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Sommer
23.06.2017

Der heißeste Garten Deutschlands

Magdalena Michelsen in ihrem Garten im unterfränkischen Kitzingen. Hier wurde vor zwei Jahren Deutschlands Hitzerekord aufgestellt.
Foto: Daniel Karmann, dpa

Wie im unterfränkischen Kitzingen aus „Oma Magdalena“ eine gefragte Wetterfee wurde

Es ist zehn Uhr morgens. Keine Wolke am Himmel. Die Sonne brennt. Magdalena Michelsen schaltet ihren Wettercomputer ein, klickt sich durchs Menü und findet die aktuellen Daten. „Schon 25,4 Grad Celsius“, sagt die 84-Jährige. „Das wird heute wieder ein Hitzetag.“ Michelsen kennt sich aus. Denn in ihrem Garten im unterfränkischen Kitzingen steht die Messstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die immer wieder Rekordtemperaturen meldet.

So auch am 5. Juli und am 7. August 2015. An beiden Tagen wurden 40,3 Grad Celsius in Michelsens Garten gemessen. Laut DWD ist das die höchste jemals in Deutschland gemessene Temperatur seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen 1881. „Logo, da bin ich schon stolz drauf“, sagt die Rentnerin zufrieden. Seit 19 Jahren steht die Messstation gleich neben dem Haus auf einer großen Wiese. Bis 2005 musste die Familie täglich mehrfach selbst messen und die Daten zum DWD schicken. Die Wetterstation war die große Leidenschaft ihres Mannes – und auch seine Verpflichtung. „Wenn wir irgendwo eingeladen waren, sind wir gegangen, wenn es am schönsten war. Dann haben wir gemessen und sind wieder zurückgefahren“, erinnert sich Michelsen. Selbst der Urlaub musste hintenanstehen.

Mittlerweile misst die Station alles selbst und übermittelt die Daten automatisch zum DWD. Nur die Schnee- und Regenmengen muss Michelsen selbst messen und melden. „Bis morgens acht Uhr.“ Und natürlich hält sie die kleine Anlage mit den drei Sensoren für Niederschlag, Temperatur und Wind auch in Ordnung. „Rasen mähen, Unkraut wegmachen, die Sensoren putzen und sauber halten. Das muss schon alles seine Ordnung haben“, sagt die sechsfache Großmutter.

Michelsen betreut eine von rund 500 automatischen Messstationen des Wetterdienstes in Deutschland. Einige von ihnen stehen auf privatem Grund und werden auch von Privatpersonen betreut. „Meistens machen das Rentner“, sagt DWD-Meteorologe Christian Ehmann. Sie bekommen vorher eine genaue Einweisung und danach regelmäßig Schulungen. „Sie machen das ehrenamtlich. Aber es gibt eine kleine Pauschale als Aufwandsentschädigung.“ Allein für Bayern listet der DWD aktuell mehr als 50 verschiedene Messorte auf.

Zu so viel Berühmtheit wie Magdalena Michelsens kleiner Garten im Jahr 2015 schaffte es sonst keiner. „Am Anfang war es mir gar nicht bewusst, dass es schon so heiß war. Dann habe ich es im Radio gehört und habe mal nachgeschaut“, erinnert sich Michelsen. Schon kurz danach stand das Telefon nicht mehr still. Die Stadt Kitzingen sei seit dem Hitzerekord bekannter geworden, sagt auch Oberbürgermeister Siegfried Müller. „Wir locken sonst mit Main, Wein und Kultur. Heißeste Stadt Deutschlands zu sein, ist nun noch das i-Tüpfelchen.“

Aus Oma Magdalena ist längst die „Wetterfee“ Kitzingens geworden. „Sogar meine Ärztin begrüßt mich oft so“, erzählt die 84-Jährige. Warum aber ausgerechnet aus ihrem Garten immer wieder Höchsttemperaturen gemeldet werden, weiß sie nicht. Klimaexperten dagegen schon: Zum einen liegt Kitzingen tief in einem Kessel, in dem sich schnell die Hitze sammelt. Zum anderen wird kühler Wind aus dem Westen durch eine Bebauung im Westen der Stadt gestoppt. Eine weitere Erklärung ist, dass es zwar in anderen Regionen Deutschlands durchaus heiß werden kann. Ausgerechnet dort entsprechen aber die Messstationen nicht den offiziellen Anforderungen. Christiane Gläser, dpa

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