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Bahn

23.07.2015

Ringen um die ICE-Strecke Augsburg–Neu-Ulm

Von Schnellbahn-Strecke keine Spur: Auf der ICE-Verbindung zwischen Augsburg und Neu-Ulm müssen die Züge immer wieder heruntergebremst werden.
Bild: Marcus Merk

Jahrelang ging auf der ICE-Strecke Augsburg–Neu-Ulm nichts voran. Jetzt steht der Ausbau wieder einmal zur Debatte. Warum sich die Pläne erneut verzögern könnten.

Als die Bahn im vergangenen Jahr die „Variante Burgau“ – eine 35 Kilometer lange ICE-Schnellbahn-Trasse zwischen Augsburg und Burgau – für die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan vorschlug, war in den Reihen der Politik von einem „klaren Signal“ die Rede. Inzwischen sind die Reaktionen deutlich verhaltener. Mehr noch: Es gibt sogar erheblichen Widerstand gegen einen Neubau.

Klar favorisiert wird dagegen der Ausbau der bestehenden Verbindung zwischen Augsburg und Neu-Ulm sowie der Bau eines dritten Gleises von Augsburg nach Dinkelscherben, um den Nahverkehr auf der ICE-Strecke nicht länger auszubremsen. In diesem Zusammenhang – und das ist der besondere Charme für die örtliche Politik – könnten mit Mitteln von Bahn und Bund auch Bahnhöfe erneuert und Lärmschutzwände hochgezogen werden.

Pläne für Ausbau der ICE-Strecke liegen seit 2008 auf Eis

Die Pläne für den weiteren Ausbau der Bahnstrecke Augsburg–Neu-Ulm liegen seit 2008 auf Eis. Bisher ist lediglich auf dem Abschnitt zwischen Augsburg und Dinkelscherben Tempo 200 möglich, ansonsten müssen die Züge auf maximal 120 Stundenkilometer heruntergebremst werden. Damit kommt es auf der transeuropäischen Magistrale Paris–München–Wien–Budapest in Bayerisch Schwaben zu einem Flaschenhals.

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Zunächst hielten Bahn und Bund den Weiterbau der Schnellstrecke bis Neu-Ulm für nicht mehr „vorrangig“, dann zog auch das Land Bayern seine Zusage zurück, Geld für die Maßnahme vorzustrecken. Aus dem Großprojekt, der Region immer wieder als Ausgleich für die Abkopplung von der ICE-Neubaustrecke München–Ingolstadt–Nürnberg versprochen, wurde nichts.

Nun soll es in den Bundesverkehrswegeplan, dessen Entwurf im Herbst vorgelegt wird. Welche Trassenführung, das ist jedoch offen. Die IHK Schwaben schlägt vor, sämtliche Varianten von einem Gutachter prüfen zu lassen. Die vom Bund vorgeschlagene Lösung werde die IHK nach Kräften unterstützen, heißt es in einem Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. IHK-Präsident Andreas Kopton und Hauptgeschäftsführer Peter Saalfrank sprechen sich in dem Schreiben allerdings klar gegen eine „politische Vorfestlegung“ aus.

"Alles dafür tun, dass Strecke Augsburg-Neu-Ulm in vorrangigen Bedarf kommt"

Von einer neuen Trassendiskussion hält die Politik indes nichts. „Wenn wir zweigleisig fahren, rollt der Zug ohne uns ab“, befürchtet der Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz (CSU). Schwabens CSU-Chef Markus Ferber betont, „wir sollten im Interesse der Region das tun, was machbar und finanzierbar ist“. Dies sei nun einmal der Ausbau der bestehenden Verbindung. Augsburgs CSU-Vorsitzender Johannes Hintersberger fragt, welche Qualität der Vorschlag der Bahn für die „Variante Burgau“ wirklich hat. „Wir müssen alles dafür tun, mit Augsburg–Neu-Ulm in den vorrangigen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans zu kommen und dürfen uns nicht selbst wieder rauskegeln.“

Die deutschlandweite Konkurrenz sei jedoch „extrem groß“, sagt der Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange. Außerdem habe er das Gefühl, dass der Bahnausbau in Schwaben aus bayerischer Sicht nicht die höchste Priorität genieße. So seien die Haushaltsmittel für die Vorplanung der europäischen Magistrale nicht in die Strecke Augsburg–Neu-Ulm, sondern Regensburg–Furth im Wald an der Grenze zu Tschechien geflossen. „Darüber bin ich maßlos enttäuscht“, sagt Durz. „Wir haben damit viel Zeit verloren.“

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