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Rechtsextremismus
01.12.2013

Rechtsextreme wollen neue Anhänger durch Thema Tierschutz ködern

Springerstiefel eines Teilnehmers an einer rechten Demonstration.
Foto: Foto: Matthias Hiekel/Archiv dpa

Polizei und Verfassungsschützer schlagen Alarm: Immer öfter wird Natur- und Tierschutz zu einem Propagandathema rechtsextremer Parteien und Gruppierungen.

Der Natur- und Tierschutz wird nach Beobachtungen von Polizei und Verfassungsschützern zunehmend zu einem Propagandathema rechtsextremer Parteien und Gruppierungen. So protestierten beispielsweise Ende Oktober dieses Jahres in Mauerstetten bei Kaufbeuren vor einem dort gastierenden Zirkus einige Demonstranten gegen die Wildtierhaltung in Zirkussen.

Kundgebung bei Kaufbeuren eskalierte

Die Kundgebung eskalierte und im Laufe der Veranstaltung gingen mehrere Zirkusleute auf die Demonstranten los, schlugen sogar mit einer Schaufel auf sie ein. Ein Kundgebungsteilnehmer erlitt Verletzungen, die Polizei ermittelt gegen die Zirkusleute wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Wie die Polizei inzwischen herausfand, handelt es sich bei den Demonstranten um Angehörige rechtsgerichteter Organisationen.

Der Tierschutz werde zunehmend zum „Deckmantel für Naziideologien“ heißt es bei der Initiative „Netz gegen Nazis“. In Mauerstetten seien erstmals im Allgäu Angehörige rechter Gruppierungen im Namen des Tierschutzes an die Öffentlichkeit gegangen, sagt der amtierende Kemptener Kripochef Andreas Erb: „Für uns im Allgäu ist das neu.“

Poteste gab es auch in anderen Teilen Bayerns

In anderen Teilen Bayerns hatten zuvor ebenfalls rechte Gruppierungen gegen die Tierhaltung im selben Zirkus demonstriert, so in Simbach am Inn (Niederbayern) und im oberbayerischen Freilassing.

Die Rechtsextremen, wie beispielsweise die NPD, haben nicht nur den Tierschutz, sondern auch die Themenfelder Naturschutz und Verzicht auf die Gentechnik in der Landwirtschaft für ihre Zwecke entdeckt. Über solche Themen wolle man wohl ebenfalls neue Anhänger für sich gewinnen, glaubt Erb. Die NPD beispielsweise nutzt nach Erkenntnissen der Polizei die steigende Popularität der Themenfelder Naturschutz, Tierschutz und gesunde Lebensmittel gezielt aus. „Gentechnik – Nein Danke“ lautetet beispielsweise ein Slogan der NPD bei früheren Wahlen.

Laut „Netz gegen Nazis.de“ nutzen Neonazis das Thema Tierschutz aber auch geschickt, „um auf antidemokratische und rassenbiologische Positionen überzuleiten. Zur Erinnerung: Das erste „Reichstierschutzgesetz“ in Deutschland verabschiedeten die Nationalsozialisten bereits 1933. Am 21. April 1933 wurde das Schächten, die unter anderem bei Juden und Muslimen gängige Schlachtart, vom Reichstag unter Strafe gestellt. So instrumentalisierten die Nazis das populäre Thema Tierschutz, um Juden zu diskriminieren.

Rechte Szene im Allgäu ist überschaubar

Während Rechtsextreme in der Region vor etwa 15 Jahren wiederholt für Schlagzeilen gesorgt hatten, ist es laut Erb jetzt „Gott sei Dank ruhiger geworden“. Er wertet dies insbesondere auch als Erfolg der Polizeiarbeit in den vergangenen Jahren. Das Konzept nach dem Motto „Null Toleranz“ habe sich gelohnt. Beispielsweise sei man kompromisslos gegen Konzerte mit rechtsextremen Liedern vorgegangen.

Vor Jahren galt beispielsweise noch das Dreiländereck Deutschland/Österreich/Schweiz in rechtsextremen Kreisen als beliebter Veranstaltungsort, beispielsweise für Skinhead-Konzerte.

Größte rechte Gruppierung in der Region ist nach Polizeiangaben die Neonazi-Kameradschaft „Voice of Anger“ (übersetzt: „Stimme des Zorns“), die vor allem im Raum Memmingen run 80 bis 100 Mitglieder und nochmals so viele Sympathisanten zählt.

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