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Artenschutz

05.07.2011

Pilotprojekt für Stadtökologie

Die Außenanlagen des Landesamtes für Umwelt in Augsburg nehmen wieder Gestalt an. Biotopflächen mussten wegen des Neubaus der Labore verpflanzt werden

Augsburg Der Idas-Bläuling wird „seine“ Ameise wieder finden. Sie hat sich bereits auf der neuen Ausgleichsfläche des Landesamtes für Umwelt (LfU) in Augsburg eingefunden, stellt der neue Präsident Claus Kumutat erfreut fest. Der Schmetterling lebt in einer Symbiose mit der Schwarzgrauen Sklavenameise. Ohne sie legt er keine Eier. Für den Neubau des Labortrakts musste vergangenes Jahr eine wertvolle Biotopfläche weichen, über die der Idas-Bläuling flog. Aber sie ist an anderer Stelle jetzt wieder neu erstanden.

Vor 14 Monaten wurde vor Baubeginn der Oberboden der Biotopfläche mitsamt der Pflanzendecke abgetragen und einige Meter entfernt auf Lechschotter wieder aufgebracht. Ein aufwendiges Verfahren, das sich bewährt hat, sagt der Biologe Hans Leicht vom LfU. Nach so kurzer Zeit blühen hier jetzt eine Reihe seltener Pflanzenarten wie die Steinbrech-Felsennelke, die Zierliche Sommerwurz oder der Hufeisenklee, der den Himmelblauen Bläuling anlockt.

Jetzt wurde eine weitere Ausgleichsfläche auf dem LfU-Gelände „geimpft“, wie es die Fachleute nennen. Auf der früheren Rollbahn des alten Flughafens brachten die Landwirte Rudolf Sirch und Gerhard Süßmair Gras aus, das sie zuvor im Auftrag des Landschaftspflegeverbands Stadt Augsburg auf der Dürrenast-Heide – nur einige Hundert Meter entfernt – gemäht hatten. Auf dem Magerrasen wachsen unter anderem die leuchtend rote Karthäuser-Lichtnelke, der weiße Berg-Haarstrang, die Sumpfgladiole und der Blaue Natternkopf. Die Pflanzen ziehen nun um. Sie sollen auf der neuen Biotopfläche des LfU aussamen, keimen und schließlich blühen. Im „Gepäck“ hat das Mähgut auch kleine Tiere wie Spinnen und Heuschrecken, die hier einen neuen Lebensraum finden.

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Der Beton des ehemaligen Rollfeldes auf dem LfU-Gelände war zuvor aufgebrochen und aufgearbeitet worden. Und er wurde recycelt. Es entstanden Mauerkanten und Steinpakete, erklärt der Landschaftsarchitekt Christoph Bücheler. Sie sollen eine Struktur in die Biotopfläche bringen und Lebensraum für Insekten und Reptilien sein. Ein urbaner Raum vernetzt mit Natur. Durch Betonreste bleibt auch ein Stück Ortsgeschichte lebendig.

„Es ist ein Pilotprojekt für Stadtökologie, das Schule machen sollte“, sagt Eberhard Pfeuffer von der Augsburger Naturschutz-Allianz. Das sieht auch Hans Leicht so: Das Landesamt kann Verbänden und Behörden mit seinen Außenflächen demonstrieren, wie in kurzer Zeit ästhetische und ökologisch wertvolle Ausgleichsflächen geschaffen werden können.

Der Recycling-Gedanke fasziniert Christoph Bücheler. Aus dem Pflanzenabfall wird etwas Neues geschaffen. Und das mit wenig Material und wenig Geld. Das gelte nicht nur für den Beton, sondern auch für das Mähgut. „Es wird zu Saatgut aufgewertet.“

Die mageren Wiesen werden immer nährstoffreicher

In Augsburg könnte mit Mähgut von den international bedeutenden Lechheiden noch viel mehr gemacht werden, betont Nicolas Liebig, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands. Denn die Flächen müssen regelmäßig gemäht werden, was so mancher Bürger nicht verstehe. Liebig muss sich immer wieder heftige Kritik anhören: „Warum mäht ihr blühende Wiesen?“ Er erklärt, warum: Die Flächen müssen ausgehagert werden, wegen der hohen Nährstoffeinträge aus der Luft. „Die mageren Wiesen werden immer nährstoffreicher.“ Gräser wie die Goldrute wandern ein und verdrängen die seltenen Pflanzenarten.

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