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NSU-Prozess

12.03.2015

Schulfreund bringt neue Details über Mundlos und Zschäpe ans Licht

Gut sechs Jahre konnte das Nazitrio mordend durch Deutschland ziehen. Fahndungsfoto von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos.
Bild: Ostthüringer Zeitung (dpa)

Ein Schulfreund des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos hat im Prozess ausgesagt. Er schilderte Mundlos' Weg zum Rechtsradikalen und seine Bekanntschaft zu Beate Zschäpe.

Vom Pazifisten mit langen Haaren zum kurz geschorenen Rechtsextremen: Ein Schulfreund hat vor dem OLG München die Entwicklung des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos geschildert. Auch über Beate Zschäpe brachte er neue Details ans Licht.

Der mutmaßliche NSU-Terrorist Uwe Mundlos hat nach Aussage eines Schulfreundes schon als Teenager zu DDR-Zeiten rechtsextreme Ansichten entwickelt und sich intensiv mit dem Terrorismus beschäftigt. Mundlos habe ihm etwa von der westdeutschen "Rote Armee Fraktion" (RAF) erzählt, sagte der Zeuge am Donnerstag als Zeuge in dem Münchner Prozess

Mundlos war offenbar von Strukturen der RAF fasziniert

An der RAF habe Mundlos vor allem das Leben im Untergrund fasziniert und "was man unterlassen müsse, um nicht gefasst zu werden". Um den Fahndern zu entgehen, müsse man dafür sorgen, "dass man dann nichts mehr hat, keine Papiere, keine Geldkarte, nichts". Das sei für einen DDR-Jugendlichen sehr ungewöhnlich gewesen, sagte der Zeuge. 

Mundlos habe er schon im Kindergarten in den 1970er Jahren kennengelernt und seinen Werdegang bis Mitte der 90er Jahre aus nächster Nähe erlebt. Schon in der 7. Klasse sei er mit provokanten und regimekritischen Bemerkungen gegen Lehrer oder Offiziere aufgefallen. Er habe damals lange Haare getragen und sich "pazifistisch" gegeben.

Beate Zschäpe soll die Anführerin gewesen sein

Dann sei er mehr und mehr "nach rechts" abgeglitten. Mundlos habe sich für das Dritte Reich begeistert und die Haare kurz geschoren. Bei einem Besuch der Klasse im früheren KZ Buchenwald habe er vor den Gaskammern gesagt, da hätten es "die Juden warm gehabt". Der Mangel an Mitgefühl für die Opfer sei ihm schon damals unangenehm aufgefallen, sagte der Zeuge. 

Beate Zschäpe: Die 38-Jährige tauchte 1998 gemeinsam mit Uwe Mundlos (links, Foto vermutlich von 2004) und Uwe Böhnhardt unter, um der drohenden Festnahme zu entgehen. Die drei Neonazis aus dem thüringischen Jena gründeten eine Terrorgruppe und nannten sich spätestens ab 2001 Nationalsozialistischer Untergrund (NSU).
6 Bilder
Die Angeklagten im NSU-Prozess
Bild: BKA, dpa

Noch vor der Wende habe er über Mundlos auch Beate Zschäpe kennengelernt. Sie ist die einzige Überlebende des NSU-Trios, zu dem noch Uwe Böhnhardt gehörte. Zschäpe ist für die Serie von zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) und zwei Sprengstoffanschläge angeklagt. 

Der Zeuge schilderte sie als auffallend selbstbewusst. Sie habe sich als einziges Mädchen gegen die Jungen in ihrer Clique gut behaupten können. Später hätten Mitglieder der Clique damit geprahlt, sie hätten "Linke gejagt" oder vietnamesischen Schwarzhändlern Zigaretten geraubt. Von Zschäpe wisse er, dass sie häufig aus Spaß gestohlen habe. Ihr Verhalten gegenüber Männern schilderte er als "offen" und bisweilen "vulgär".

NSU-Trio ließ sich von "Paulchen Panther" inspirieren

Mundlos' Einstellungen habe er auch an seinem Musikgeschmack erkennen können, sagte der Zeuge. Zunächst habe er Udo Lindenberg gehört, später am liebsten ein Lied, in dem Türken geschmäht würden. Mundlos habe außerdem eine Vorliebe für die Fernsehserie "Paulchen Panther" gehabt. In der Clique habe er immer wieder Sprüche aus der Serie zitiert. Die Figur des "Paulchen Panther" spielt im späteren Bekennervideo des NSU die Rolle eines Erzählers, der die Morde und Sprengstoffanschläge der Terroristen anpreist.

Der Zeuge sagte, nach dem Schulabschluss sei die Freundschaft zu Mundlos zwar bestehengeblieben, aber nach und nach abgekühlt. Das letzte Mal habe er ihn eher zufällig Mitte der 90er in Jena gesehen. Mundlos habe ihm dabei erzählt, er sei unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess. Vorher müsse er aber noch zwei Observanten des Verfassungsschutzes abschütteln. dpa

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