1. Startseite
  2. Bayern
  3. "Pro Rauchfrei" zeigt Frau mit Zigaretten-Attrappe an

Ärger nach Fastnacht

05.02.2013

"Pro Rauchfrei" zeigt Frau mit Zigaretten-Attrappe an

BR
3 Bilder
Das ist die Szene, über die sich "Pro Rauchfrei" aufregt.
Bild: BR

Der Verein "Pro Rauchfrei" zeigte eine BR-Mitarbeiterin an, weil sie bei einer Faschingssendung angeblich eine Zigarette rauchte. Aber es war nur ein Scherzartikel.

Es klingt wie ein lustiger Faschingsscherz, doch der Verein "Pro Rauchfrei" nimmt ihn mehr als ernst. Bei der Übertragung der Fastnacht in Franken aus Veitshöchheim schwenkt eine Kamera passend zu einem Gag über Kettenraucher und Altbundeskanzler Helmut Schmidt auf eine blonde Zuschauerin. Sie ist als Hippie verkleidet und hält scheinbar eine Zigarette in der Hand. Ein Skandal für den Verein, der für die Hippie-Frau ein Nachspiel hat. Denn "Pro Rauchfrei" zeigte die unbekannte Dame an und rief sie im Internet zur Fahndung aus. 100 Euro werden als Belohnung ausgesetzt.

Zigarette war Zwei-Euro-Scherzartikel mit Glitzerpapier

Doch inzwischen ist klar, dass es sich bei der vermeintlichen Zigarette um einen Scherzartikel handelt. Und die Frau mit der Zigaretten-Attrappe warauch kein "normaler" Faschingsnarr. Es ist die Mitarbeiterin des Bayerischen Rundfunks (BR) Kathrin Degmair. Sie sagt: "Ich war als Hippie verkleidet in Veitshöchheim. Und da gehört zur detailgetreuen Kostümierung halt auch eine Zigarette." Sie habe sie noch einen Tag vorher in München in einem Scherzartikelladen für rund zwei Euro gekauft. Es sei eine schlichte Holzattrappe mit rotem Glitzerpapier und "eindeutig als Imitat erkennbar" gewesen. "Also viel Rauch um nichts", meint die BR-Mitarbeiterin.

So einfach ist das für "Pro Rauchfrei" nicht, wie Vorsitzender Siegfried Ermer erklärt: "Es geht nicht darum, ob es eine echte oder falsche Zigarette war." Schließlich würden Kinder nur die "hübsche Hippie-Frau mit Zigarette" sehen. Rauchen habe im Fernsehen nichts zu suchen, das gelte auch für Zigaretten-Attrappen, meint Ermer. "Auch Raucher, die aufhören wollen, bekommen so immer wieder falsche Signale vorgesetzt." Außerdem sei es Schleichwerbung für die Zigaretten-Industrie. Sein Verein werde nun vom BR ins Lächerliche gezogen."Aber das ist nicht lächerlich", betont Ermer.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Schließlich handle es sich bei einer Zigarette fast um eine Waffe, so der Vereinsvorsitzende. Deshalb sei auch die Anzeige völlig gerechtfertigt gewesen. "Wir konnten ja nicht ausschließen, dass es eine echte Zigarette gewesen sein könnte", sagt Ermer. Inzwischen habe man die Anzeige und den Fahndungsaufruf zurückgenommen.

Verein nimmt Anzeige und Fahndungsaufruf zurück

Das bestätigt auch der BR auf Anfrage: "Der Bayerische Rundfunk hat den Verein "Pro Rauchfrei" darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei der vermeintlichen Zigarette um eine sehr schlichte Holz-Attrappe aus einem Münchner Scherzartikelladen gehandelt hat", sagte ein BR-Sprecher. Sie sei Teil der Kostümierung im Look der 70er Jahre gewesen. Der Verein habe daraufhin seinen sogenannten "Fahndungsaufruf" im Internet depubliziert und auch die Anzeige gegen Unbekannt zurückgezogen.

BR-Mitarbeiterin soll selbst "Finderlohn" bekommen

Fraglich war noch, was mit der ausgelobten Belohnung passiert. BR-Mitarbeiterin Degmair ist sich sicher, wem sie rechtmäßig zusteht: "Wenn ich mich hier schon stelle, erwarte ich von Pro Rauchfrei natürlich auch die 100 Euro Belohnung, die sie in ihrem Fahndungsaufruf auf mich ausgesetzt haben…" Das sah der Verein zunächst anders, Degmair habe sich erst gemeldet, als dem Verein schon bekannt war, wer die Frau im Hippie-Kostüm war. "Sie wollte sich der Sache entziehen, als sich die Schlinge um sie immer weiter zuzog", sagt Ermer. Doch inzwischen schwenkte man um: "Wenn Sie die 100 Euro annimmt, dann kriegt Sie sie."

Deutschlands Faschingsnarren amüsieren sich

Doch nicht nur beim BR sorgte der Zigaretten-Eklat für Aufsehen, auch die Faschingsnarren amüsieren sich inzwischen über den Verein. Bernhard Schlereth, Präsident Fastnacht-Verband Franken, sagt: „Jetzt wird sogar über Schleichwerbung für die Tabakindustrie diskutiert. Das ist alles Unsinn." Sogar die Spitzenpolitiker ließen sich für die Veranstaltung die witzigsten Kostüme einfallen. "Wenn sich der Bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle als Koch verkleidet, glaubt doch auch niemand, dass da der Hotel- und Gaststättenverband dahinter steckt.“

Für Martin Rassau von der Comödie Fürth gehört die Zigarette eindeutig zur Hippie-Maskerade: "Kostüme sollen authentisch sein, ...der Koch hat ´nen Kochlöffel, der König das Zepter, und FlowerPower war eben die Zeit der Joints und Zigaretten." Das dürfe man nicht alles so ernst nehmen. "Obwohl? Ich habe schon überlegt, ob ich den Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich wegen unerlaubtem Waffenbesitz anzeigen soll. Der hatte als Robin Hood Pfeil und Bogen dabei", meint Rassau ironisch. Und der bayerische Innenminister Herrmann - der alte Sheriff - habe sogar einen Colt am Gürtel gehabt.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren