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Corona-Sommer

21.08.2020

Schlauchboot, Gummitier, SUP: An Bayerns Badeseen wird aufgerüstet

Schlauchboote, Gummitiere und vor allem auch SUPs werden unter Badegästen an Bayerns Seen immer beliebter.
Bild: Marcus Merk

Plus Wasserspaß in der Region boomt im Corona-Sommer: Die Menschen zieht es an Bayerns Seen, immer häufiger mit Schlauchboot, SUP oder Gummitier. Das bleibt nicht folgenlos.

In der Corona-Krise entdecken viele Menschen ihre Heimat als Urlaubsregion neu. Auch an diesem heißen Sommerfreitag wird an vielen Badestellen kaum ein Parkplatz frei bleiben. Paare, Familien und Jugendcliquen strömen so bepackt wie für einen Wochenendurlaub in die Naherholungsgebiete, nur wenige kommen einfach mit Handtuch oder Picknickdecke. Immer mehr Badegäste setzen auf Stand-up-Paddleboards (SUP), Schlauchboote oder Gummitiere. Damit wird es an und auf Bayerns Badeseen mitunter recht eng. Und auch gefährlich, wie Marco Greiner, Sprecher der Kreis-Wasserwacht Augsburg-Stadt, weiß: „Eltern und Kinder wiegen sich häufig in falscher Sicherheit, erst recht, wenn Kinder mit Schwimmtieren oder SUPs auf dem Wasser sind. Ein Kind sollte niemals allein ins Wasser gehen, auch und gerade nicht mit einem Schwimmtier.“

Auch in anderen Ländern sind Gummiboote in Tierformen derzeit sehr beliebt. Dieses Bild stammt von Anfang August aus Genf.
Bild: Martial Trezzini, dpa

Coronakrise zeigt sich an Badeseen: Polizei gegen Wildcamper und Chaos-Parker

Besonders groß ist der Zulauf an Wochenenden in den Touristenregionen Südbayerns. Am Ammersee in Utting waren die 400 Parkplätze am Freizeitgelände zuletzt schon mittags fast alle besetzt. Stoßstange an Stoßstange parkten die Badegäste am Rand der Zufahrtsstraßen. Auch an beliebten Bergseen im Allgäu herrscht extrem starker Andrang, sagt Simone Zehnpfennig, Sprecherin der Allgäu GmbH. „Die Polizei ist an unseren Seen am Wochenende schon schwer beschäftigt, Chaos-Parker und Wildcamper zurechtzuweisen. Das gab es in diesem Ausmaß vor der Corona-Krise nicht.“

Zehnpfennig, die im Sommer selbst täglich in Allgäuer Seen schwimmt, hat noch eine Beobachtung gemacht: „Nur kurz schwimmen und sich danach auf ein Handtuch legen, das machen gar nicht mehr so viele.“ Familien hätten seit Jahren Luftmatratzen und Schlauchboote dabei, doch nun kämen auch junge Leute und Paare mit aufblasbaren Wassersportgeräten. „Vor allem Stand-up-Paddler sind viele unterwegs, es öffnen auch immer mehr Verleihe.“

Einer, der den Boom des Stehpaddelns hautnah miterlebt, ist Florian Leupold. Am Mandichosee bei Merching südlich von Friedberg betreibt der 36-Jährige einen SUP-Verleih, außerdem verkauft er die Bretter in seinem Geschäft nahe dem Augsburger Hauptbahnhof. „Momentan ist fast alles weg“, sagt er und wirkt, als könnte er den Ansturm selbst kaum fassen: „Die Leute kommen und sagen: ,Habt ihr noch SUPs? Das Internet ist ausverkauft!‘“ Normalerweise hat Leupold etwa 100 verschiedene Modelle zur Auswahl. Aktuell seien es nur noch sechs oder sieben.

Fast schon eine Institution: Manfred und Florian Leupold mit ihrem WasserSportCenter am Mandichosee.
Bild: Manuela Krämer (Archiv)

SUP-Boom in Coronakrise: Hersteller aus China können kaum Nachschub liefern

Auf Nachschub macht sich der Händler derzeit wenig Hoffnung. In der Corona-Krise hätten viele Hersteller in China die Fabriken geschlossen, Importeure und Verkäufer stünden mit leeren Lagern da. Gleichzeitig verzichten viele Bayern angesichts der unsicheren Lage auf Reisen ins Ausland und investieren ihr Urlaubsgeld lieber in Wassersport-Ausrüstung. Schon vorher habe es einen Trend zum Stehpaddeln gegeben, sagt Leupold, „aber die Corona-Krise hat den Zulauf stark verschärft“.

Wie gut die Hotspots im Allgäu besucht sind, darüber informiert der Tourismusverband Allgäu in seinem Ausflugsticker. Simone Zehnpfennig von der Allgäu GmbH rät allen Wassersportlern, an sonnigen Wochenenden lieber auf die beliebtesten Seen zu verzichten – und hat Geheimtipps: „Ich würde eher an die Seen fahren, die nicht direkt in den Bergen sind. Da gibt es ganz viele kleine vorgelagerte Seen.“

Schlauchboote und Gummitiere sind beliebt - bleiben aber oft am Badesee liegen

Wen es nicht in Richtung Alpen zieht, der kann freilich auch anderswo sein Wassersport-Glück finden, etwa im Fränkischen Seenland. Zwar seien an bestimmten Badestellen manches Wochenende auch die Parkplätze voll gewesen, sagt der Geschäftsführer des Tourismusverbands, Hans-Dieter Niederprüm. „Von Überfüllung kann bei uns aber keine Rede sein, an anderen Strandstellen war immer noch genug Platz.“ Diese sind in Luftbildern auf der Website des Fränkischen Seenlandes einzusehen.

Dafür hat Niederprüm in den vergangenen Wochen ein anderes Problem verstärkt wahrgenommen: Überdimensionierte Gummitiere – vom Einhorn bis zum Drachen – seien mittlerweile so günstig zu haben, dass manch Besitzer dafür nach dem Gebrauch offenbar keine Verwendung mehr hat. Die Folge: Sie bleiben am Ufer liegen.

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