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Fliegerbombe

14.04.2018

So erlebten die Neu-Ulmer die Evakuierung

Die BRK-Helfer Michael Holzhauser (links) und Demian Müller aus Vöhringen holen Thorsten Haselau aus seiner Wohnung in Neu-Ulm ab, die im Sperrgebiet der Bombenentschärfung liegt.
Bild: Sebastian Mayr

Weil ein Blindgänger entschärft wird, müssen 10.400 Bürger die Innenstadt verlassen. Das Bayerische Rote Kreuz hilft denen, die es nicht alleine schaffen.

Eine gewisse Routine hat Thorsten Haselau schon. Doch heute ist es anders. Weil der 56-Jährige gehbehindert ist, ist er immer wieder auf die Hilfe der BRK-Bereitschaft angewiesen, die ihn aus seiner Wohnung abholt. An anderen Tagen geht es um Besuche bei Haselaus Mutter, zu deren Wohnung eine blöde Treppe führt. So drückt es der 56-Jährige aus. An diesem Freitagmorgen muss er seine Wohnung in der Neu-Ulmer Innenstadt verlassen, weil auf einer Baustelle in der Nähe eine 450 Kilo schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft wird. Schon wieder.

Sorgen macht sich Thorsten Haselau deswegen nicht. „Das ist ja schon zwei Mal gut gegangen“, sagt er. Erst vor knapp vier Wochen hatten mehr als 12.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen, weil ein Blindgänger auf derselben Baustelle gefunden worden war. Und auch davor hatten Bauarbeiter dort bereits einmal einen Sprengkörper gefunden – evakuiert werden musste die Innenstadt beim ersten Mal nicht.

Nun sind 10.400 Neu-Ulmer Bürger betroffen und mehr als 600 Einsatzkräfte eingebunden, unter ihnen 330 Polizisten und knapp 100 Ehrenamtliche vom Bayerischen Roten Kreuz. „Wir profitieren von den Erfahrungen“, sagt BRK-Kreisbereitschaftsleiter Florian Schaich. Es ist ein Kraftakt für das Bayerische Rote Kreuz im Kreis Neu-Ulm, der Einsatz an einem Werktag stellt die Freiwilligen vor eine Herausforderung.

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Fliegerbombe in Neu-Ulm: Evakuierung und Entschärfung
Bild: Alexander Kaya

Thorsten Haselau hat auf die Helfer gewartet. Er geht mit Krücken zum Aufzug und lässt sich unten auf der Straße in einen Stuhl mit Rollen helfen. Michael Holzhauser und Demian Müller von der BRK-Bereitschaft Vöhringen schieben ihn in auf dem Stuhl in den Rettungswagen, mit dem die beiden Helfer Haselau abholen. Viele der Frauen und Männer, die sie und ihre Kollegen abholen, haben ihre Wohnungen bereits beim vergangenen Großeinsatz verlassen.

Anders als Thorsten Haselau. Er hat diese Evakuierung nicht mitbekommen. „Ich weiß nicht warum“, sagt er. Dieses Mal hat der 56-Jährige über das Bürgertelefon der Stadt darum gebeten, abgeholt zu werden.

Evakuierung in Neu-Ulm: 60 Bürger wollten bleiben

In der Neu-Ulmer Ratiopharm-Arena haben die Helfer Liegen für Patienten aufgebaut, die behandelt werden müssen – und Stühle und Tische für alle anderen, die nur eingeschränkt mobil sind. Thorsten Haselau geht zu Fuß vom Rettungswagen dorthin, der rollbare Stuhl bleibt draußen. Der 56-Jährige lehnt seine Krücken an den Tisch und lässt sich nieder. „Das wird jetzt eine Weile dauern“, sagt er. „Aber ich habe alles dabei. Handy, Schlüssel und ein bisschen Geld.“

Nicht alle haben das Sperrgebiet verlassen. In Trupps ist die Polizei durch die Innenstadt gezogen und hat an allen Türen geläutet. Knapp 60 Bürger bestanden darauf, zu bleiben. Gut fünf Stunden dauert die Evakuierung, zwischen 8.20 und 13.25 sind die Einsatzkräfte in den Straßen von Neu-Ulm unterwegs.

Kurz darauf geht es los, Sprengmeister Roger Flakowski entschärft den 450 Kilo schweren Blindgänger. „Die Zünder haben keine Probleme gemacht“, sagt er anschließend. Die Herausforderungen waren andere: Kies hatte sich am Sprengkörper verfestigt, die Bombe musste zuerst sauber gemacht werden. Außerdem zog ein Gewitter auf. Gegen halb zwei donnert es laut in Neu-Ulm. Die Bombe bleibt still.

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