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Bild: Susanne Raffler (Archiv)
Bild: Susanne Raffler (Archiv)

Sie sorgten 2018 in Klosterlechfeld für Stimmung - dieses Jahr fällt der Traditionsumzug am Faschingsdienstag aus.

Schwaben
15.02.2019

Schon wieder eine Absage - Fällt der Fasching dieses Jahr in der Region aus?

Von Michael Böhm

In der Region fallen dieses Jahr reihenweise Umzüge und Bälle aus. Naht etwa das Ende der schwäbischen Narretei? Ein Blick hinter die Kulissen.

Der Fasching naht – und schon beim Gedanken daran zieht sich bei Udo Heininger der Magen zusammen. Nicht, weil der 48-jährige Elektriker nichts mit der Narretei anfangen könnte. Im Gegenteil. Gerade weil er bekennender Faschingsfreund ist und als solcher eine der schwierigsten Entscheidungen überhaupt treffen musste. Denn Heininger ist der Präsident der Faschingsfreunde in Genderkingen, einem beschaulichen Dorf im Landkreis Donau-Ries, das unter Narren bekannt ist für seinen alljährlichen Faschingsumzug mit tausenden Besuchern. Doch nach 20 Jahren findet genau dieser erstmals nicht statt. "Die Entscheidung ist uns schwergefallen, und ehrlich gesagt, tut sie uns so kurz vor Fasching auch noch ein bisschen mehr weh", erklärt Heininger. Doch dem Verein sei nichts anderes übrig geblieben: "Wir konnten das alles einfach nicht mehr stemmen – und wollten auch ein Zeichen setzen."

Es sei immer schwieriger, genügend Helfer für eine Veranstaltung in solchen Dimensionen zu finden. Zudem erschwerten immer mehr und immer strengere Auflagen von Behörden die ehrenamtliche Arbeit der Vereine. "Wir hätten innerhalb weniger Monate ein professionelles Sicherheitskonzept erstellen müssen, das uns einen mittleren fünfstelligen Betrag gekostet hätte", sagt Heininger. Das war der Punkt, an dem die Faschingsfreunde beschlossen: Jetzt ist Schluss mit lustig – 2019 findet erstmals seit 20 Jahren kein Gaudiwurm in Genderkingen statt.

Genderkingen, Kempten, Dillingen: Absagen über Absagen

Und damit stehen die Narren der kleinen Gemeinde zwischen Donauwörth und Rain am Lech nicht alleine da. Landauf, landab gab es zuletzt Nachrichten von Faschingsveranstaltungen, die nicht stattfinden oder kleiner ausfallen als üblich. So wurde der Umzug in Kempten komplett abgesagt und in Megesheim im Landkreis Donau-Ries die Strecke um die Hälfte gekürzt. In beiden Fällen wegen zu hoher Kosten für die Sicherheitsvorkehrungen, wie es heißt. In Dillingen fand wegen Turbulenzen innerhalb der Narrenzunft der traditionelle Narrensprung nicht statt, in Senden wurde der Rathaussturm abgeblasen, weil der Bürgermeister den Narren kurzfristig die Erlaubnis für eine Feier wieder entzogen hatte.

In Zell im Unterallgäu fiel der Faschingsball ins Wasser, weil sich die Organisatoren nicht mit den Behörden auf die maximal erlaubte Besucherzahl einigen konnten und in Jettingen-Scheppach strich der Fasnachtsverein Burkhardia gleich sämtliche Veranstaltungen zur "fünften Jahreszeit". "Wer den Fasching organisiert, hat nicht so viel Spaß wie die, die den Fasching erleben", sagt Präsident Peter Potsch und bringt damit sämtliche Probleme – von der Zahl der Helfer über die große Verantwortung bis zu strengen Vorschriften – auf den Punkt.

Auch Klosterlechfeld sagt seinen Faschingsumzug ab

Aus ähnlichen Gründen fällt nun auch noch der Umzug in Klosterlechfeld (Kreis Augsburg) am Faschingsdienstag aus. "Wir bedauern das wirklich sehr, wo doch der Umzug der Höhepunkt der Faschingsveranstaltungen in Klosterlechfeld ist. Aber in diesem Jahr müssen wir absagen", beginnt Lecharia-Präsident Ali Brecheisen sein Statement zur Absage des traditionellen Faschingsumzug.

"Häufig scheitert es einfach daran, dass der Faschingsdienstag für viele inzwischen ein normaler Arbeitstag ist und man einen Urlaubstag opfern müsste", sagt der Präsident durchaus mit Verständnis für die Problematik. Dazu kommen noch die immer umfänglicher werdenden Sicherheitsbestimmungen in Bezug auf Fahrzeuge, Lautstärke und Zulasskontrollen bei solchen Veranstaltungen. Nun überlegt die Gesellschaft, wie es in Zukunft weitergeht. Ob man einen anderen Tag wählt, zum Umzug in seiner früheren Form zurückkehrt oder die Akte Faschingsumzug endgültig schließt, soll in den nächsten Wochen entschieden werden.

Was der Präsident der Fasnachtsvereine dazu sagt

Christoph Spies kennt die Nöte der Narren in Schwaben – immerhin ist er als Präsident des Regionalverbands bayerisch-schwäbischer Fasnachtsvereine quasi der Obernarr. "Für die Vereine bedeutet der Fasching mega viel Arbeit. Die Mitglieder leisten diese ehrenamtlich und für die Allgemeinheit und gleichzeitig wird ihnen das mit immer noch strengeren Auflagen erschwert", sagt der 56-jährige Mindelheimer. Da könne er es schon nachvollziehen, wenn der ein oder andere Faschingsfreund manchmal die Lust am eigenen Engagement verliere. Eine grundsätzliche Unlust spüre er jedoch nicht. "Überhaupt nicht! Es gibt so viele ganz wunderbare Bälle, Prunksitzungen oder Umzüge, die bei den Besuchern auch immer noch richtig gut ankommen", sagt Spies.

Der Verband wolle seinen Mitgliedern daher Mut machen, sich nicht von bürokratischen Hürden abschrecken zu lassen. Viele Schwierigkeiten könnten in einem "guten Miteinander mit den Behörden" gelöst werden. Und manchmal sei es vielleicht besser, eine Veranstaltung "statt größer, lauter und extremer lieber kleiner, leiser und schöner" zu machen. Er mache sich um den schwäbischen Fasching jedenfalls keine Sorgen: "Wir werden den Frohsinn weiterhin in die Welt hinaus tragen."

In manchen Orten gibt es Hoffnung

Und so gibt es auch in Orten, in denen es aktuell zu kriseln scheint, erste Hoffnungsschimmer. In Jettingen-Scheppach beispielsweise lädt der Frauenbund ein zum Kabarettabend mit Waltraud Mair (bekannt als "Zenta" aus der Fernsehprunksitzung "Schwaben Weissblau") mit dem Zusatz: "Maskerade erwünscht". Zudem gibt es offenbar Planungen für einen Faschingsball in einem alten Gasthof. Und in Genderkingen gibt es dieses Jahr zwar keinen Umzug, die dazugehörige Party am Faschingssamstag findet aber schon statt. Und nächstes Jahr soll dann auch wieder ein Gaudiwurm durch den Ort ziehen. "Da feiern wir 22-Jähriges – das lassen wir uns nicht entgehen", kündigt Vereinspräsident Udo Heininger an.

Auch wenn Faschingsfreunde in diesem Jahr Abstriche machen müssen, ist immer noch einiges geboten. Einen Überblick über die Faschingsumzüge in der Region finden Sie hier. (mit hva)

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