1. Startseite
  2. Bayern
  3. So extrem steigen die Wohnkosten in Bayern

Interaktive Grafiken

04.03.2019

So extrem steigen die Wohnkosten in Bayern

Wohnen ist zur sozialen Frage des Jahrzehnts geworden. Kaum noch jemand kann sich einen Neubau leisten.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Eine Analyse zeigt, dass Mieten in der Region so schnell steigen wie in München. Seit der Finanzkrise wuchsen sie um 73 Prozent. Auch Kaufen wird teurer.

Nicht nur im großen Ballungsraum um München, sondern in ganz Bayern samt seinen ländlichen Regionen explodieren seit der Finanzkrise die Wohnkosten und ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar. Laut einer für unsere Redaktion erstellte Auswertung zigtausender Daten des größten deutschen Immobilien-Internetportals immowelt.de sind die Preise für Neuvermietungen und Wohnimmobilien zum Beispiel in der Region Augsburg genauso stark gestiegen wie in der Region München. Die Mieten für Neuverträge stiegen in beiden Großstädten seit 2008, dem Jahr des Beginns der Finanz- und Eurokrise, im Durchschnitt um 62 Prozent, in den umliegenden Landkreisen um 50 Prozent.

Weiter mit Plus+ Paket

  • monatlich kündbar
  • alle Artikel unbegrenzt lesen
  • immer top informiert
  • optimiert für alle Endgeräte
Jetzt ab 0,99 € testen

Noch stärker kletterten die Mieten im Landkreis Donau-Ries mit 68 Prozent. Beim Immobilienkauf liegen München mit einem Plus von 144 Prozent, gefolgt von Augsburg mit 132 Prozent bayernweit an der Spitze der Wohnverteuerung. Obwohl der Quadratmeterpreis in München mit 7140 Euro gut doppelt so hoch ist wie in Augsburg, steigen die Preise im gleichen Tempo an. In ganz Bayern kletterten die Neuvermietungspreise um 46 Prozent, die Kaufpreise um 73 Prozent. Die Lebenshaltungskosten stiegen in der gleichen Zeit nur um 13 Prozent.

Wenn Sie mit der Maus über die Landkreise fahren oder am Touch-Display mit dem Finger darauftippen, erhalten Sie weitere Informationen zu den dortigen Preissteigerungen.

Mieten in Bayern steigen um mehr als 40 Prozent

Am stärksten steigen die Mieten in Bayern nicht in München, sondern in Bayreuth: In der fränkischen Universitätsstadt stieg der Quadratmeterpreis bei Neuvermietungen zwischen 2008 und 2018 um ganze 71 Prozent, wie aus den für uns erstellten Daten von immowelt.de hervorgeht. Vor zehn Jahren, als die Finanzkrise von den USA nach Deutschland schwappte und wenig später auch die Eurokrise auslöste, kostete in der Festspielstadt die Kaltmiete noch 5,60 Euro, jetzt sind im Schnitt aus Alt- und Neubaumieten 9,60 fällig. Fast so viel wie in Augsburg, wo die durchschnittliche Miete von Immowelt mit 10,60 Euro angegeben wird.

In der Fuggerstadt stiegen die Preise für Neuvermietungen exakt wie in München um gewaltige 62 Prozent. In Schwaben klettern die Mieten insgesamt kräftig in die Höhe: Im Schnitt um 50 Prozent, leicht über dem bayerischen Durchschnitt. In wirtschaftlich starken Regionen, etwa um Ingolstadt und Donauwörth, schießen die Preise ähnlich wie in München nach oben.

Miet- und Immobilienpreise explodieren: Experten geben Politik die Schuld

„Mitverantwortlich für die Entwicklung auf den Wohnungsmärkten ist auch die nationale und europäische Spar- und Schuldenbremsen-Politik“, sagt der Bundesdirektor des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, unserer Redaktion. „Sie hat dazu geführt, dass weniger investiert wurde, kommunale Wohnungsbestände an Finanzinvestoren verkauft wurden und der soziale Wohnungsbau praktisch eingestellt wurde.“ Dagegen richteten weder die Mietpreisbremse noch die Politik etwas aus: „Das Baukindergeld hat sich wohnungspolitisch als völlig unwirksam entpuppt“, kritisiert Siebenkotten. Zu 85 Prozent fließe es in den Kauf von Eigentumswohnungen. „Neu gebaut wird so gut wie gar nicht, gleichzeitig befeuert dieses Kaufkindergeld die Preise.“

„Ein Ende dieser Preisentwicklung ist nicht absehbar“, sagt Siebenkotten. „Weder die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag noch die Absprachen auf dem Wohngipfel im September 2018 haben daran etwas geändert“, fügt der Mietervertreter hinzu. Die Wohnungsneubauzahlen hinkten weit hinter den Ankündigungen der Politik zurück. „Statt 375.000 neuen Wohnungen werden noch nicht einmal 300.000 gebaut, vor allem bezahlbare Mietwohnungen fehlen, das heißt in erster Linie Sozialwohnungen“, kritisiert Siebenkotten.

Wie auch der Immowelt-Marktexperte Jan-Carl Mehles betont, ist keine Trendwende absehbar: „Wir erwarten auch in den kommenden Jahren weiter steigende Preise, besonders bei den Kaufimmobilien“, sagt der Experte. „Die Mietpreise werden sich ebenfalls weiter erhöhen, jedoch langsamer als die Kaufpreise.“ Für München erwartet Mehles, dass dort bis 2030 Kaufpreise um 60 Prozent auf im Schnitt 11.400 Euro pro Quadratmeter steigen werden.

Für Landwirte soll sich der Verkauf von Bauland lohnen

Der Vorsitzende des Bauausschusses im Bayerischen Landtag, der FDP-Politiker Sebastian Körber, kritisiert ein Versagen auf allen politischen Ebenen: „Auf der Bundes- und Landesebene betreibt man nur Strohfeuer- und Symbolpolitik wie mit dem Baukindergeld oder der neuen Wohnbaugesellschaft Bayernheim, statt die Ursachen anzugehen“, sagt Körber. „Was die Staatsregierung macht, ist völlig unzureichend, dabei hätte sie auf Landesebene mit einer Vereinfachung der Landesbauordnung einen großen Hebel, um den Wohnbau wirksam anzukurbeln“, fordert er eine Überprüfung ständig steigender Standards. „Viele Kommunen haben es verschlafen, genug Bauland auszuweisen, und ebenso der Bund, die steuerlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, dass es sich für Landwirte lohnt, Bauland zu verkaufen.“

Preisexplosion beim Kaufen: 120 Prozent mehr bezahlen als noch vor zehn Jahren

Dabei boomt der Immobilienmarkt in ganz Deutschland und auch fast überall in Bayern. Im Schnitt sind die Preise für den Quadratmeter Wohnfläche im Freistaat um über 70 Prozent gestiegen, in vielen Regionen haben sie sich mehr als verdoppelt: In München und im Münchner Umland müssen Wohnungskäufer in der Regel 120 bis 140 Prozent mehr bezahlen als im Jahr 2008. Auch in den Städten Augsburg, Kempten, Ingolstadt in den Landkreisen Neuburg-Schrobenhausen, Eichstätt, Starnberg und Landsberg haben sich die Kaufpreise für Wohnimmobilien laut den Daten des Immobilienportals immowelt.de mindestens verdoppelt. Lediglich in einigen nordbayerischen Landkreisen wie Kulmbach und Tirschenreuth bewegt sich die Teuerung auf dem Niveau der normalen Inflationsrate. Nur im strukturschwachen Landkreis Kronach sind Immobilien sogar billiger zu haben als 2008.

„Die historisch niedrigen Zinsen waren und sind ein wichtiger Faktor für die Preisentwicklung am Immobilienmarkt und waren vor knapp zehn Jahren die Initialzündung“, sagt der Immowelt-Experte Jan-Carl Mehles. „Während viel freies Kapital auf dem Markt sichere Anlagemöglichkeiten gesucht hat, wurden gleichzeitig mehr Menschen in die Lage versetzt, einen Immobilienkauf zu finanzieren.“ An dieser Situation, die die Immobilienpreise nach oben treibt, wird sich seiner Einschätzung nach in absehbarer Zeit nichts grundlegend verändern. Seinen Berechnungen nach „müssten Hypothekendarlehen im Schnitt auf knapp drei Prozent steigen, damit die Kaufpreise stagnieren“, erklärt Mehles.

Lesen Sie hier den Kommentar: Die Politik verschiebt das Problem der explodierenden Immobilienpreise.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

06.03.2019

https://www.stern.de/wirtschaft/immobilien/geldwaesche-im-grossen-stil--so-treibt-die-mafia-die-immobilienpreise-nach-oben-8128946.html

Wann geht man die Ursachen an?
Wer verhindert Gesetze gegen Geldwäsche und Kauf ohne Nachweis der Herkunft des Geldes?
Sind unsere Politiker Komplizen?

Permalink
Lesen Sie dazu auch
dpa_5F9CC2004305F28F.jpg
Kommentar

Immobilien: Nicht länger herumdoktern

ad__pluspaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live, aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Plus+ Paket ansehen