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Silberdistel
12.03.2021

25 Jahre Krebshilfe: Gudrun Krumschmidt hilft anderen, sich selbst zu helfen

Die 69-jährige Gudrun Krumschmidt wird für ihr Engagement in der Krebsselbsthilfegruppe mit der Silberdistel unserer Redaktion ausgezeichnet.
Foto: Marcus Merk

Gudrun Krumschmidt engagiert sich seit 25 Jahren als Leiterin in der Krebsselbsthilfegruppe Meitingen/Wertingen. Warum es ihr wichtig ist, sich gegenseitig zu unterstützen.

"Gemeinsam den Weg in ein gutes, fröhliches Leben gehen" ist das Motto der Krebsselbsthilfegruppe Meitingen/Wertingen. Und es ist auch ein Leitsatz von Gudrun Krumschmidt. Seit 25 Jahren leitet die 69-Jährige die Selbsthilfegruppe, der sie sich im Jahr 1990 anschloss, nachdem sie 1987 selbst an Kehlkopfkrebs erkrankt war. Für ihr langjähriges Engagement erhält sie die Silberdistel unserer Redaktion.

Was gegen den Krebs hilft? "Es nimmt Ängste, wenn man den Feind kennt."

Vor 25 Jahren sei eine Krebserkrankung noch als Tabuthema betrachtet worden, über das man schwieg. "Ich habe damals in der Reha erlebt, wie das Reden über die Krankheit guttat." Daher besuchte die Ellgauerin eine Veranstaltung der im Jahr 1990 gegründeten Krebsselbsthilfegruppe Meitingen – und war sehr ernüchtert. "Das erste Treffen damals war sehr düster und trist, es waren wenig Teilnehmer gekommen." Dennoch blieb sie und hörte den Menschen zu.

"Nach einiger Zeit hab ich angefangen, den Raum netter zu dekorieren, damit eine bessere Atmosphäre bei den Treffen entstand", erzählt Gudrun Krumschmidt. Sie engagierte sich immer mehr. "Ich bin dann zunächst in die Stellvertreterrolle reingerutscht." Als die Leiterin im Jahr 1995 wegzog, trat sie an die Spitze der Selbsthilfegruppe.

"Meitingen war schon damals offen für alle und alle Tumorarten." Andere der heute rund 180 Gruppen in ganz Bayern seien beispielsweise auf Brustkrebspatientinnen spezialisiert. "Bei uns sind auch Männer dabei." Dachverband ist die Bayerische Krebsgesellschaft in München.

Gudrun Krumschmidt machte Fortbildungen, um mehr über das Thema zu erfahren. Das Wichtigste ist ihr das Wissen über die Krankheit. "Es nimmt Ängste, wenn man den Feind kennt und wenn man weiß, welche Möglichkeiten es noch gibt, damit umzugehen."

Seit 25 Jahren begleitet sie Krebspatienten bis zur letzten Stunde

Inzwischen ist die Selbsthilfegruppe auf rund 70 Menschen angewachsen. "Etwa zehn davon, die ich gar nicht persönlich kenne, begleite ich schon jahrelang telefonisch – von der Diagnosestellung über die Therapie bis zur Operation und Chemotherapie und Reha." An Gruppentreffen nehmen regelmäßig 30 bis 35 Personen teil. Dabei geht es nicht nur um die Krankheit, sondern auch um ein geselliges und fröhliches Miteinander. "Ziel unserer mittlerweile drei Gruppen ist es, den Menschen nach der Diagnose Krebs wieder Mut zu machen und zu helfen, mehr Lebensfreude und Lebensqualität zu gewinnen."

Dass sie sich einmal in diesem Bereich sehr engagieren würde, hatte sich eigentlich nicht abgezeichnet. "Ich war zunächst Chefsekretärin bei der Industrie- und Handelskammer." Als dann ihr Sohn und ihre Tochter kamen, war dieser Job nicht mehr mit der Familie zu vereinbaren. Daher arbeitete sie ab 1978 als Pfarramtssekretärin im evangelischen Pfarramt Meitingen (Landkreis Augsburg), wo der Arbeitsalltag etwas ruhiger ablief. "Daher wusste ich auch Bescheid, dass es die Krebsselbsthilfegruppe gab."

"Mein Mann sagt immer: Du mit deiner Firma."

Heute, als deren Leiterin, gibt’s neben den Gesprächen mit den Mitgliedern für Gudrun Krumschmidt viel zu organisieren: Sie lädt kompetente Referenten – von Fachärzten bis zum Ernährungsberater – zu den Treffen ein. Dank dieser Referenten hätten alle Mitglieder sehr viel gelernt. "Inzwischen habe ich hier ein großes Netzwerk aufgebaut und habe heiße Drähte zu vielen Fachärzten." Sie berät telefonisch und persönlich Krebspatientinnen und -patienten sowie Angehörige und begleitet sie bis zur letzten Stunde. Zudem wird Erfahrungsaustausch ermöglicht und es gibt Anregungen zur Angstbewältigung. Weiter werden Ausflüge, Infofahrten und Feste organisiert. Es gibt eine Reha-Sportgruppe sowie eine Töpfergruppe. Dass sie dadurch viel unterwegs ist und wenig Zeit für ihren Ehemann und die drei Enkelkinder hat, überrascht nicht. "Mein Mann sagt immer: Du mit deiner Firma."

"Die Diagnose Krebs muss heute oft kein Todesurteil mehr sein."

Sie ist überzeugt: "Die Diagnose Krebs muss heute oft kein Todesurteil mehr sein." Bei manchen Erkrankungen könne man zeitlebens therapieren und der Patient noch ein lebenswertes Leben führen. "Das gab’s vor zehn Jahren noch nicht." Die Sterbezahl der Mitglieder sei in den vergangenen zehn Jahren daher stark gesunken. Zu ihrem 25. Jubiläum als Gruppenleiterin schrieben die Mitglieder: "Gudrun Krumschmidt ist die Seele der Gruppe, praktisch unsere Stammesmutter." Sie selbst gibt dieses Lob zurück: "Das alles ginge nicht ohne das großartige Team. Deswegen sehe ich die Silberdistel als Auszeichnung nicht nur für mich, sondern für uns alle."

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