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16.04.2012

Retortenbaby feiert 30. Geburtstag: Einst Durchbruch, jetzt Routine

Das Retortenbaby wird 30: Die Geburt des ersten Retortenbabys in Deutschland bedeutete nach jahrzehntelanger Forschung einen Durchbruch.
Foto: dpa

Das Retortenbaby wird 30: Die Geburt des ersten Retortenbabys in Deutschland bedeutete nach jahrzehntelanger Forschung einen Durchbruch.

Das Retortenbaby wird 30: Nach jahrzehntelanger Forschung war diese Geburt der Durchbruch und ein Hoffnungsschimmer für viele ungewollt kinderlose Frauen: Am 16. April 1982 hatte in der Erlanger Frauenklinik das erste deutsche Retortenbaby das Licht der Welt erblickt. Es war mit einem Kaiserschnitt  zur Welt gebracht worden und hatte 4150 Gramm gewogen.

Retortenbaby: Forschung stieß auf Widerstände

Erstmals war auch deutschen Medizinern eine künstliche Befruchtung außerhalb des Mutterleibs gelungen. An diesem Montag feiert Oliver bereits seinen 30. Geburtstag. Der inzwischen verstorbene frühere Leiter des Forschungsteams, Professor Siegfried Trotnow, war mit seiner Forschung damals selbst in Fachkreisen auf Widerstand gestoßen.

Erstes Retortenbaby kam aus England

Schon bei der Geburt des weltweit ersten Retortenbabys Louise Brown  in England hatte eine lebhafte Debatte über die ethische Vertretbarkeit der künstlichen Befruchtung eingesetzt. Zugleich sah sich Trotnow nach Olivers Geburt plötzlich einem gewaltigen Medienrummel ausgesetzt.

"Reporter hatten tagelang die Klinik belagert. Viele Journalisten hätten versucht, in die Geburtshilfestation zu kommen. Manche versuchten das Personal zu bestechen", erinnerte sich der Reproduktionsmediziner später.

Längst Routine gewordene In-Vitro-Fertilisation

Für den heutigen Direktor der Erlanger Frauenklinik, Professor Matthias Beckmann, ist das Thema Geschichte. Die In-Vitro-Fertilisation - wie die künstliche Befruchtung im Fachjargon heißt - sei nach 30 Jahren längst Routine. Mit 200 künstlichen Befruchtungen dieser Art spiele sie an der Erlanger Klinik keine große Rolle mehr. 

Inzwischen ist die Entwicklung von Verfahren weit fortgeschritten, die auch krebskranken Frauen nach ihrer Genesung Mutterglück ermöglichen sollen. Auch in den zurückliegenden Jahren hat der in einem kleinen oberfränkischen Dorf lebende Mann jeden Medienkontakt strikt abgelehnt, so dass wenig über ihn an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Wenn man in seinem Ort nach dem "ersten deutschen Retortenbaby" fragt, weiß aber fast jeder der knapp 3000 Einwohner, wer gemeint ist.

Retortenbaby Oliver: Keine Dorffeste

Aber von wegen Baby: "Oliver? Das ist inzwischen ein Trumm von Mann", heißt es in der kleinen Ortschaft. Am Dorfleben, so heißt es, nehme er allerdings kaum Teil. Er lebe eher zurückgezogen. Auf Dorffesten sehe man ihn kaum. (dpa, AZ)

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