendes Land für Olympia 2018 ließen die Grundbesitzer in Garmisch-Partenkirchen einen Minister abblitzen.

Im zähen Ringen um den für Münchens Olympia-Bewerbung unverzichtbaren Ski-Standort Garmisch- Partenkirchen lässt die bayerische Staatsregierung nichts unversucht. Nachdem die Grundbesitzer in der Marktgemeinde ein Vermittlungsangebot von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ausgeschlagen haben, wollte Staatskanzleichef Siegfried Schneider (beide CSU) dem Vernehmen nach am Donnerstag nach Garmisch- Partenkirchen fahren, um Gespräche mit den betroffenen Bauern zu führen.

Er will um Vertrauen werben, hieß es. Schneider wolle unter anderem klarmachen, dass sich die Staatsregierung dafür einsetzt, dass Zusagen und Versprechen in Zusammenhang mit den Winterspielen 2018 an die Bauern eingehalten werden. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte die Grundstücksfrage in Garmisch zuletzt nach einer Versammlung der Olympia-Gesellschafter als einen "Hauptpunkt" der Bewerbung benannt. "Ich bin da zuversichtlich", erklärte Seehofer. Die Fronten zwischen Grundbesitzern und Olympia-Bewerbern sind jedoch extrem verhärtet.

Das Kabinett tagt am kommenden Dienstag unter Vorsitz von Seehofer in Garmisch. Der Ministerpräsident will dort auch längere Gespräche mit Kommunalpolitikern führen. Garmischs Bürgermeister Thomas Schmid hatte noch vor einer Woche im Beisein von Seehofer verkündet, dass "die ersten Verträge" mit Grundbesitzern ins Rathaus "flattern".

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Der Mustervertrag umfasst 20 Seiten. Von "Enteignung" der Bauern könne keine Rede sein, sagte Schmid. Der Bürgermeister sprach von einer "Riesenaufgabe" für seine Gemeinde. Schwierig sei vor allem, die benötigten Flächen für das geplante Olympische Dorf zu erhalten. Bis zu drei Jahre lang müssten dort Grundstücke angepachtet werden.

Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sieht die Bewerbungsgesellschaft mit Geschäftsführer Willy Bogner an der Spitze gefordert. Sie müsse noch in diesem Monat darlegen, "wie viele Grundstücke sie gesichert hat und welche sie in Kürze zu sichern hofft - und vor allem, wie groß die Grundstücke dieser Flächen sind", sagte Ude der Tageszeitung "tz" (Donnerstag). Man könne nicht mehr länger "abstrakt diskutieren", mahnte Ude.

Dem um Vermittlung bemühten Landwirtschaftsminister Brunner war von den Grundbesitzern zu verstehen gegeben worden, dass ein Gespräch derzeit keinen Sinn mache. Der Minister halte sein Angebot jedoch aufrecht, bestätigte ein Sprecher Medienberichte. Wie es hieß, war zunächst der Montag dieser Woche als Termin vereinbart, das Gespräch dann aber auf Freitag verlegt worden. Dazu kommt es nun nicht, da Brunner von den Landwirten mehr oder weniger ausgeladen wurde.

Die deutschen Olympia-Bewerber_stehen auch zeitlich unter Druck. Bis zum 11. Januar 2011 müssen sie das endgültige Bewerbungsbuch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) einreichen. Der Standort Garmisch gilt intern als alternativlos, auch wenn sich Oberstdorf als als Ersatz-Schauplatz für die Ski-Wettbewerbe angeboten hat.

München war im vergangenen Monat neben dem schon bei zwei Bewerbungen gescheiterten Pyeongchang (Südkorea) und Annecy (Frankreich) vom IOC zur Kandidatenstadt ernannt worden. Der Schauplatz der übernächsten Winterspiele wird am 6. Juli 2011 auf der IOC-Vollversammlung im südafrikanischen Durban gewählt. dpa

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