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Bad Grönenbach

15.08.2019

Polizei durchsucht im Allgäuer Tierskandal dritten Hof

Nun ist ein dritter Bauernhof im Allgäu von der Polizei durchsucht worden. Und wieder steht der Verdacht im Raum, dass es zu Verstößen gegen den Tierschutz gekommen ist.
Bild: Ralf Lienert

Wieder sind dutzende Polizisten im Allgäu im Einsatz. Gegen einen mutmaßlich Beschuldigten sei schon einmal ein Tierhalteverbot ausgesprochen worden.

Der Tierskandal im Allgäu zieht weiter Kreise: Am Mittwoch haben 60 Polizeibeamte einer Sonderkommission, Staatsanwälte und Veterinäre drei Ställe in einem Ortsteil von Bad Grönenbach (Unterallgäu) und im Gemeindegebiet von Dietmannsried (Oberallgäu) durchsucht. Zudem standen drei Wohnungen im Fokus der Ermittler. Die drei Hofstellen gehören dem Vernehmen nach zu einem größeren landwirtschaftlichen Betrieb mit knapp 400 Tieren. Ziel der Aktion sei es gewesen, Erkenntnisse über die Struktur, die Organisation und die Aufgabenverteilung in dem Unternehmen zu gewinnen.

An der dritten Durchsuchungsaktion dieser Art im Zuge des jüngsten Tierskandals waren wieder Amtstierärzte des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sowie Veterinäre aus dem Unter- und Oberallgäu beteiligt. Der Untersuchungsrichter am Memminger Amtsgericht hatte einen Durchsuchungsbeschluss erlassen.

Zuvor war die Staatsanwaltschaft nach Vorermittlungen zu dem Ergebnis gekommen, dass gegen Verantwortliche des Betriebs ein begründeter Anfangsverdacht wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz vorliegt. Drei Verantwortliche stehen im Mittelpunkt der Ermittlungen. Gegen einen mutmaßlich Beschuldigten sei in der Vergangenheit bereits einmal ein richterlich angeordnetes Tierhalteverbot im Zuge eines Strafverfahrens ausgesprochen worden, bestätigte eine Sprecherin des Unterallgäuer Landratsamtes Informationen unserer Zeitung. Dieses zeitlich befristete Verbot sei aber abgelaufen.

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Zudem soll der jetzt betroffene Betrieb 2018 aktenkundig geworden sein. Dort sollen zwei Personen Tiere geschächtet haben, war dem Unterallgäuer Veterinäramt mitgeteilt worden sei. Diesen Vorfall habe die Kreisverwaltungsbehörde damals an die Staatsanwaltschaft gemeldet, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes. Ins Rollen gekommen waren die jetzigen Ermittlungen durch einen anonymen Hinweis.

Bei einer Kontrolle der seit 2017 von dem Unterallgäuer Betrieb gepachteten Betriebsstelle im Gemeindegebiet von Dietmannsried durch Veterinäramt und LGL waren laut Landratsamt Oberallgäu am 7. August erhebliche Versäumnisse bei der Registrierung der Tiere festgestellt worden. Nach Schilderung von Sprecher Andreas Kaenders waren nur zehn der 90 vorgefundenen Rinder wie vorgeschrieben in einer Datenbank erfasst. Der Stall sei zudem überbelegt gewesen.

Ermittlungen gegen dritten Hof in Bad Grönenbach

Weil die Herkunft der übrigen 80 Tiere unklar gewesen sei, wurde dem Milchviehbetrieb verboten, Tiere abzutransportieren oder weitere aufzunehmen. Dieses Verbot, das nicht für Schlachttiere gelte, bestehe noch immer, obwohl inzwischen die Herkunft vieler Tiere geklärt sei. Die Milch habe die gesamte Zeit ohne Einschränkung abgeholt und verarbeitet werden dürfen.

Bei der Kontrolle in Dietmannsried wurden laut Sprecher zudem bei fünf Rindern Verletzungen oder Wunden festgestellt – in einem Fall sei es um innere Verletzungen gegangen, die den sofortigen Einsatz eines Tierarztes erfordert hätten.

In Summe werden bei der Memminger Staatsanwaltschaft jetzt drei Ermittlungskomplexe gegen größere landwirtschaftliche Betriebe mit Sitz in Bad Grönenbach bearbeitet. „Bisher gibt es keine weiteren, größeren Fälle“, sagte Sebastian Murer von der Ermittlungsbehörde in Memmingen. Bis die umfangrei-chen Fälle von Polizei und Ermittlungsbehörde abgearbeitet sind, werde es vermutlich mehrere Monate dauern.

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