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Porträt

15.02.2018

Rudolf Cermak besitzt all unsere Zeitungskarikaturen der letzten 28 Jahre

Seit 28 Jahren sammelt Rudolf Cermak Karikaturen aus unserer Zeitung.
Bild: Madeleine Schuster

Seit 28 Jahren sammelt Rudolf Cermak aus Bellenberg die humorvollen Zeichnungen aus unserer Zeitung. Bis heute fehlt ihm kein einziges Bild. Wie er zu seinem Hobby kam.

Rudolf Cermak bringt das Dilemma gleich auf den Punkt: „Früher“, sagt er, „da waren die Karikaturen in Ihrer Zeitung viel kleiner.“ Was den gewöhnlichen Zeitungsleser kaum stören dürfte, ist für den 83-Jährigen in der Tat ein Problem. Denn Cermak schneidet die Karikaturen aus, klebt sie auf ein Blatt Papier und heftet sie in Ordnern ab. Und das seit 28 Jahren. Der Pensionär aus Bellenberg im Landkreis Neu-Ulm erkennt den Strich eines jeden Karikaturisten – ob Sakurai, Haitzinger oder Tomicek. Ihm fällt auf, wenn Zeichnungen versehentlich falsch beschriftet wurden. Und er weiß nur zu gut, was es bedeuten kann, wenn Karikaturen plötzlich größer abgedruckt werden. „Meine Ordner werden immer dicker“, sagt Cermak und lacht.

Horst Haitzinger brachte ihn auf sein Hobby

Im Keller seines Wohnhauses hat sich der Bellenberger einen Hobbyraum eingerichtet. Seine Sammelleidenschaft füllt dort mittlerweile ein ganzes Regal. „Ich besitze alle Karikaturen, die die Augsburger Allgemeine in den vergangenen 28 Jahren veröffentlicht hat“, sagt Cermak stolz. In Ordnern sind sie fein säuberlich sortiert. Jahr für Jahr, Zeichnung für Zeichnung. Dazu führt der Rentner penibel Strichlisten – sie zeigen, wie oft es ein bestimmter Karikaturist im Laufe eines Jahres in die Zeitung geschafft hat. Allen voran: Horst Haitzinger.

Der in München lebende Künstler war es auch, der Cermak überhaupt auf sein ungewöhnliches Hobby gebracht hat. „Ich war schon immer Fan von seinen Zeichnungen“, schwärmt der 83-Jährige und holt seine erste Sammlung Haitzinger-Karikaturen aus dem Regal. Anfangs habe er die Zeichnungen noch gekauft. „Bis mir eingefallen ist, dass in meiner Zeitung ohnehin jeden Tag eine Karikatur abgedruckt ist.“ Im Jahr 1990 legte er seinen ersten Ordner an. Seitdem ist seine Sammlung auf rund 10.000 Werke verschiedenster Karikaturisten angewachsen.

Die Sammlung ähnelt einem Geschichtsbuch

Es sind die überspitzten Darstellungen und oftmals tiefergehenden Aussagen, die den politikinteressierten Cermak an den Zeichnungen faszinieren. „Mit Witzbildchen, wie es manche abtun, hat das überhaupt nichts zu tun.“ Aber, betont er, man müsse die Bilder natürlich auch lesen und verstehen können. Bewegt ihn ein Thema besonders, notiert Cermak selbst ein paar Gedanken dazu. Zu manchen Zeichnungen klebt der Rentner außerdem den passenden Artikel oder dessen Überschrift. Auf diese Weise könne er ein Stück Zeitgeschichte festhalten, sagt er. Wer sich durch die Aktenordner im Keller des Bellenbergers blättert, erlebt das Weltgeschehen der vergangenen Jahrzehnte im Zeitraffer. Er sieht Zeichnungen eines birnenförmigen Helmut Kohl oder eines spitznasigen Oskar Lafontaine, sieht die Briten Ja zum „Brexit“ sagen oder die Freiheitsstatue nach der Wahl Donald Trumps bitterlich weinen. „Man erinnert sich an viele Dinge.“ Jeder Aktenordner sei eine Art Geschichtsbuch.

Das Karikaturen mehr sind als nur Witzbildchen, zeigt auch das künstlerische Vermächtnis von Horst Haitzinger, der hier vor einem seiner Ölgemälde steht.
Bild: Melanie Lippl (Archiv)

An Haitzinger schätzt er seinen Strich und Weitblick

Stolz ist Cermak aber vor allem auf seine große Haitzinger-Sammlung. 7175 Karikaturen waren es bis Ende 2017. „Mir gefällt sein Strich. Außerdem hat er einen unglaublichen Weitblick.“ Cermak erinnert sich an eine Karikatur aus den 80er Jahren, die schon damals die Überalterung der deutschen Gesellschaft skizzierte. Sie zeige ein Baby, auf dessen Schultern das Gewicht vieler Menschen lastet. „Rente 2000“ lautete der Titel, erinnert sich Cermak. „Haitzinger kann für mich die Ereignisse am treffendsten darstellen.“

Zweimal habe er seinen Lieblingskarikaturisten schon persönlich getroffen. Eine Kopie der 5000. Zeichnung in seiner Sammlung schickte er außerdem per Brief an den Künstler – und erhielt zu seiner Überraschung nach 14 Tagen Antwort. „Er schickte mir eine Kopie seines Arbeitsblatts, auf dem er genau diese Karikatur gezeichnet hatte.“ Ein Werk, das für den Pensionär bis heute besonders wertvoll ist.

"Ich mache das, weil es mir Spaß macht"

Der Gedanke, dass seine Sammlung einmal einen besonderen Wert haben könnte, stehe für ihn nicht im Vordergrund. „Ich mache das, weil es mir Spaß macht.“ Auch die Druckerei der Augsburger Allgemeinen hat sich der, wie er sagt, „nach allen Seiten offene“ Bellenberger bereits angeschaut. Und, ganz nebenbei, sein Dilemma mit den immer größer werdenden Karikaturen geschildert. „Gebracht“, witzelt er, „hat es wohl nichts“.

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