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Tiere

26.01.2019

Schnee und klirrende Kälte: Viele Wildtiere in Bayern sind in Not

Im tiefen Schnee kommt dieser Rothirsch nur mühsam voran.
Bild: H.-J. Fünfstück

Die extreme Schneelage in den Alpenregionen hat die Situation für Hirsch, Reh und Gams verschärft. Das ist auch für Förster und Jäger eine Herausforderung.

Die extremen Schneefälle in den vergangenen Wochen machen dem Wild in den Alpenregionen nach wie vor schwer zu schaffen. Der Bayerische Jagdverband (BJV) spricht gar von einer „Katastrophe“ für Rot-, Rehwild und Gämsen. Er hat deshalb einen Dringlichkeitsantrag an die Bundeswehr gestellt, mit Hubschraubern Heuballen in die derzeit unzugänglichen und abgeschnittenen Bergreviere zur Fütterung der Wildbestände zu fliegen. „In dieser schlimmen Notzeit für das Wild sind wir auf Hilfe aus der Luft angewiesen“, sagt Jägerpräsident Jürgen Vocke.

Vom Allgäu bis nach Berchtesgaden beliefern die staatlichen Forstbetriebe schon seit Jahren 27 Wintergatter, in denen das Rotwild die Saison über bleibt, und 33 offene Futterstellen. Doch dieser Winter stellt eine besondere Herausforderung für Förster und Jäger dar, sagt Philipp Bahnmüller von den Bayerischen Staatsforsten in Regensburg. Häufig seien die Fütterungen nur mit Schneeschuhen oder Tourenskiern und langen Anmärschen zu erreichen. Für das Rotwild in den bayerischen Alpen gebe es wegen der Schneemassen vom Jahresanfang inzwischen extra Futterrationen. Um die Tiere nicht zusätzlich zu stressen, sei auch die Jagd in dieser Extremsituation eingestellt worden.

Der Jagdverband spricht von einer „Katastrophe“

„Das ist aus ökologischer Sicht richtig“, sagt Ulrich Sauter, stellvertretender Leiter des Amts für Landwirtschaft in Kempten. „Jetzt zu jagen, wäre nicht tierschutzgerecht.“ Von einer Katastrophe will er jedoch nicht sprechen. Vor allem im Allgäu habe sich die Lage inzwischen beruhigt. „Wir haben häufig heftige, strenge Wintereinbrüche. Damit kann die Natur umgehen.“

Dem Jagdgesetz entsprechend sei es notwendig, das Wild in der Notzeit zu füttern. Das müsse allerdings jeder Revierinhaber für sich entscheiden, sagt Sauter. Von Aktionismus, wie etwa der Forderung nach dem Einsatz der Bundeswehr, hält er gleichwohl nichts. Viel wichtiger sei es, sich um den Lebensraum des Wildes zu kümmern. „Je vielfältiger und naturnaher die Wälder mit standortgerechten Bäumen sind, umso besser ist es auch für die Tiere.“

Jede Störung zehrt an den Kräften der Tiere

Das bayerische Landwirtschaftsministerium hat dazu aufgerufen, bei Spaziergängen und sportlichen Aktivitäten in den tief verschneiten Regionen Rücksicht auf die Wildtiere zu nehmen. „Rehe, Gämsen und Hirsche sind zwar auch an harte Winter gut angepasst, dürfen aber gerade nach den extremen Schneefällen der letzten Wochen nicht beunruhigt werden“, sagt Forstministerin Michaela Kaniber.

Wildtiere überleben den Winter, indem sie ihren Körper in einen „Energiesparmodus“ versetzen. Sie versorgen sich dabei vor allem mit den im Sommer und Herbst gebildeten Fettreserven. Jede unnötige Störung zehrt an den Kräften und verbraucht sehr viel Energie. Auch Ulrich Sauter appelliert an Skifahrer, Schneeschuhgeher, Rodler, Wanderer und Jäger, das Wild nicht zu erschrecken und zu panischer Flucht zu veranlassen.

Der Verein „Wildes Bayern“ hat in einem Dringlichkeitsantrag die sofortige und vollständige Einstellung der Bejagung bis zum Beginn der regulären Jagdzeit auch in Gebieten, in denen die Schonzeit aufgehoben wurde, gefordert. „Es darf kein Schuss fallen, bis nicht eindeutig geklärt ist, wie es den Wildtieren geht“, sagt Christine Miller, Vorsitzende des Aktionsbündnisses zum Schutz der Wildtiere und ihrer Lebensräume in Bayern. Die Bayerischen Staatsforsten hätten die Jagd zwar inzwischen eingestellt, doch von Unteren Jagdbehörden wie etwa in den Landkreisen Ober- und Ostallgäu, aber auch von der Regierung von Schwaben fehle noch eine eindeutige Aussage. „Wir bekommen nach wie vor Hinweise, dass in Privatrevieren weiter gejagt wird.“

Tierschützerin: Rehwild muss gefüttert werden

Die Fütterung von Rotwild funktioniere, sagt Miller. Erklärungsbedarf gebe es jedoch beim Rehwild. Nach wie vor herrsche vielerorts die Ansicht, Rehe müssten nicht gefüttert werden und kämen auch so gut durch den Winter. Deshalb seien Rehwildfütterungen systematisch abgebaut worden. „Das halten wir schlichtweg für falsch.“

Konrad Esterl, 82, geht auch heute noch jeden Tag rauf auf den Berg in der Kloaschau im oberbayerischen Chiemgau, um dem Rotwild Nahrung zu bringen. Der ehemalige Wildmeister, in Schliersee zu Hause, füttert Grumet (Heu ab dem zweiten Schnitt), eine alpine Futtersilage und Apfeldrester. „Das mögen die Tiere besonders gern.“ Keinerlei Verständnis hat Esterl, dass etwa in einem 1000 Hektar großen Privatrevier in Kreuth trotz der kritischen Situation nicht gefüttert wird. „Das ist deprimierend und ein klarer Verstoß gegen das Jagdgesetz.“ (mit dpa)

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