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Bayern

16.04.2018

Schulreform: So teuer ist die Rückkehr zum G9

Die Rückkehr vom G8 zum G9 wird teuer.
Bild: Armin Weigel, dpa (Symbolbild)

Für das neunjährige Gymnasium braucht Bayern 1000 neue Lehrer. Mancherorts müssen zusätzliche Schulhäuser gebaut werden. Wer soll das alles bezahlen?

Ein Jahr bewegte sich am neuen Gymnasium in Mering kein Bagger und keine Betonmischmaschine. Denn mitten in Bauphase zwei des Gebäudes im Landkreis Aichach-Friedberg erreichte das Hin und Her um eine Reform des bayerischen Gymnasiums seinen Höhepunkt. Und solange nicht klar war, ob Bayerns Gymnasiasten künftig wieder neun Jahre lernen, wollte in Mering natürlich keiner ein Gymnasium bauen, in dem nur acht Jahrgangsstufen Platz haben.

Jetzt ist das G9 zurück, in Mering wieder Betrieb auf dem Bau. Über der Mensa entstehen drei weitere Klassenzimmer und Nebenräume für die zusätzlichen G9-Schüler. Das Gesamtprojekt – Kostenschätzung: 31 Millionen Euro – verteuert sich voraussichtlich um drei Millionen.

100 Millionen Euro mehr für G9 an Bayern Gymnasien

Was die Schulreform in ganz Bayern kostet, das lässt sich im Moment nur schätzen. Was sich schon jetzt seriös beziffern lässt, sind die Personalkosten. Mit einem gymnasialen Zusatzjahr braucht es an staatlichen Schulen 1000 neue Lehrer. Sie sollen zum Schuljahr 2025/2026 eingestellt werden, wenn der erste Jahrgang mit dem 13. Schuljahr beginnt und damit erstmals wieder neun statt acht Jahrgänge unter einem Dach lernen. Das Gehalt der zusätzlichen Lehrkräfte kostet den Freistaat nach Angaben des Ministeriums „voraussichtlich rund 100 Millionen Euro pro Jahr“.

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Ein Unsicherheitsfaktor sind vor allem die nötigen Baumaßnahmen. Das bayerische Kultusministerium rechnet damit, dass Aus- und Neubauten für die Reform „einmalig und grob geschätzt rund 500 Millionen Euro“ kosten. Viel zu niedrig kalkuliert, sagen die Vertreter des Städtetags. Schon bevor der Landtag die Rückkehr des G9 im Dezember 2017 endgültig beschloss, hatte der Städtetag eigene Schätzungen vorgelegt. Man müsste demnach mindestens 600 bis 700 Millionen Euro in die Gymnasien investieren.

Denn wie in Mering brauchen reihenweise Schulhäuser mehr Klassenzimmer. Die Metropole München benötigt sogar drei komplett neue Schulen, in Nürnberg ist es eine. Denn im dicht bebauten Stadtgebiet fehlt schlicht der Platz, um bestehende Schulgebäude zu vergrößern. Aber wer zahlt was und wie viel?

Städtetag: Wer anschafft, der soll zahlen

Das ist die Frage, die Politiker in der Landesregierung und an den Stadtspitzen entzweit, selbst wenn sie derselben Partei angehören. Denn eigentlich sind die Kommunen für den Erhalt ihrer Schulbauten zuständig, die Landesregierungen für die Inhalte des Lehrplans. Doch wenn die Regierung Städten und Gemeinden eine Maßnahme sozusagen aufs Auge drückt – zum Beispiel eine Schulreform –, dann kommt das sogenannte Konnexitätsprinzip ins Spiel.

Achim Sing, Sprecher des bayerischen Städtetags, übersetzt die Regelung gegenüber unserer Redaktion so: „Wer anschafft, soll auch bezahlen.“ Sein Spitzenverband fordere deshalb, dass der Freistaat die Baukosten komplett übernimmt. Aus dem Kultusministerium kommt dazu bisher keine endgültiges „Ja“. Bei jeder Baumaßnahme soll demnach geprüft werden, welcher Anteil daran „G9-bedingt“ ist. Dieser werde „nach den Grundsätzen des Konnexitätsprinzips ausgeglichen“. Wie der Freistaat und die Kommunen sich die Kosten aufteilen oder ob das Land gar doch alles zahlt, soll in den nächsten Monaten fertig verhandelt werden.

Aber warum sind die Schulen plötzlich zu klein? Die meisten beherbergten doch vor dem G8 auch neun Jahrgänge. Die Erklärung liegt im G8-Lehrplan, der wohl weiterhin gelten soll. Er sieht mehr Differenzierungsstunden in kleinen Gruppen vor. Dafür braucht es Räume. Und weil Nachmittagsunterricht fester Bestandteil des G8 ist, mussten Mensen vergrößert werden.

Für Eltern sollen keine Zusatzkosten entstehen

Weit kleinere, aber ebenso strittige Posten in der Finanzierung der Schulreform: Wer zahlt die Busse und Bahnen, die Jugendliche zur Schule bringen? Und wer kommt für die neuen Schulbücher auf, die für den überarbeiteten Lehrplan nötig sind? Beides übernehmen bisher vorwiegend die Träger der Schulen.

Am Ende werden Staat und Kommunen das unter sich ausmachen. Die gute Nachricht: Für die Eltern in Bayern sollen keine Zusatzkosten entstehen.

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