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Silberdistel
26.02.2020

Kleinkunstbühne "s’Brett im Schtoi“ bekommt Silberdistel

Die Macher der Kleinkunstbühne „s’Brett im Schtoi“ aus Pfaffenhofen an der Roth von links: Gisbert Eppelt, Norbert Riggenmann, Josef Walz und Nikolaus Maucher.
Foto: Andreas Brücken

Die Kleinkunstbühne „s’Brett im Schtoi“ ist ein Juwel unter den regionalen Kulturinitiativen. Sie bürgt seit mehr als einem Vierteljahrhundert für Qualität und wird nun ausgezeichnet.

So ein Bürgermeister auf dem Land darf sich nicht in erster Linie als Paragrafenreiter verstehen, er muss auf möglichst vielen Gebieten sattelfest sein. Allerdings gehört die Schauspielerei gemeinhin nicht zum Beritt des Ortsoberhauptes. Gemeint ist in diesem Fall nicht die politische Darstellungskunst, sondern das Talent, auf einer Theaterbühne eine ebenso gute Figur abzugeben wie beim Grußwort vor dem Veteranenverein. Josef Walz aus Pfaffenhofen an der Roth, bis zur Kommunalwahl noch dienstältester Bürgermeister im Landkreis Neu-Ulm, spielt leidenschaftlich gerne Theater für die Kleinkunstbühne „s’Brett im Schtoi“: „Ich habe vom Göttervater Zeus bis zum Dorfalkoholiker schon so ziemlich alles gespielt.“ Er schlüpft nicht nur in unterschiedliche Rollen, manchmal singt er auch oder er steht nur hinter der Theke und schenkt Bier aus. Ihm macht das „eine Wahnsinnsfreude“, wie er sagt, deshalb gehört er nicht nur zu den Publikumslieblingen der Truppe, sondern ist auch einer der Gründerväter dieser kleinen, aber feinen Gemeinschaft von „s’Brett im Schtoi“.

Die Silberdistel ist eine Auszeichnung für besonderen bürgerschaftlichen Einsatz

Sie bietet seit 26 Jahren nicht nur örtlichen Künstlern eine Bühne, sondern holt auch Musiker, Kabarettisten und Schriftsteller nach Pfaffenhofen in die vermeintliche Provinz – und das alles ehrenamtlich und ausdauernd erfolgreich. Dafür erhält „s’Brett im Schtoi“ die Silberdistel unserer Redaktion, eine Auszeichnung für besonderen bürgerschaftlichen Einsatz.

Es war von Anfang an – nein, keine Schnapsidee, sondern eine Bieridee. An einem hopfenseligen Abend wurde das „Brett“ geboren. Nikolaus Maucher, der seinen 50. Geburtstag im einstigen Gasthaus Dirr im Pfaffenhofer Ortsteil Erbishofen feiern wollte, fand, die dafür aufgebaute Bühne könne doch noch länger genutzt werden. Es wäre schade, sie gleich wieder wegzureißen. Er fand zügig Gleichgesinnte, die an jenem Hopfenabend auch ihre Kreativität ein wenig schäumen ließen. Maucher wollte die Kulturinitiative „Kleine Kunst im Dorfwirtshaus“ nennen, doch daraus wurde rasch das Brett im „Schtoi“, wie das Gasthaus im Volksmund hieß.

Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen den Pfaffenhofern und ihrer kleinen Bühne. Die spielte immer mal wieder Mauchers eigene Schauspiele, in denen nicht irgendwelche Charaktere auftraten, sondern Typen, wie sie wirklich im Ort lebten. Das machte die Auftritte authentisch. Am Anfang sollte das „Brett“ Künstlern aus Pfaffenhofen und Umgebung eine Plattform geben, doch natürlich wurde im Laufe der Jahre mehr daraus. In Erbishofen etwa hielten die heutigen „Kluftinger“-Erfolgsautoren Volker Klüpfel und Michael Kobr eine ihrer ersten Lesungen, der Kabarettist und heutige Starkbierredner Maxi Schafroth war ebenso zu Gast wie der Schauspieler und Kabarettist Jockel Tschiersch, einst Partner von Ottfried Fischer, und der Kabarettist Uli Boettcher, der immer wieder gerne nach Pfaffenhofen kommt.

„Wir hatten häufig Künstler da, die noch nicht so bekannt waren und die wir uns noch leisten konnten. Ein Jahr später wäre das schon nicht mehr gegangen“, sagt Norbert Riggenmann, der von Anfang an dabei war und auch für einige Jahre an der Spitze des Vereins stand. Riggenmann schaffte es auch immer wieder, bekanntere Künstler herzuholen, die weniger Wert auf eine möglichst hohe Gage für ihren Auftritt legten, als vielmehr auf eine gute Künstlerbetreuung.

Die genoss vor zehn Jahren auch der Sänger Gunter Gabriel. Mit ihm stand Bürgermeister Walz noch lange nach seinem Auftritt in Kontakt. Gabriel war damals über die Vorberichterstattung in unserer Zeitung derart beglückt, dass er am Auftrittsabend den Autor des Textes auf die Bühne rief: „Ich will dir was schenken. Ich hab’ aber nix – hier, ich schenk’ dir mein Hemd.“ Sprach’s und überreichte dem verdutzten Kollegen sein Oberteil.

"s’Brett im Schtoi“ ist etwas Besonderes

In all den Jahren, als die Bühne sogar zeitweilig in einem Kuhstall, sozusagen als „Brett im Stall“, residierte, haben die Kleinkunstfreunde in Pfaffenhofen und Umgebung der Initiative die Treue gehalten. Warum das so ist, erklärt sich der amtierende Vereinsvorsitzende Gisbert Eppelt folgendermaßen: „Die Menschen haben größtes Vertrauen in uns, die wissen, das taugt was. Deshalb kommen sie auch zu unbekannten Künstlern.“

Wobei sich das Team bei der Auswahl große Mühe gibt und alle, die sie nach Pfaffenhofen holen wollen, vorher anschauen. Die Künstler müssen ja zum Publikum passen, findet Riggenmann, denn: „Städtischer Humor ist ein anderer als auf dem Land.“

Was „s’Brett im Schtoi“ ebenfalls so besonders macht: Der Verein verzichtet auf öffentliche Förderung, lebt von Eintrittsgeldern und Sponsoren aus der örtlichen Wirtschaft. Und dann ist da ja noch Bürgermeister Josef Walz. Die Gemeinde zahlt zwar keinen Cent, aber er hat nach den Förderrichtlinien für Vereine mal ausgerechnet, auf wie viel Geld im Vergleich zu anderen die Initiative ein Anrecht hätte. Diese Summe zahlt er Jahr um Jahr aus eigener Tasche.

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