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Pilzvergiftungen
20.09.2019

Können Sie essbare von giftigen Pilzen unterscheiden?

Wiesenchampignons (links) sehen den hochgiftigen Knollenblätterpilzen (rechts) ähnlich. Deswegen kommt es auch immer wieder vor, dass sie verwechselt werden.
Foto: Imago Images; Bernd Wüstneck, dpa

Die Pilzsaison wird von vielen Vergiftungen überschattet. Was die Gründe dafür sind, welche Schwammerl sich ähneln und wie gefährlich eine Verwechslung ist.

Eigentlich sieht er ziemlich harmlos aus. Dieser unscheinbare, wenige Zentimeter große Pilz mit dem runden, seidig glänzenden Hütchen, der ein bisschen einem Wiesenchampignon ähnelt. Doch der Grüne Knollenblätterpilz, von dem hier die Rede ist und der immer wieder mit anderen Arten verwechselt wird, hat es in sich. Er ist hochgiftig – ein einziger Pilz kann einen Menschen töten.

In Bayern sind rund 100 Pilzarten bekannt, die gesundheitsschädlich sind. Bis zu acht Arten werden als tödlich eingestuft. Schon zu Beginn der Pilzsaison vor wenigen Wochen warnte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml vor den Gefahren: „Ich rate dringend davon ab, Pilze zu sammeln und zu essen, die man nicht genau kennt. Der Verzehr des falschen Pilzes kann zu lebensgefährlichen Vergiftungserscheinungen führen.“

Pilzvergiftung: Ein Fall von schwerem Leberversagen

Und derlei Vergiftungen sind in diesem Jahr häufig. Das Uniklinikum Regensburg vermeldet eine besorgniserregend hohe Zahl an Patienten, die sich mit Pilzen vergiftet haben. Das Krankenhaus spricht von einer „signifikant hohen Anzahl an Patienten mit Pilzvergiftungen“. Darunter auch ein Fall mit schwerem Leberversagen. Über die vergangenen Jahre habe es eine stetige Zunahme von Pilzvergiftungen gegeben, teilt das Klinikum mit. An der Augsburger Uniklinik indes ist die Situation eine andere. In der Zentralen Notaufnahme würden jedes Jahr etwa 25 Patienten mit Pilzvergiftungen behandelt. In diesem Rahmen würden sich auch die diesjährigen Zahlen bewegen.

Wer befürchtet, einen giftigen Pilz verspeist zu haben, der kann sich an den Giftnotruf in München wenden. In diesem Jahre gebe es sehr viele Anrufe von Menschen, die befürchten, sich vergiftet zu haben, sagt Dr. Florian Eyer, Leiter des Giftnotrufs und der Abteilung für Klinische Toxikologie am Klinikum rechts der Isar. Das liege auch daran, dass 2019 ein besseres Pilz-Jahr sei als etwa 2018. Wegen der Witterung gebe es heuer viele Pilze – und viele Menschen, die sich vergiften.

Die ersten Symptome einer Pilzvergiftung sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall – allerdings fühlen sich die Betroffenen oft erst mehrere Stunden nach dem Essen schlecht. „Bei einer Vergiftung mit Knollenblätterpilzen treten die Beschwerden nach vier bis sechs, manchmal erst nach acht Stunden auf“, erklärt Eyer. Das bedeute aber auch: Wer schon kurz nach dem Essen Durchfall oder Magenschmerzen bekommt, der könne etwas entspannter sein.

Magen-Darm-Probleme nach einer Pilzmahlzeit sind häufig

Dass man nach einer Pilzmahlzeit Magen-Darm-Probleme bekommt, sei gar nicht so selten, sagt der Mediziner. Denn auch ungiftige Pilze sind mitunter nicht gut verträglich. Damit sie besser verdaut werden können, sollten Pilze 20 Minuten lang durchgegart werden, rät der Experte. Wer tatsächlich einen hochgiftigen Pilz erwischt, muss im Krankenhaus behandelt werden – mit viel Flüssigkeit, der Zufuhr von Elektrolyten und einem Medikament, das die Aufnahme von gefährlichen Amatoxinen, die etwa im Grünen Knollenblätterpilz enthalten sind, hemmt. In Europa gehen übrigens die meisten Vergiftungen auf diesen Pilz zurück.

Warum kommt es immer wieder zu schweren Vergiftungen? Sind die Menschen so unvorsichtig? Wissen sie zu wenig über die Gefahren? Joachim Neubert, Pilzberater aus Sonthofen im Allgäu, meint: „Viele Menschen sind leichtsinnig. Sie vergessen, wie viele verschiedene Arten es gibt.“ Hinzu komme, dass einige mit einer App auf ihrem Smartphone versuchen, die unterschiedlichen Pilzarten zu bestimmen. „Das Internet ist sehr verführerisch. Aber es gibt den Menschen keine Sicherheit“, sagt Neubert.

Der 84-Jährige berät seit Jahrzehnten Pilzsammler, die oft mit einem Körbchen vor seiner Tür stehen und ihn bitten, das, was sie da gerade im Wald gesammelt haben, zu identifizieren. Für einen Laien sei das gar nicht so einfach, sagt Neubert. Die Gefahr, Pilze zu verwechseln, sei groß. Besonders oft werden Knollenblätterpilze für Champignons oder Täublinge gehalten. Außerdem passiert es immer wieder, dass der Gemeine Riesenschirmling mit einem Giftschirmling verwechselt wird. Der Steinpilz sieht außerdem dem Gallenröhrling ähnlich – der ist zwar nicht gefährlich, verdirbt aber jedes Gericht, weil er extrem bitter ist.

Bei Pfifferlingen ist man auf der sicheren Seite

Was also tun, wenn man sich nicht allzu gut mit Pilzen auskennt, aber dennoch im Unterholz auf Schwammerlsuche gehen möchte? Pilzberater Neubert zufolge ist man vor allem dann auf der sicheren Seite, wenn man Pfifferlinge sammelt. „Da kann nichts passieren. Es gibt keine Giftpilze, mit denen man sie verwechseln kann. Zumindest nicht in Bayern.“ Giftige Pilze gibt es übrigens nicht nur im Wald, sondern auch in Gärten und Blumentöpfen. Seit einigen Jahren nehme die Zahl der giftigen Pilze, die in Blumenerde wachsen, zu, teilt das bayerische Gesundheitsministerium mit. Experten glauben, dass das an extrem heißen Sommern liegt. Die Folge: Beim Münchner Giftnotruf gehen seit einigen Jahren vermehrt Anrufe besorgter Eltern ein, deren Kinder im Garten Pilze gegessen haben.

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