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"Rosenheim-Cop"
23.10.2018

Joseph Hanneschläger: "Den Bilderbuch-Bayern spiele ich nur"

Die Rosenheim-Cops tragen keine Waffen. Und trotzdem löst Joseph Hannesschläger als Kommissar Korbinian Hofer jeden Fall. Gerade starteten 25 neue Folgen der Dauerfernsehserie.
Foto: Tobias Hase, dpa

Joseph Hannesschläger ist der gemütlichere der beiden "Rosenheim-Cops", der Kommissar Korbinian Hofer. Wie der gelernte Koch zur Schauspielerei kam.

Es gibt inzwischen mehr als 400 Folgen der Rosenheim-Cops und drei Fernsehfilme. Und gerade sind wieder 25 neue Folgen gestartet. Was macht denn den Erfolg dieser Serie aus?

Joseph Hannesschläger: Ursprünglich war die Serie sehr auf die beiden Kommissare fokussiert. Ich denke, der Korbinian, den ich spiele, ist eine gute Identifikationsfigur für die Zuschauer. Er hat viele Schwächen, die er mit dem Zuschauer teilt.

Was denn?

Hannesschläger: Nun, er hat Gewichtsprobleme, Geldprobleme, der Vorgesetzte nervt, ebenso die Kollegen, die Schwester, und er ist etwas gestresst von der Doppelbelastung Arbeit am Hof und der Aufgabe, den Fall zu lösen. Das kennen die Zuschauer auch, dass das tägliche Leben viel von einem fordert. Aber irgendwie löst der Korbinian seine Fälle doch immer wieder und steht am Ende als Sieger da. So gibt er dem Zuschauer Hoffnung, dass er sein eigenes Leben genauso meistern wird.

Die Rosenheim-Cops tragen keine Waffen, also wird auch nicht geschossen. Würden Sie gerne mal ein bisschen mehr Blut fließen sehen?

Hannesschläger: Nein, überhaupt nicht. Das wäre völlig unnötig. Der Zuschauer sieht genug Tatort-Dramen und sonstige Blutgeschichten. Zu unserer Sendezeit kommen die Leute von der Arbeit heim und sehen uns oft nebenbei zum Abendessen. Da ist leichte Unterhaltung besser verdaulich.

Sie sagten mal, ich glaube, meine Statur ist für die Rolle als Rosenheim-Cop ein klarer Vorteil. Warum denn?

Hannesschläger: Das habe ich schon angerissen. Der Korbinian ist noch dicker als die meisten Fernsehzuschauer, seine Gewichtsprobleme teilen aber viele.

Was halten Sie denn von aktuellen Trends wie Selbstoptimierung?

Hannesschläger: Was ist denn das? (lacht) Im Ernst, was meinen Sie damit genau?

Na ja, immer schlanker, immer besser, immer weiter, immer gesünder.

Hannesschläger: Klar, aber das ist nicht nur Lifestyle, das zieht sich auch in der Produktions- und Arbeitswelt durch, wo alles immer billiger, aber mindestens genauso toll sein muss. Immer mehr in kürzerer Zeit. Das ist leider ein allgemeiner Trend, der mir nicht gefällt und der wohl keinem gefällt. Aber es ist schwierig, dagegen zu wirken.

Sind Sie ein politischer Mensch?

Hannesschläger: In gewissem Maß schon. Ich laufe nicht bei jeder Demo mit und weiß auch nicht, ob ich von allem eine Ahnung habe. Aber ich rege mich schon über gewisse politische Entwicklungen auf.

Was nervt Sie am meisten?

Hannesschläger: Das alte Problem der Menschheit – die allumfassende Dummheit.

Geht das etwas konkreter?

Hannesschläger: Es ist faszinierend zu sehen, wie sehr die Leute auf den Populismus reinfallen. Ob das Trump in Amerika ist oder in England mit Nigel Farage und dem Brexit. Die belügen die Leute und alle fallen darauf rein. In Deutschland haben wir mit der AfD ein ähnliches Phänomen. Sie erzeugen und schüren Ängste und erschaffen einen Sündenbock. Das erinnert mich an finsterste Zeiten in Deutschland. Damals waren die Juden an allem schuld, heute sollen es die Flüchtlinge sein. Für die eigentlichen Probleme in Deutschland haben sie aber auch keine Lösungen.

Wo sind Sie politisch zu verorten?

Hannesschläger: Man mag von den Linken halten, was man will. Aber was Frau Wagenknecht sozialpolitisch sagt, halte ich großteils für richtig. Darum gefällt mir auch ihre Idee einer parteiübergreifenden Sammlungsbewegung, die für soziale Gerechtigkeit kämpft.

Sie wirken auf den Zuschauer nicht wie ein linker Intellektueller, sondern eher wie ein Bilderbuch-Bayer.

Hannesschläger: Ich bin auch kein linker Intellektueller. Ich sehe nur die Missstände im Land und höre mir an, was die Politiker dazu sagen. Dass ich einige Aussagen von Frau Wagenknecht für sinnvoll halte, hat nichts mit meiner politischen Ausrichtung zu tun. Ich bin ein ganz normaler Münchner Bürger, den Bilderbuch-Bayern spiele ich in den Rosenheim-Cops.

Ist der gemütliche Rosenheim-Cop, Kriminalhauptkommissar Korbinian Hofer, Ihre Lebensrolle?

Hannesschläger: Schaut ganz so aus. Damit habe ich am meisten Erfolg und sie beschert mir ein erträgliches Auskommen. Für mich gibt es allerdings auch im Theater einige Rollen, die mir wichtig sind.

Sie sind ein echter Münchner. Wollten Sie nie woanders leben?

Hannesschläger: Ich fühle mich mehr als Münchner denn als Paradebayer. Aber auch in Berlin und in London bin ich sehr zu Hause.

Sie müssen in der Serie auch mal Kühe melken. Die Leute am Set sollen gestaunt haben, dass Sie das selbst können...

Hannesschläger: Ja, das habe ich als Bub im Zillertal gelernt. In meiner Kindheit haben wir dort oft Urlaub auf einer Almhütte gemacht und oft auch die Wochenenden dort verbracht. Nebenan waren bewirtschaftete Almen, da habe ich gerne mitgeholfen und hüten und melken gelernt. Später hat auch der Bauer bei den ersten Dreharbeiten im Stall gestaunt.

Nach einer Ausbildung zum Koch machten Sie seine Schauspielausbildung. Wie kam das zustande?

Hannesschläger: Nun, ursprünglich war ich in der Schule recht gut, Klassenbester am Gymnasium. Da dachte ich, vielleicht werde ich mal Paläontologe oder Biologe oder Historiker. Mit zunehmendem Teenager-Alter trat die Schule dann aber in den Hintergrund, alles andere wurde wichtiger. Neben dem altersüblichen Blödsinn auch Literatur, Theater und die Kunst an sich.

Und wie kam’s dann zum Schauspiel?

Hannesschläger: Als ich einmal bei einem Schultheaterstück mitmachte, sagte meine Deutschlehrerin begeistert: Sie müssen Schauspieler werden! Da hatte mich aber das Schauspiel-Fieber eh schon gepackt. Aber als Sohn einer Beamtenfamilie war das weit weg für mich. Meine Eltern rieten mir, ich solle einen sicheren Beruf erlernen. Und so habe ich eine Kochlehre gemacht, die ich nicht missen möchte, weil ich da über das Kochen hinaus Wichtiges gelernt habe: Disziplin, Organisation, schnelles Arbeiten und Bewegungsoptimierung.

Sie sind auch ein leidenschaftlicher Musiker. Komponieren und texten Sie?

Hannesschläger: Ja klar. Ich habe vor sieben Jahren sogar mal ein Album produziert, das hieß: „München im Sommer“. Und ich habe erst diesen Sommer wieder zu komponieren begonnen. Anlässlich meiner Hochzeit habe ich meiner Frau ein Liebeslied geschrieben.

Zur Person: Joseph Hannesschläger, 56, ist ein Münchner Schauspieler, der in über 40 Serien und Fernsehfilmen mitgespielt hat.

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