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04.09.2007

Schnappauf vor dem Absprung

Seit rund zwei Jahren hatte Bayerns Umwelt-, Gesundheits- undVerbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) zusehends wenigerSpaß an seinem Amt. Immer wieder wurde der Freistaat von neuenGammelfleischskandalen erschüttert. Die breite Kritik der Bevölkerungund der Opposition an den Kontrollbehörden blieb letztlich an ihmhängen.

München/Kronach (ddp-bay/dpa-lby). Seit rund zwei Jahren hatte Bayerns Umwelt-, Gesundheits- und Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) zusehends weniger Spaß an seinem Amt. Immer wieder wurde der Freistaat von neuen Gammelfleischskandalen erschüttert. Die breite Kritik der Bevölkerung und der Opposition an den Kontrollbehörden blieb letztlich an ihm hängen.

Und auch beim Auftauchen des ersten frei lebenden Braunbären in Bayern seit 170 Jahren machte der Minister keine ganz glückliche Figur. Zuerst hieß er Bruno überschwänglich im Freistaat willkommen, um ihn nur wenige Wochen später als "Problembären" abschießen zu lassen.

Nun scheint sich Schnappauf genervt aus der Landespolitik in den Lobbyismus verabschieden zu wollen. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll er neuer Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) werden. Schnappauf zieht die Reißleine - womöglich auch, um sich vor der Konkurrenz aus der eigenen Partei in Sicherheit zu bringen. Auf sein Ministerium hat nämlich bereits seit längerem CSU-Generalsekretär Markus Söder ein Auge geworfen.

Der heute 54-jährige Schnappauf zählt im Kabinett von Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) zu den Jüngsten. Nur Justizministerin Beate Merk (50) und Kultusminister Siegfried Schneider (51) sind noch ein wenig "jugendlicher". Und Schnappauf genoss großes Vertrauen beim nun scheidenden Regierungschef. Nach der vergangenen Wahl habe er sich sein Ministerium aussuchen dürfen, prahlte Schnappauf stolz. Dass er sich für das Haus mit den meisten Negativschlagzeilen der gesamten Staatsregierung entscheiden würde, war im September 2003 wohl noch nicht abzusehen.

Das Umweltministerium schien Schnappauf wie auf den Leib geschneidert. 1982 hatte er an der Universität Bayreuth zu Fragen der "Standortbestimmung bei Kernkraftwerken" promoviert. Ein Jahr zuvor war der Katholik aus dem äußersten Norden Bayerns stellvertretender Pressesprecher im Umweltministerium geworden.

1985 wechselte er als Abteilungsleiter für Umwelt und Naturschutz zum Landratsamt Miesbach. Nach der Landtagswahl 2003 erweiterte Stoiber Schnappaufs Kompetenzen um die Bereiche Gesundheit und Verbraucherschutz. Ungewollt rückte er angesichts zahlreicher Krisen immer öfter ins Rampenlicht. Die Bewältigung der Hochwasserkatastrophe 2005 bot Gelegenheit zur Profilierung, beim Ausbruch der Vogelgrippe zeigte Schnappauf Handlungsfähigkeit.

1998 hatte ihn Stoiber - ohne Landtagsmandat - als Umweltminister in die Staatsregierung berufen. Und zwar direkt vom Posten des Kronacher Landrats weg, den Schnappauf zuvor neun Jahre lang bekleidet hatte. Mit nur 36 Jahren war der promovierte Jurist an die Spitze des oberfränkischen Landkreises gewählt worden. Zuvor war er in den achtziger Jahren Referent im Umweltministerium sowie Abteilungsleiter in den Landratsämtern Miesbach und Lichtenfels gewesen.

Schon früh interessierte sich Schnappauf für die Umweltpolitik. Bei der Jungen Union, deren stellvertretender Landesvorsitzender er war, gründete er den Arbeitskreis "Umwelt und Energie", seine Doktorarbeit verfasste er zum Thema "Standortbestimmung bei Kernkraftwerken". Erst seit 2003 sitzt Schnappauf, der auch Vorsitzender des CSU-Bezirks Oberfranken ist, im bayerischen Parlament. Der 54-Jährige ist verheiratet und hat zwei Söhne sowie eine Tochter.

Statt auf lautes Poltern setzt Schnappauf im politischen Geschäft auf das klärende Gespräch. Auch in seiner Eigenschaft als oberster bayerischer Verbraucherschützer versuchte er mit der Industrie eher zu kooperieren, als ihr strenge Auflagen zu machen. Eigenverantwortung und freiwillige Selbstkontrollen hießen die oft wiederholten Kernpunkte in seinem Kampf gegen die zahlreichen Gammelfleischfunde im Freistaat. Den womöglich künftigen Arbeitgeber Schnappaufs, den BDI, dürfen solche Ansätze durchaus erfreut haben.

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