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So viele Kirchenaustritte in Bayern wie nie: Ein Land verliert seinen Glauben

So viele Kirchenaustritte in Bayern wie nie: Ein Land verliert seinen Glauben
Kommentar Von Alois Knoller
27.06.2020

2019 sind so viele Menschen wie noch nie in Bayern aus den Kirchen ausgetreten. Die Corona-Pandemie verschärft die Krise der Kirchen noch.

Gott mit dir, du Land der Bayern? So viele Katholiken und Protestanten wie 2019 sind noch nie aus ihren Kirchen ausgetreten. Dabei möge die Empörung über lange vertuschte Missbrauchsfälle oder über den skandalösen Umgang mit kirchlichem Geld eine Rolle spielen.

Doch die tiefere Ursache der immer stärkeren Abwendung liegt darin, dass eine religiöse Bindung als überflüssig empfunden wird. Die Ausgetretenen erwarten sich in ihrer Mehrzahl nichts mehr von der Kirche. Erhebende Gefühle im Gottesdienst oder seelsorgerlicher Trost sind bei ihnen Fehlanzeige.

Die Bischöfe sind es schon gewohnt, sich alljährlich in Zerknirschung zu üben. Allerdings klingen ihre Stellungnahmen nicht mehr so fatalistisch wie einst. Sie kommen in der neuen Epoche einer individuellen Selbstbestimmung an.

Klare Worte des Augsburger Bischofs

Völlig unmöglich scheint es nicht, Menschen an Religion und Kirche zu binden. Allerdings wollen sie aufgesucht und persönlich angesprochen werden. Von der Kanzel herab lassen sich die wenigsten begeistern. Bischof Bertram Meier spricht hier klare Worte.

 

Leider hat die Corona-Pandemie den Rückfall ins Klerikale eher gestärkt. Ein Priester, der in der leeren Kirche allein die Messe zelebriert, sendet das Signal aus, er brauche die Gläubigen gar nicht. Das Gegenteil ist allerdings der Fall. Katholiken werden immer weniger Priester haben und sich selbst geistlich zusammenfinden und handeln müssen (wie die Protestanten übrigens auch). Das wird die Gestalt der Kirche verändern. Andernfalls steuert sie ins Sektiererische und verabschiedet sich aus der Gesellschaft.

Lesen Sie dazu auch: Bayern laufen den Kirchen davon: Austrittszahlen auf Rekordhoch

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28.06.2020

Die kommen alle wieder gekrochen, wenn das Leben schlechter wird.

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28.06.2020

Sie scheinen das Geschäftsmodell nahezu aller Religionen verstanden zu haben . . .

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27.06.2020

Die Zeit des Aberglaubens ist vorbei. Niemand hat mehr Angst vor dem alles sehenden und strafenden Gott, der noch vor nicht allzu langer Zeit den Kindern eingeimpft wurde. Die Kirchen, insbesondere die katholische, sollten ihren anachronistischen Hokuspokus aufgeben und sich ihren sozialen Aufgaben widmen, die sie angesichts ihrer Stellung in der Gesellschaft und v. a. angesichts ihrer finanziellen Mittel immer noch haben. Dazu braucht es aber glaubwürdiges Personal, keine alten verdrossenen Männer, wie wir sie zuletzt in Augsburg ertragen mussten. Der neue Augsburger Bischof ist wenigstens in dieser Beziehung ein Lichtblick.

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27.06.2020

Was hat denn ein Kirchenaustritt mit dem Verlust des Glaubens zu tun? Der Glaube, meiner zu mindest, ist doch unabhängig von formalen Vorschriften. Warum z.B. darf ein Diakon verheiratet sein, wenn er vor der Weihe geheiratet hat. Danach ist es ihm verboten zu heiraten. an denke an die vielen Geschiedenen, die wieder geheiratet haben. Der Kirche kann ich nur mit dem Austritt meine finanzielle Unterstützung entziehen, wenn ich mich weigere Dinge zu unterstützen, die gegen meine Überzeugung sind. Ein Land verliert durch Kirchenaustritte noch lange nicht seinen Glaugen.Die Kirchen sollten diese unselige Verknüpfung von Glauben und verkrusteten Strukturen schnellstens aufheben.

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