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Bildung

12.11.2014

Pensionierte Lehrer sollen Flüchtlingen helfen

Hier funktioniert das Modell bereits: Ein pensionierter Lehrer übt mit afrikanischen Erwachsenen Deutsch.
Bild: Imago

Flüchtlinge brauchen Unterstützung in der neuen Heimat. Erfahrene Pädagogen können eine wertvolle Hilfe sein. Ihre Kompetenz soll jetzt in ganz Bayern genutzt werden.

Formulare ausfüllen, Behördengänge bewältigen – in einer fremden Sprache sind das Hürden, die ohne tätige Hilfe nicht zu überwinden sind. Und doch stehen Flüchtlinge und Asylbewerber immer wieder vor diesen Aufgaben. Jetzt bieten pensionierte Lehrer ihre Unterstützung an. Die Idee dazu hatte Klaus Wenzel, der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). „Wir haben erst vor kurzem einen umfangreichen Forderungskatalog präsentiert, in dem wir beschreiben, was die Schulen brauchen, um jungen Flüchtlingen besser helfen zu können. Der BLLV will aber nicht nur fordern, sondern sich auch aktiv einbringen“, sagt Wenzel gegenüber unserer Zeitung. Sein Verband vertritt rund 58000 Pädagogen.

Regensburger Modell soll Schule machen

Gestern stellte BLLV-Präsident Wenzel zusammen mit dem Integrationsbeauftragten der Staatsregierung, Martin Neumeyer, in der Regensburger Clermont-Ferrand-Schule die Initiative vor. Dort hatten sich bereits zwölf aktive ehemalige Lehrer gemeldet, die das Projekt mit anschieben wollen.

Für Neumeyer sind Lehrer die „idealen Guides durch den Alltag“, weil sie wissen, wie man etwas vermittelt und wie man Menschen etwas trotz Verständigungsschwierigkeiten begreifbar machen kann. „Schließlich haben sie das über Jahrzehnte hinweg praktiziert.“ Außerdem gebe es, so Neumeyer, „keinen Berufsstand, für den der Ruhestand so sehr Unruhestand, sprich, Zeit für neues Engagement und Einsatz für die Mitmenschen“ sei. „Und von den Pädagogen im Freistaat profitieren wir alle.“ Deshalb sollte dieses Beispiel „Schule machen“.

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Ehemalige Lehrer geben Deutschkurse für Erwachsene

Für Kinder gebe es bereits eine ganze Reihe von Hilfsmaßnahmen, sagt Wenzel. Die Kleinen lernten auch schnell die Sprache und ebenso, sich rasch in der neuen Umgebung zurechtzufinden. In manchen Kulturkreisen könne es dadurch aber Probleme geben. „Wenn der Vater, der sonst die Hauptperson in der Familie ist, die kleine Tochter um Hilfe bitten muss, bringt das das Gefüge ganz schön durcheinander“, sagt Wenzel.

Der BLLV-Präsident setzt auf die Erfahrung und die Kompetenz der pensionierten Pädagogen. Neben ganz normalen Deutschkursen können sie beispielsweise Werk-Stunden geben und dabei an der Arbeitsplatte mit den Erwachsenen Sprache einüben. Bei ihrer Arbeit werden die Lehrer sicher auch mit Flüchtlingsschicksalen konfrontiert. Wenzel geht davon aus, dass sie aber von Psychologen und Dolmetschern unterstützt werden.

Projekt wichtig für Gesellschaft

„Wir wollen uns das Projekt in Regensburg bis Weihnachten genau anschauen. Danach soll es bayernweit ausgedehnt werden.“ Wenzel vermutet, dass sich überall pensionierte Lehrer zur Verfügung stellen werden. Bis Ostern soll es in ganz Bayern etabliert sein. „Dann rechnen wir hoffentlich mit rund 2000 pensionierten Lehrkräften“, so der Lehrerpräsident.

Ein Sprecher des bayerischen Kultusministeriums bezeichnete gestern das BLLV-Projekt als „außerordentlich wertvoll für die Gesellschaft“. Ehrenamtliche Hilfen seien nicht hoch genug einzuschätzen. So gebe es bereits seit Jahren viele Freiwillige, die in den Aufnahmeeinrichtungen den Flüchtlingen dabei helfen, sich zurechtzufinden. Meistens sind es Wohlfahrtsverbände, die die Organisation übernommen haben, so der Sprecher. Es gebe aber auch pensionierte Lehrer, die auf der Basis von Verträgen an den Schulen einzelne bezahlte Stunden geben. Sie seien wegen ihrer langjährigen Erfahrung sehr geschätzt. Wenn sie im Sprachunterricht eingesetzt werden, achte man auf entsprechende Qualifikationen. Viele hätten schon in ihrer aktiven Zeit Deutsch unterrichtet oder Deutsch als Fremdsprache gegeben: ideale Voraussetzungen nach Ansicht des Sprechers.

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