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Corona-Pandemie

29.01.2021

Senioren fordern rasche Verbesserungen bei Impftermin-Problemen

Viele Impfzentren liegen in Bayern zu weit außerhalb und eine Registrierung für einen Termin ist für viele alte Menschen zu kompliziert.
Foto: Felix Kästle, dpa

Plus Viele ältere Menschen berichten von großen Problemen, einen Impftermin zu bekommen. Jetzt schaltet sich auch Bayerns Seniorenvertretung ein. Was sie kritisiert und fordert.

Viele ältere Menschen verzweifeln offenbar nach wie vor an der Registrierung für einen Impftermin: Auch zahlreiche unserer Leserinnen und Leser haben uns ihre Probleme geschildert und wir haben das Bayerische Gesundheitsministerium damit konfrontiert.

Doch eine Verbesserung scheint noch nicht in Sicht. Dies bestätigt Franz Wölfl, der Vorsitzende der Bayerischen Landesseniorenvertretung. „Wir haben nun eine Mail an Gesundheitsminister Holetschek geschrieben“, sagt Wölfl. Man bittet um einen Ansprechpartner, damit man die Probleme endlich mit der Politik besprechen kann.

Impftermine: Infrastruktur geht an der Lebenswirklichkeit alter Menschen vorbei

„Diese Infrastruktur für die Impftermine überfordert einfach viele alte Menschen“, erklärt Wölfl. „Sie geht an der Lebenswirklichkeit vieler alter Menschen vorbei.“ Aus dem bayerischen Gesundheitsministerium heißt es auf Anfrage unserer Redaktion: „Wir sind uns bewusst, dass gerade die Online-Registrierung für Senioren eine technische Herausforderung sein kann. Wir rufen junge Menschen auf, ihre betagten Angehörigen zu unterstützen, wenn diese Schwierigkeiten haben, sich online zu registrieren.“ Doch das ist für Franz Wölfl nicht die Lösung: Viele alte Menschen haben gar keine Angehörige. „Und viele alte Menschen haben auch Hemmungen, um Hilfe zu bitten“, weiß der Seniorensprecher. „Das kratzt doch am Selbstbewusstsein.“ Im Gespräch mit ihm wird deutlich, dass sich Wölfl einfach mehr Empathie vonseiten der Politik für die Senioren wünschen würde.

Wünscht sich mehr Empathie von der Politik: Franz Wölfl.
Foto: Wölfl

Im Gesundheitsministerium verweist man wiederholt auch auf die Möglichkeit einer telefonischen Terminvereinbarung in den regionalen Impfzentren oder über die bundesweite Zentralnummer 116 117. Aber diese Nummern scheinen oft überlastet. „Eine Änderung ist hier wirklich dringend notwendig“, sagt Wölfl. Er kann nicht verstehen, dass man beim Aufbau von so einer wichtigen Infrastruktur die Seniorenvertretung nicht von Anfang an mit eingebunden hat: „Es wird nur immer über uns Senioren gesprochen, aber nicht mit uns“, ärgert sich Wölfl und spricht von „Sonntagsreden“. Er sieht hier ein „schweres Versäumnis“ des bayerischen Gesundheitsministeriums.

Geht es ums Wählen der Politiker, werde wesentlich mehr gemacht

Wenn man sich anschaut, sagt Wölfl, was alles gemacht wird, wenn es ums Wählen der Politiker geht, dann wundere man sich schon, dass bei einer so lebenswichtigen Sache wie dem Impfen jetzt nur auf zwei Telefonnummern und eine Online-Plattform verwiesen werde. Zumindest ein für alle verständlicher Flyer in alle Haushalte hätte nach Ansicht von Wölfl doch möglich sein müssen. Schließlich wurden nur die über 80-Jährigen angeschrieben.

 

Und Wölfl fragt sich, warum man nicht auch in Bayern andere Wege geht, wenn es schon Probleme gibt, und verweist auf Schleswig-Holstein, wo man die Vergabe von Impfterminen einem Veranstaltungsdienstleister übergeben hat. Nach Medienberichten offenbar mit großem Erfolg.

Aber nicht nur die Registrierung kritisiert der bayerische Seniorensprecher. Auch, dass die Impfzentren oft so weit außerhalb liegen, sei für alte Menschen eine hohe Hürde. Viele der älteren Senioren sind krank oder nicht mobil genug, um diese Wege allein oder auch mit Begleitung zurücklegen zu können.

 

Corona-Impfung: Vor allem Hochbetagte, die alleine leben, drohen aus dem Blick zu geraten

Robert Sauter, Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt Augsburg, hat ein „gemischtes Bild“ der Lage: Viele Senioren schafften eine Registrierung, viele aber nicht. Größte Sorge bereiten ihm die alleinstehenden Hochbetagten. „Diese Menschen sind sehr unauffällig, treten nie als Beschwerdeführer auf und geraten so leicht aus dem Blickfeld.“ Gerade jetzt vor dem Hintergrund der Kontaktbeschränkungen, wo auch sämtliche ehrenamtliche Besuchsdienste wegfallen, drohe hier jegliches Netz zu reißen, warnt er.

 

Dr. Hardy Götzfried, ärztlicher Leiter des Impfzentrums Memmingen, kennt als Hausarzt die Probleme Älterer gut. Am Donnerstag hat er im Rahmen eines Pressegesprächs mit Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek daher den neuen Impfbus vorgestellt. In ihm sollen künftig gerade immobile Senioren in Memmingen und dem Unterallgäu geimpft werden. „Unser Bus ist wie ein kleines Impfzentrum“, sagt Götzfried stolz. Eigentlich könne man sofort loslegen. Allerdings fehle ausreichend Impfstoff.

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