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Prozess in Memmingen
02.06.2015

Arzt der Uni Ulm soll Dopingmittel hergestellt und verkauft haben

Ein Arzt aus Neu-Ulm soll in großem Stil Dopingmittel hergestellt und verkauft haben. Nun steht er in Memmingen vor Gericht.
Foto: Patrick Lux, dpa/lno (Symbolbild)

Ein Arzt des Uniklinikums Ulm soll über Jahre hinweg Dopingmittel hergestellt und auch verkauft haben. Da sein illegales Geschäft aufflog, steht er nun vor Gericht.

Er hat selbst jahrelang Kraftsport betrieben und das nötige Fachwissen hatte er auch: Eins und eins zusammengezählt plus eine offenbar gehörige Portion kriminelle Energie ergibt einen Arzt am Uniklinikum Ulm, der über Jahre hinweg illegal Dopingmittel und Viagra in seiner Wohnung in Neu-Ulm selbst hergestellt haben soll – das jedenfalls wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Außerdem soll er die Mittel anschließend über einen Hauptabnehmer in Verkehr gebracht haben. Gestern startete der Prozess am Landgericht Memmingen.

Seit zehn Monaten sitzt der Mediziner, der gestern am ersten Verhandlungstag keine Angaben zu den Vorwürfen machen wollte, in Untersuchungshaft. Seine Anstellung als Arzt am Uniklinikum und sein Fachwissen im Bereich Sport habe er laut Staatsanwaltschaft ab dem Frühjahr 2012 für seine unsauberen Geschäfte genutzt: Er bestellte die nötigen Substanzen für fast 4000 Euro offenbar problemlos in China und ließ sich die Sachen direkt ans Klinikum schicken – jedoch unter falscher Deklarierung, um so die Ermittlungen durch den Zoll zu vermeiden. Die Unkosten soll er gestaffelt per Western Union überwiesen haben – so die Staatsanwältin.

Steroide und Viagra im Heimlabor hergestellt?

Weiter wird dem 39-jährigen Arzt vorgeworfen, im Frühjahr 2012 damit begonnen zu haben, Anabole Steroide und Viagra in einer Art Heimlabor hergestellt zu haben – das eine zur Steigerung des Muskel- und Kraftaufbaus, das andere, um unerwünschte Nebenwirkungen zu verringern. Beides soll der Arzt zu Hause abgefüllt haben und mit zwei verschiedenen Labels etikettiert haben.

Der 39-Jährige soll dann einem Patienten bei einer Behandlung in der Uniklinik Ulm eine Ampulle mit Aufputschmittel angeboten haben – nicht nur zu dessen eigenem Gebrauch, sondern um die Substanzen an andere Kraftsportler weiterzugeben. Der „Patient“ witterte offenbar ein Geschäft mit den Dopingmitteln und ließ sich auf den Vorschlag des Sportarztes ein. Es sei zu mehreren Treffen an verschiedenen Orten Neu-Ulms gekommen.

Etwa zwei Jahre lang ging das so. Seit gestern muss sich der Mann nun konkret wegen vorsätzlichen, unerlaubten, gewerbsmäßigen Inverkehrbringen von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport verantworten. Die Beweislage scheint der Anklage nach erdrückend: Denn nachdem die Polizei im August 2014 auf den Fall aufmerksam geworden ist, ist die Neu-Ulmer Wohnung des Arztes durchsucht worden. Dort fanden die Beamten beispielsweise eine Feinwaage, mehrere Ampullen, Etiketten und ein Etikettiergerät.

Der angeklagte Arzt der Uni Ulm schweigt

Zu den Vorwürfen wollte der Angeklagte gestern keine Angaben machen, dazu hat er allerdings noch ein paar mal die Möglichkeit, denn der Prozess wird fortgesetzt.

Bis dann ein Urteil fällt, muss der Angeklagte weiterhin in Untersuchungshaft bleiben. Einem Antrag seines Verteidigers auf Aufhebung des Haftbefehls wurde nicht stattgegeben.

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