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Hilfsstiftung

20.11.2019

Söder eröffnet bayerische Stiftung für Obdachlose in Augsburg

Mehr Hilfe für Obdachlose - das ist das Ziel einer neuen Stiftung in Bayern.
Foto: Hauke-Christian Dittrich (dpa)

Ministerpräsident Söder löst ein Versprechen ein, das er bei einem Treffen mit dem Papst gegeben hat: Der Freistaat will mehr für Obdachlose tun.

Versprochen ist versprochen – erst recht, wenn das Wort dem Papst gegeben wurde. Bei einem Besuch im Vatikan im vergangenen Jahr hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein Hilfsprogramm für Obdachlose angekündigt. Im Gespräch mit Papst Franziskus sagte er: „Ein so reiches Land wie wir sollte da mehr machen.“

Wie Markus Söder ein Versprechen einlöst, das er dem Papst gegeben hat

Am Mittwoch löste Markus Söder sein Versprechen ein und unterzeichnete die Gründungsurkunde der Stiftung „Obdachlosenhilfe Bayern“ im Übergangswohnheim in Augsburg. In der Stadt wird auch der Sitz der neuen Stiftung sein. Mit fünf Millionen Euro Startkapital sollen in den nächsten zehn Jahren Projekte gefördert werden, die wohnungslosen Menschen helfen.

Im Übergangswohnheim in der Johannes-Rösle-Straße in Augsburg leben derzeit 81 Männer, die keine Wohnung haben. Ihre Zahl wird mit den fallenden Temperaturen steigen, sagt Heimleiter Knut Bliesener. Die Kapazität sei zwar knapp, aber noch nicht am Anschlag, wie das beispielsweise schon in München der Fall ist.

Rund drei Millionen Euro jährlich investiert die Stadt Augsburg in die Obdachlosenhilfe. Nun könnten weitere Projekte in der Stadt und in ganz Bayern Unterstützung von der Stiftung bekommen. Söder sagte: „Es ist die Aufgabe eines reichen Landes zu zeigen, dass wir helfen wollen und können.“ Die Stiftung will vor allem den Kommunen unter die Arme greifen und Projekte fördern, die stärker auf die Bedürfnisse der Betroffenen ausgerichtet sind und bei denen obdachlose Menschen aufgesucht werden. Die Stiftung soll sowohl mit den Städten und Gemeinden wie auch mit der Freien Wohlfahrtspflege zusammenarbeiten. Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) begleitete Söder am Mittwoch. Sie wird zusammen mit Johanna Rumschöttel (SPD), der ehemaligen Landrätin des Kreises München, der Stiftung vorstehen.

Schätzungen des Freistaats: So viele Menschen sind in Bayern obdachlos

Doch ist es mit einer Stiftung, der Geld zur Verfügung steht, getan? Von kritischen Stimmen heißt es, dem Freistaat fehle es an jeglicher Grundlage, um gezielt Hilfe leisten zu können. Kritik kommt vom Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bayern, Thomas Beyer. Zwar sei die Gründung eigentlich eine positive Sache. Allerdings arbeite der Freistaat auf einer unzureichenden Basis. Denn es gebe keine verlässlichen Zahlen über wohnungslose Menschen in Bayern. Die Regierung ziehe eine Stichtagsprobe vom 30. Juni 2017 heran. An diesem Tag waren 15.517 Menschen in Notunterkünften gemeldet. Aussagen über Menschen, die auf der Straße leben, könnten dadurch nicht getroffen werden.

Deshalb zweifelt Beyer auch daran, ob das Geld der Stiftung überhaupt ausreicht, um tief greifende Veränderungen zu bewirken. Von unserer Redaktion angesprochen auf die fehlenden Zahlen aus Bayern sagte Söder: „München hat das versucht und ist gescheitert, eine Erhebung ist vollkommen unrealistisch.“ Der Bundesregierung liege jedenfalls ein Gesetzesentwurf vor, der das Statistische Bundesamt mit einer Zählung beauftragen will. Die erste soll im Jahr 2021 stattfinden.

Problem der Obdachlosigkeit: Ohne Wohnung keinen Job, ohne Job keine Wohnung

In Deutschland hat sich die Zahl der Wohnungslosen im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Waren es im Jahr 2008 noch 227.000 Menschen, sind es nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) im vergangenen Jahr 678.000 Menschen gewesen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Geschäftsführerin Werena Rosenke sagt, der Zuzug von Geflüchteten wirke sich auf die Statistik aus. Aber die eigentlichen Gründe seien der angespannte Wohnungsmarkt, gerade in Ballungsräumen, und der Mangel an Sozialwohnungen. Menschen mit niedrigem Einkommen, die ihre Wohnung verlassen müssten, etwa wegen Eigenbedarf des Vermieters oder Mietschulden, fänden oftmals keine bezahlbaren Alternativen mehr. „Sie sitzen dann im System fest“, sagt Rosenke – denn: Ohne Wohnung keine Arbeit und ohne Arbeit keine Wohnung.

Laut der BAGW gelten Menschen als wohnungslos, die keinen Mietvertrag haben und in einer Notunterkunft oder ähnlichen Einrichtungen leben. Die Obdachlosigkeit ist, wenn man so will, eine extreme Form davon. Es handelt sich um Menschen ohne festen Wohnsitz, die auf der Straße leben.

Lesen Sie dazu auch: Bayern will Hilfe für Obdachlose mit mehr Zusammenarbeit verbessern

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