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Rockavaria 2015

31.05.2015

Rockavaria-Debüt gelungen, aber: Hat diese Rockwelt wirklich Zukunft?

Schminke rein, Zunge raus: Die US-Band Kiss bot in München die gleiche Show wie seit Jahrzehnten – und begeisterte.
Bild: Sven Hoppe, dpa

Das Debüt des "Rockavaria"-Festivals in München ist gelungen. Dank einer Mischung aus Nostalgie-Party und Wellness-Wochenende. Doch: Wie viel Zukunft hat die Vergangenheit?

Es ist Samstagnachmittag im Münchner Olympiapark, der zweite Tag des neuen Rockfestivals „Rockavaria“ – und noch ist die große Zündung ausgeblieben. Auf 45000 hatte der Veranstalter zuletzt seine Erwartung an Besuchern pro Tag beziffert; bei 68.000 möglichen. Ob das ausreicht, damit dieses Festival eine Zukunft hat? Das hängt auch davon ab, wie die Partnerveranstaltungen laufen, „Rock im Revier“ in Gelsenkirchen und nächste Woche „Rock in Vienna“ in Wien.

Rockavaria 2015: Nicht mal 45.000 bei Muse

Am ersten Abend mit der Hauptattraktion Muse waren es zudem nicht einmal die 45.000 geworden. Der Zuschauerraum im Olympiastadion war zur Hälfte leer geblieben. Nur bei den alten Metal-Helden von Paradise Lost war es schon am frühen Abend mal richtig voll geworden – in der Olympiahalle. Und dort bolzen nun gerade Dr. Living Dead knallharten Rock in Zombiemasken, eine Show der lebenden Toten. Wer hinaustritt in den Olympiapark, ist fast geblendet von all der Gediegenheit. Zwar füllt sich nun, am zweiten Tag, das Gelände besser, und es sind finstere Gestalten darunter, in schwarzem Leder, flächendeckend tätowiert, wilde Mähnen – aber die deutliche Mehrzahl ist doch in gereifterem Alter, sodass statt Exzentrik und Euphorie hier Entspanntheit herrscht.

Und dann ist da ja vor allem dieser Park mit seinen auch in diesen Festivaltagen makellos gebliebenen Wiesen, dem pittoresken Olympiasee, auf dem unentwegt Bötchen kreisen. Und über all dem scheint auch noch fast das ganze Wochenende hindurch die Sonne. Es ist mehr Flanieren durch einen Schloss- samt Biergarten als das sonst übliche Geschiebe durch ein alle Sinne überflutendes Treiben auf dem Festivalgelände. Auch die Werbe-Kanonaden und Nippesstände fehlen. Und wer aufs Klo muss, braucht sich nicht vor Chemietoiletten zu gruseln – hier gibt es normale Örtchen in den vorhandenen Anlagen. Etwa im Schloss dieses Gartens. Und das ist um vier Uhr Nachmittag zum ersten Mal richtig gut gefüllt. Accept spielen im Olympiastadion, einst deutsche Weltmarke in der Metal-Branche und nach der dritten Neugründung wieder eine Nummer.

Rockavaria-Debüt gelungen, aber: Hat diese Rockwelt wirklich Zukunft?
48 Bilder
Rockavaria in München - Bilder vom Rockfestival
Bild: Wolfgang Schütz, Sven Hoppe/dpa

Als die Herren um deren heutigen Sänger Mark Tornillo alte Hits wie „Balls to the Wall“ anstimmen, ist längst mehr los als zur besten Zeit am Abend zuvor. Und als später dann die ebenso betagten britischen Kollegen von Judas Priest folgen, bebt die Arena vor nostalgischer Seligkeit. Fast müßig zu erwähnen, wie der Höhepunkt des Samstags verläuft, der Auftritt der Rocklegenden von Kiss: Das Stadion ist voll, die Ovationen für das seit Jahrzehnten Gewohnte sind wie der Abschluss der immer gleichen Show – ein Feuerwerk. Ja, hier hat, hier ist die Vergangenheit Gegenwart. Auch mit Metallica zum Abschluss am Sonntag. Aber diese der Zeit enthobene Weltstarmarke triumphiert noch auf jedem Rockfestival. Bis James Hetfield und Co. vielleicht bei allen einmal zu oft gespielt haben werden. Solange könnte auch „Rockavaria“ mit ihnen reichlich Tagesbesucher locken. Aber viele von diesem Format gibt es eben nicht.

Hat das Rockavaria Zukunft? Wer soll da noch kommen?

Bleibt also die Vergangenheit als Konzept eines Festivals? Als Gegenwartsmodell funktioniert das derzeit in den USA, wo es bis in Sparten wie Glamrock als große Wiederbelebung zelebriert wird, bis nach Balingen zu „Bang Your Head“, wo auch Bands wie Whitesnake spielen. Und die Festivals finden in einer gereiften und junggebliebenen, zahlungskräftigen Fangeneration ja eine breite Zielgruppe.

Aber hat das Zukunft? In der Größe von Rockavaria? Wohl nicht ohne den Eindruck, hier spielten unentwegt die wirklichen Dr. Living Dead. Aber vor allem muss es sich ja rechnen. Wenn es mit so viel Prominenz schon knapp wird – wer soll da noch kommen? Iron Maiden haben sich zuletzt bei „Rock im Park“ ja schon für unbestimmte Zeit verabschiedet. Und die Rolling Stones bleiben unbezahlbar. Nächstes Jahr also: Fortsetzung mit den Scorpions oder Black Sabbath? Und immer wieder Kiss? Nun ja, für diesmal immerhin war’s schon schön.

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