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Interview

23.10.2011

Schwabens oberster Feuerwehrmann setzt auf Quereinsteiger

Michael Seger (51) aus Durach im Oberallgäu ist am Samstag in Horgau (Kreis Augsburg) zum neuen Vorsitzenden des Bezirksfeuerwehrverbandes Schwaben gewählt worden.
Bild: Marcus Merk

Michael Seger ist neuer Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbandes. Er will besonders Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund für den Brandschutz gewinnen.

Michael Seger (51) aus Durach im Oberallgäu ist am Samstag in Horgau (Kreis Augsburg) zum neuen Vorsitzenden des Bezirksfeuerwehrverbandes Schwaben gewählt worden. Sein Vorgänger Alfred Raible (Illertissen) schied aus Altersgründen aus dem Amt und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seger ist beim Landratsamt Oberallgäu als Sachbearbeiter für Brand- und Katastrophenschutz tätig. Gleichzeitig ist er Kreisbrandrat für den Landkreis Oberallgäu. Wir sprachen mit ihm über die Situation der Feuerwehren in Schwaben.

Was sind die aktuellen Herausforderungen für die Feuerwehren und was kann der Bezirksfeuerwehrverband tun, um diese zu bewältigen?

Seger: Die wichtigsten Themen für die Feuerwehr sind zurzeit die Einführung des Digitalfunks, die Neugestaltung der Zuschussrichtlinien und die Mitgliedergewinnung. Zur Bewältigung dieser Themen arbeiten wir eng mit dem Landesfeuerwehrverband (LFV) Bayern zusammen. Beim Digitalfunk fordern wir, dass mindestens die gleiche technische Qualität wie bisher garantiert wird; das heißt, die Netzversorgung auch auf dem flachen Land und die Erreichbarkeit der Einsatzkräfte zum Beispiel auch im Atemschutzeinsatz innerhalb von Gebäuden müssen gewährleistet sein. Leider ist das in den bisherigen Planungen noch nicht gesichert. Dann arbeiten wir mit dem LFV gemeinsam an der praxisgerechten Umsetzung neuer Zuschussrichtlinien bei der Einführung des Digitalfunks und im Hinblick auf Fahrzeugbeschaffungen, und schließlich fördern wir die dreijährige Imagekampagne des LFV Bayern auch auf Bezirksebene.

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Wie steht es um den Nachwuchs bei den Feuerwehren?

Seger: Die aktuelle Situation stellt sich bei uns in Schwaben noch als durchaus zufriedenstellend dar. Wir müssen aber die demografische Entwicklung beachten. Das heißt, es wird in Zukunft weniger junge Leute geben, die für den Feuerwehrdienst gewonnen werden können. Deshalb tun wir im Rahmen der soeben begonnenen Imagekampagne alles, um die Mannschaftsstärke und damit die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren auch für die Zukunft zu sichern. Über die Jugend hinaus sind erwachsene „Quereinsteiger“ und dabei insbesondere auch Frauen und Mitbürger mit Migrationshintergrund willkommen. Nur so kann unserer Bevölkerung der bisher gewohnte Schutz auch in den kommenden Jahren gewährleistet werden.

Braucht man auch in Zukunft in jedem kleinen Dorf oder Ortsteil eine Feuerwehr? Ist das noch sinnvoll angesichts auch gestiegener technischer Anforderungen?

Seger: Auf jeden Fall: Ja! Die Feuerwehren in den kleinen Gemeinden verfügen dort über eine unersetzbare Ortskenntnis, und darüber hinaus bilden sie vor allem bei Großschadenslagen wie Hochwasser und ähnlichen Katastrophen im Zusammenhang mit dem Klimawandel eine wertvolle und unverzichtbare Personalreserve. Vor allem dann, wenn die „großen“ Wehren über mehrere Tage hinweg ausgelastet sind.

Ist die den Feuerwehren zur Verfügung stehende Technik zeitgemäß?

Seger: Wir sind gut ausgerüstet, aber die Ausrüstung muss sich mit den wachsenden Anforderungen weiter entwickeln. Ein Feuerwehrfahrzeug soll beispielsweise gut 25 Jahre lang einsatzfähig sein. Sowohl Mannschaft als auch Gerät müssen stets der aktuellen Situation gewachsen sein.

Welche Forderungen und Wünsche haben Sie an die Politik?

Seger: Unsere Feuerwehrleute sind ja zum allergrößten Teil ehrenamtlich tätig. Wir freuen uns deshalb über die aktuelle Diskussion zum Thema Ehrenamtsförderung. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass jemand, der Tag und Nacht bereit ist und nicht nur seine Freizeit, sondern auch seine Gesundheit für seine Mitmenschen, die Lebensrettung und die Sicherung bedeutender Sachwerte einsetzt, bei der Rentenberechnung einen Vorteil dadurch erhält, dass ihm für jedes Jahr seiner ehrenamtlichen Tätigkeit ein kleiner Betrag angerechnet wird. Das wäre ein bleibender Wert.

Interview: Wilhelm Schmid

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