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Gesundheit

21.02.2020

So gehen die Kliniken in der Region mit dem wehenauslösendem Mittel Cytotec um

Die Anwendung des Medikaments Cytotec für die Geburtseinleitung kann in Einzelfällen zu Komplikationen führen.
Bild: Mascha Brichta, dpa

Plus Cytotec heißt das Medikament, das Schwangeren Sorge bereitet. Es steht im Verdacht, lebensgefährliche Nebenwirkungen auszulösen. Wie die Kliniken in der Region damit umgehen.

Wie gefährlich ist Cytotec? Das wehenauslösende Medikament löst derzeit große Ängste bei vielen schwangeren Frauen aus. Eigentlich handelt es sich um ein Magenmedikament, das bislang in Deutschland nicht für den Einsatz in der Geburtshilfe zugelassen ist. Eine Umfrage der Universität Lübeck habe aber ergeben, dass es angeblich in etwa der Hälfte der geburtshilflichen Einrichtungen Deutschlands benutzt wird. Das Medikament steht im Verdacht, beispielsweise lebensgefährliche Risse der Gebärmutter auslösen zu können. Zudem habe es Fälle von Gehirnschäden bei Babys gegeben – wegen einer Sauerstoffunterversorgung des Gehirns.

Ärzte können es nach Absprache mit den Patientinnen im Rahmen ihrer Therapiefreiheit (sogenannter "Off-Label-Use") trotzdem anwenden. Unsere Redaktion nahm die Debatte zum Anlass, exemplarisch neun Kliniken und Klinikverbunde in unserem Verbreitungsgebiet anzufragen, ob sie das Mittel einsetzen. Leider haben nicht alle geantwortet.

In Ulm wird der Wirkstoff des Medikamentes eingesetzt

Eingesetzt wird das Medikament etwa in der Uniklinik Ulm, allerdings in einer anderen Darreichungsform: "Angewandt wird nicht Cytotec 200, sondern dessen Wirkstoff Misoprostol. Und dies nur in einem Bruchteil der in Cytotec enthaltenen Dosierung", teilt die Uniklinik mit und verweist gleich auf eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, kurz DGGG. Diese sieht die beschriebenen lebensgefährlichen Fälle in einem ganz anderen Licht: Zu den seltenen Nebenwirkungen von Misoprostol gehören demnach in erster Linie erhöhte Temperatur und Fieber, Zittern und Überstimulation.

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Die in den Medienberichten skizzierten Todesfälle hätten vor allem Geburten betroffen, bei denen vorher eine Operation der Gebärmutter – etwa wegen eines Kaiserschnitts oder Entfernung von Myomen oder Endometriosen – erfolgte. "Hier gibt es unabhängig von einer Geburtseinleitung immer das Risiko, dass es zu einer Uterusruptur mit entsprechendem erhöhten Risiko für Mutter und Kind kommen kann." In dieser Situation dürfe Misoprostol auf keinen Fall zur Geburtseinleitung verwendet werden, was seit vielen Jahren bekannt sei. "Und im klinischen Alltag beachtet werden muss", schreibt die DGGG. Ohnehin dürfe das Medikament nicht gegeben werden, "wenn bereits Wehentätigkeit vorhanden ist". Denn dann bestehe die Gefahr eines sogenannten Wehensturms.

Laut Gesellschaft für Geburtshilfe ist das Medikament in anderen Ländern zugelassen

Die DGGG kritisiert zudem, dass behauptet werde, das Medikament sei in vielen anderen Ländern nicht zugelassen. Das stimme nicht. Es werde unter anderem Namen etwa in Frankreich oder Skandinavien eingesetzt und sei dort zugelassen.

Auch im Oberallgäu wird Misoprostol – wie in Ulm, aber in niedrigeren Dosierungen – verwendet: "In unseren Geburtskliniken in Kempten und Immenstadt wird Misoprostol verwendet. Es ist das von der WHO ausdrücklich empfohlene, wissenschaftlich in hervorragenden Studien erprobte Mittel der ersten Wahl zur Geburtseinleitung", teilt der "Klinikverbund Allgäu" mit und betont: Es habe dort deswegen noch nie Wehenstürme oder Uterusrisse gegeben.

Andere Kliniken in der Region setzen Misoprostol nach eigenen Angaben nicht ein: "In Landsberg ist man sehr für eine natürliche Geburt ohne künstliche Einleitungsmethoden", teilt das Klinikum mit. Auch an der Uniklinik Augsburg oder in den Geburtshilfen Kaufbeuren und Füssen sowie in der Wertachklinik Bobingen wird das Mittel nicht eingesetzt. Vom Klinikum Memmingen, dem Josefinum Augsburg und der Klinik St. Elisabeth in Neuburg erhielt unsere Redaktion auch auf zweimalige Anfrage hin keine Antwort.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:  Das wehenauslösende Mittel Cytotec: Wer hat nun recht?

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