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Ernährung
11.05.2021

Champignon und Co: So funktioniert Pilzanbau zuhause

Auf einem Baumstamm lassen sich im eigenen Garten Kräuterseitlinge anbauen.
Foto: Stefan Hawlik

Der Do-it-yourself-Pilzanbau boomt. Ein Experte erklärt, was der Hobbyzüchter beachten muss, um Speisepilze aus eigenem Anbau zu ernten.

Ganz vorsichtig, fast schon schüchtern, blickt ein kleiner Pilzkopf dem Licht entgegen. Stück für Stück schiebt sich der Champignon aus der Erde. Eine idyllische Szene aus dem tiefsten Wald? Weit gefehlt. Der kleine Pilz steckt in einer Kiste einer angelegten Pilzzucht.

Pilze aus der Kiste sind nicht mit radioaktiver Strahlung belastet

Die Idee, Speisepilze zuhause in Kisten zu züchten, hatte Stefan Hawliks Onkel nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. "Die Leute hatten Angst vor verunreinigten Pilzen, beim Sammeln, aber auch beim Kaufen", erzählt Stefan Hawlik, Geschäftsführer des Unternehmens "Hawlik Pilzbrut" aus Langweid.

30 Tage lang reifen die Speisepilze in einer Kiste, bevor sie geerntet werden können.

Kurz nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl gelangte auch in Deutschland durch sauren Regen radioaktive Strahlung in den Boden, die die Pilze bis heute belasten. Laut dem Bundesamt für Strahlung ist bei Pilzen vor allem in Südbayern immer noch zu viel Cäsium feststellbar. Die Pilzzucht zuhause kann also Sicherheit beim Genuss von Pilzen gewährleisten.

"Es gibt verschiedene Pilze, bei denen das funktioniert", sagt Hawlik. Vor allem Pilze wie der Champignon oder der Kräuterseitling seien geeignet. Waldpilze wie der Steinpilz lassen sich Hawlik zufolge hingegen nur mit viel Glück zuhause anbauen, denn sie brauchen eine Symbiose mit Bäumen, um zu wachsen.

Pilzzucht zuhause geht auf Erde, Baumstamm oder Stroh

Foto: Stefan Hawlik

Wer Speisepilze zuhause ernten will, hat Hawlik zufolge drei Möglichkeiten: die Zucht drinnen in der Kiste auf Substrat und Erde, draußen auf Baumstämmen und Stroh oder im eigenen Garten mit vergrabenen Buchenspanblöcken. Grundlage der Pilzbrut ist immer ein darin eingepflanztes Myzel, also das Geflecht der Zellen des Pilzes, aus dem dann die Fruchtkörper wachsen, die wir "Pilze" nennen.

In sozialen Medien kursiert außerdem der Trend, Speisepilze auf altem Kaffeesatz anzubauen. Da ist Hawlik aber skeptisch: "Das mit dem Züchten auf Kaffeesatz ist so eine Sache, das funktioniert nur bei wenigen Pilzen." Zudem sei eine sehr saubere Arbeit nötig, "sonst breitet sich schnell Schimmel aus." Der Kaffeesatz sei "eine tolle Geschichte zum Experimentieren, aber nichts für den Anfänger, der sich noch nicht lange mit der Pilzzucht zuhause beschäftigt", meint Hawlik.

Anders sehe es beim Pilzanbau mit einer Fertigkultur auf Substrat und Erde aus. "Das Erfolgsgeheimnis ist, dass die Pilzzucht eigentlich kinderleicht ist." Durch eine Folie geschützt, die einer übergroßen Duschhaube ähnelt, bildet sich bei der Indoor-Variante ein kleines Gewächshaus und regelt das Wachstum.

Dennoch haben die Pilze verschiedene Ansprüche, die es zu beachten gilt. Champignons brauchen zwar etwa eine Temperatur um die 15 Grad, können aber auch im Keller stehen, weil sie kein Licht benötigen. Kräuterseitlinge wiederum mögen es mit zwischen 16 und 20 Grad schon etwas wärmer und benötigen mehr Licht.

Nach der Ernte dient die Do-it-yourself-Pilzzucht als Kompost

Bei der richtigen Pflege gibt es aus der Kiste nach drei bis sechs Wochen und aus dem Baumstamm nach vier bis sechs Monaten dann die erste Pilzernte. "Danach brauchen die Pilze eine Erholungspause", erklärt Hawlik. Bis zu fünf Mal könne man so bei der Fertigkultur aus Substrat Pilze ernten. Bei der Zucht auf Stroh, Holz oder im Garten gibt es Hawlik zufolge sogar mehrere Jahre lang Erträge. Dann habe das Myzel keine Nährstoffe mehr und sei ein Fall für den Kompost.

Was spricht für die Pilzbrut zuhause? "Wenn man die Pilze selbst züchtet, weiß man, wo sie herkommen", sagt Hawlik. Besonders für Familien sei das Projekt eine spannende Sache: "Kinder können den Fortschritt der kleinen Pilze täglich mitverfolgen." Der Geschmack unterscheide sich außerdem deutlich von Pilzen aus dem Supermarkt. Dass viele Menschen tatsächlich auf den Geschmack kommen und der Markt seine Nische zunehmend verlässt, beobachtet Hawlik vor allem seit dem Beginn der Corona-Pandemie. "Der Trend zur Pilzbrut zuhause hält an", sagt er, "die Leute befassen sich immer mehr mit Sachen, die man daheim machen kann."

Mehr hilfreiche Informationen finden Sie hier in unserem Ernährung-Ratgeber.

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