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Silberdistel-Auszeichnung
23.07.2021

Ein Leben für das Ehrenamt: Ludwig Böck aus Seeg bekommt Auszeichnung

Ulrich Böck hat ehrenamtlich einen fünf Meter großen Löwenzahn aus Metall für einen Kreisverkehr bei Seeg im Ostallgäu gebaut.
Foto: Alexandra Decker

Ulrich Böck hat in wochenlanger, ehrenamtlicher Arbeit eine besondere Skulptur für Seeg im Ostallgäu geschaffen – und musste dafür einige Hindernisse überwinden.

Auf seinen vielen Reisen hat Ulrich Böck immer wieder Kreisverkehre gesehen, die „toll gestaltet waren. Da habe ich mir gesagt, wenn wir in Seeg mal einen bekommen, machst du da auch was rein“, erzählt der 66-jährige Ostallgäuer. Als dann der Kreisel bei Enzenstetten gebaut wurde, schritt er zur Tat. Das Ergebnis: In dessen Mitte steht nun ein an die fünf Meter hoher Löwenzahn aus Metall. Einen ganzen Winter lang arbeitete Böck ehrenamtlich an dieser Skulptur, die mit ihren Blüten und Bienen das Honigdorf Seeg repräsentiert.

Mit der Silberdistel ausgezeichnet: Für Ulrich Böck ist Ehrenamt Alltag

Geld wollte er dafür nie. Das Ehrenamt ist für ihn Alltag. Jahrzehntelang war er bei der Feuerwehr, im Aufsichtsrat der örtlichen Raiffeisenbank, Alpmeister der Alpe Beichelstein, aktiver Fußballer, im Notschlachtverein und beim Bauernverband. „Es waren teilweise zu viele Ehrenämter. Da fragt man sich, wie man das alles geschafft hat und wann man noch daheim war. Aber es war eine schöne Zeit“, sagt Böck. Für sein jahrelanges Engagement insgesamt und seinen Löwenzahn im Besonderen erhält er nun die Silberdistel unserer Zeitung.

Dabei wäre das Löwenzahnprojekt beinahe gescheitert. Bei einem Gespräch mit dem Gemeinderat und Verkehrsexperten war die Frage aufgekommen, wer haftet, wenn ein Auto mit den Kanten der Metallskulptur kollidiert. Dann aber sei geklärt worden, dass er als Künstler damit nichts zu tun habe.

Ulrich Böck hat ehrenamtlich einen fünf Meter großen Löwenzahn aus Metall für einen Kreisverkehr bei Seeg im Ostallgäu gebaut.
Foto: Alexandra Decker

Also machte er sich an die Arbeit. Die genaue Stundenzahl zählte er nicht. Er begann im Herbst. Im Frühling wurde die Skulptur aufgestellt. Die Materialkosten deckte der langjährige Spengler zum Großteil über den Verkauf eines Kupferdaches aus dem Abriss eines Gasthofs. „Ich habe es zum Schrotthändler gebracht und 1500 Euro bekommen“, erzählt Böck. Auf dem Rückweg kaufte er beim Eisenhändler Tafelblech und Rohre für 1400 Euro. „Damit hatte ich 70 Prozent des Materials“, sagt er. Andere Baustoffe, wie den Mörtel für das Fundament, erhielt er kostenlos von der Firma Blender aus Seeg. Einiges bezahlte er aus eigener Tasche.

Wie baut man eigentlich einen meterhohen Löwenzahn?

Die Skulptur selbst stellte ihn vor ganz neue Herausforderungen. Er hatte zwar bereits Metallfiguren gefertigt, aber noch nie eine in dieser Größe. Ein Blatt des Löwenzahns ist 2,50 Meter lang und 45 Zentimeter breit. Da war zum Teil Improvisation angesagt. Die Rohre für die Pflanzenstiele etwa bog er, in dem er sie erhitzte und mit zwei Traktoren zusammenschob.

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Um die Einzelteile miteinander zu verbinden, grub ihm ein Freund mit einem Bagger ein Loch hinters Haus, wo er den Löwenzahn provisorisch aufstellte. Arbeiten konnte Böck aber nur bei trockenem, windstillem Wetter. Er benutzte Schutzgas zum Schweißen – doch wenn das Gas verblasen wird, funktioniert das nicht gut. Während die Pflanze nach und nach wuchs, kamen Figuren von Bienen, Käfern und anderen Tieren dazu.

Als es schließlich darum ging, die riesigen Steine für das Fundament zum Kreisverkehr zu transportieren, wollte Böck einen Teil mit seinem Traktor und seinem Kipper bewegen. Letzterer aber erlitt einen Achsbruch, kaum, dass der erste Felsen auf der Ladefläche landete.

Und hat sich die ganze Arbeit überhaupt rentiert?

Abenteuerlich war auch der Transport der gut zwei Tonnen schweren und drei Meter breiten Metallblume von Böcks Werkstatt zum Kreisverkehr. Der 66-Jährige und ein Bekannter hängten die Skulptur an die Frontlader zweier Traktoren. Einer fuhr vorwärts, der andere rückwärts und so bugsierten sie den Löwenzahn über die zwei Kilometer lange Nebenstraße zu seinem endgültigen Standort.

Ob sich die ganze Arbeit rentiert hat? „90 Prozent der Leute reagieren positiv“, sagt Böck. Er selbst sei stolz auf sein Werk und die Gemeinde übertrug ihm eine Patenschaft für den Kreisverkehr. Der trägt jetzt aber nicht etwa seinen Namen. Stattdessen ist Böck dafür zuständig, dass die Fläche rund um seine Skulptur, auf der bald Wildblumen wachsen sollen, regelmäßig gepflegt wird – ehrenamtlich, das versteht sich für Böck von selbst. Und die nächsten Projekte? Vielleicht hilft er bei der Renovierung einer Kapelle. „Ich hatte ein gutes Leben und habe jetzt Zeit, etwas zurückzugeben“, sagt der Rentner.

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