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Schule
24.10.2017

Der bayerische Lehrerverband will die Revolution

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband will die Ausbildung künftiger Lehrer auf neue Beine stellen. Doch im Kultusministerium kommen die Vorschläge nicht gut an.
Foto: Sebastian Kahnert, dpa

An der Grundschule fehlen die Pädagogen, am Gymnasium stehen die Bewerber Schlange. Wie Bayerns größte Lehrervertretung dieses Problem lösen will.

Lehrer sind in Bayern ein höchst ungleich verteiltes Gut. Während an Gymnasien und Realschulen die Bewerber Schlange stehen, fehlen an den Grund- und Mittelschulen mehrere hundert Lehrkräfte. Um dieses Problem zu lösen, hat der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) jetzt ein Konzept vorgestellt, das die Ausbildung der Lehrkräfte revolutionieren würde.

Die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sagt: "Die meisten Lehramtsstudenten aller Schularten fühlen sich nicht genug auf den Beruf vorbereitet. Jetzt muss diskutiert und gehandelt werden." Die Reformideen ihres Verbandes sehen vor, das Studium für angehende Lehrer flexibler zu gestalten. Die Studenten müssen sich erst spät festlegen und erhalten zu Studienbeginn zunächst einen Überblick. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was soll sich ändern?

Kein Staatsexamen mehr, dafür Bachelor- und Masterabschlüsse. Ein allgemeines Grundstudium und erst dann eine Spezialisierung für eine bestimmte Schulart. So lassen sich die Vorschläge des BLLV kurz zusammenfassen.

Was bedeutet das konkret?

Zunächst sollen Lehramtsstudenten drei Semester lang ein Grundstudium in zwei Fächern absolvieren und lernen, wie sie deren Inhalte vermitteln. Je nachdem, ob sie jüngere oder ältere Schüler unterrichten wollen, bietet sich ein Schwerpunkt für drei weitere Semester bis zum Bachelor. Erst danach entscheiden die Studenten, in welcher Schulart sie unterrichten werden und vertiefen ihre Kenntnisse in vier Semestern Masterstudium. Praktika sind in allen Abschnitten Pflicht, dann folgt das Referendariat.

Was soll das bringen?

Die Bachelor- und Master-Abschlüsse werden laut BLLV international eher anerkannt als ein Staatsexamen. Weil sich die angehenden Lehrer erst spät auf die Schulart festlegen, können sie sich bei der Wahl besser an ihren Neigungen und der aktuellen Arbeitsmarktsituation orientieren. Stellen sie fest, dass sie den Beruf doch nicht ergreifen wollen, können sie aus dem Studium aussteigen und in Richtung ihrer Fachdisziplin wechseln.

Wo besteht noch Reformbedarf?

Die Herausforderungen für Lehrer sind laut Fleischmann die Digitalisierung, die Inklusion körperlich beeinträchtigter Schüler und die Integration von Schülern verschiedener Herkunft. Weil die Lehrerbildung nicht an diese Umstände angepasst sei, leide die Schulqualität, argumentiert sie. Ihre Idee: "Unabhängig von Schulart oder Fach soll sich jeder Lehrer auf eine der drei Disziplinen aus der Schulpraxis spezialisieren."

Was sagen Kritiker?

Das bayerische Kultusministerium sieht keinen Vorteil und lehnt das vorgestellte Konzept ab. Weil sie mehr Praktika vorsieht, verliere die Ausbildung den Charakter des Studiums. Zudem verlängerten Bachelor- und Master-Abschlüsse die Ausbildung, während Lehrer gebraucht würden. Auch der Realschullehrerverband und Philologenverband kritisieren das Konzept des BLLV scharf. Sie fürchten bei der Lehrerausbildung Gleichmacherei zwischen Schularten und zu wenig Raum für die Unterschiede in der Vermittlung von Fachinhalten.

Was sagen Studenten?

Sascha Neumann studiert in Augsburg Gymnasiallehramt und ist im BLLV organisiert. Er wünscht sich mehr Freiheiten in der Auswahl der Studieninhalte und weniger feste Fächerkombinationen. Wer später Geschichte lehren will, muss dazu etwa Deutsch oder Englisch wählen. Neumann sagt: "So werden Lehrer in Fächerkombinationen gedrängt, die ihnen vielleicht nicht liegen." Zudem wünscht er sich Praktika, die aufeinander aufbauen.

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